Unterernährung
Weltweit leiden über 850 Millionen Menschen unter Hunger. Mehr als 95% davon leben in den Entwicklungsländern. Dort sterben etwa 30.000 Kinder pro Tag, bevor sie das fünfte Lebensjahr erreichen. [1] Die Hälfte von ihnen stirbt auf Grund von Unterernährung, oft auch mit bedingt durch die unzureichende Ernährung der eigenen Mutter. Der Protein- und Nährstoffmangel führt in der Regel zu einer Schwächung der inneren Organe einschließlich des Herz-Kreislaufsystems sowie des Immunsystems. Dadurch erhöht sich besonders bei Kindern die Gefahr tödlicher Infektionskrankheiten.
[1] Was ist Hunger? _ www.welthungerhilfe.de
Verminderte Lebenserwartung
In den Entwicklungsländern ist die Lebenserwartung in der Regel bedeutend kürzer als in den entwickelten Staaten. Afrika ist davon in besonderem Maße betroffen. So liegt zum Beispiel die durchschnittliche Lebenserwartung in Sambia nur noch bei 32,4 Jahren. Im Vergleich dazu beträgt die Lebenserwartung in Kanada, Norwegen, Frankreich oder Australien über 80 Jahre. Gerade in Afrika trägt auch die Armutskrankheit AIDS in hohem Maße zu diesen verheerenden Zahlen bei. Allein in Simbabwe sind 25% der Bevölkerung mit dem HI-Virus infiziert. [2] [3]
[2] Lebenserwartung in Teilen Afrikas unter 33 Jahre _ vista verde news _ www.vistaverde.de
[3] Wie Armut zu Aids führt _ www.aidsfocus.ch
Eingeschränkte kindliche Entwicklung
Mangelhafte Ernährung und eine ungenügende Gesundheitsvorsorge sind direkte Auswirkungen von Armut. Solche Lebensumstände wiederum beeinflussen die kindliche Entwicklung negativ. Geistige, soziale, motorische und emotionale Fähigkeiten entfalten sich nur unzureichend und machen die Kinder weniger leistungsfähig. Dies führt oft dazu, dass sie später weniger erfolgreich sind, deshalb ein schlechteres Einkommen erzielen und deshalb die eigenen Kinder auch nicht optimal versorgen können. Der Teufelskreislauf der Armut ist so nur schwer zu durchbrechen. Weltweit sind fast 220 Millionen Kinder unter fünf Jahren kognitiv eingeschränkt. Allein in Afrika sind über 60% der Kinder davon betroffen. [4]
[4] Studie: Armut beeinträchtigt die geistige Entwicklung von Kindern _ www.wissenschaft.de
Umweltzerstörung
Für die Gefährdung und Zerstörung natürlicher Lebensräume gibt es unterschiedliche Ursachen. In vielen Ländern der Erde ist jedoch auch Armut ein bedeutender Grund, den Schutz der Umwelt weiterhin zu vernachlässigen. Die Sorgen und Probleme und der alltägliche Überlebenskampf der Menschen lassen nachhaltiges Wirtschaften und Verhalten oft in den Hintergrund treten. Notwendige finanzielle Mittel für ökologisches Handeln stehen in armen Regionen oft nicht zur Verfügung oder werden von politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern aus purem Eigennutz oft bewusst nicht bereit gestellt. (s. Korruption)
Gleichzeitig sind Arme häufiger Opfer bei Umweltkatastrophen, weil ihnen weniger Lösungs- und Bewältigungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer umweltbezogenen Ungerechtigkeit.
Bürgerkriege
Bürgerkriege brechen in armen Ländern wesentlich häufiger aus als in reichen. Es gibt Statistiken, nach denen ein Einbruch des Wirtschaftswachstums um fünf Prozent die Wahrscheinlichkeit eines bewaffneten Konflikts um 50 Prozent ansteigen lässt. [5]
[5] Armut fördert Bürgerkriege _ www.welthungerhilfe.de
Korruption
Auf internationaler Ebene findet man die korruptesten Systeme in den Staaten, die besonders von Armut betroffen sind, also in Südamerika und Afrika. Hier hat sich ein regelrechter Teufelskreis aus Armut und Korruption gebildet. Dies hat zur Folge, dass oft teure, sinnlose Projekte, die umweltschädlich und unsozial sind, tatsächlich die besten Chancen haben, verwirklicht zu werden. Ein dichtgestricktes Netz aus Lobbyisten und Seilschaften realisiert gerne jene Vorhaben, die ihnen selbst am meisten nutzen. Natürlich sind auch global agierenden Firmen und Konzerne der entwickelten Länder in diesen Filz verstrickt, denn sie wollen ebenfalls von lukrativen Aufträgen und Geschäften in den Entwicklungsländern profitieren. Bis vor wenigen Jahren wurde Korruption noch ganz offen betrieben und war nach deutschem Recht sogar legal und steuerbegünstigt.
Auch bei Entwicklungshilfeprojekten, die vorwiegend aus Steuergeldern finanziert werden, versickert oft ein hoher Prozentsatz als „Korruptionsaufschlag“. Gleichzeitig werden Steuergelder eingesetzt, um in demselben Land die Korruption zu bekämpfen. Eine aberwitzige Verschwendung von Kapital zu Lasten der armen und notleidenden Menschen. [6]
[6] Transparency International _ www.transparency.org
Bildungsbenachteiligung
Es ist statistisch belegt, dass Menschen mit geringeren sozialen, finanziellen und kulturellen Mitteln geringere Bildungschancen besitzen. Diese Benachteiligung von Kindern und Erwachsenen wird oft systembedingt noch verstärkt durch die Tatsache, dass das öffentliche Schulwesen in vielen Ländern schlecht und unterfinanziert ist. Während die Mittel- und Oberschicht darauf reagieren und ihre Kinder auf kostenpflichtige Schulen schicken kann, haben die armen Bevölkerungs-schichten in der Regel kein Geld für solche Alternativen.
Auch hier trifft es wieder die Bewohner der ärmsten Länder in besonderem Maße. Im Jahre 2002 lebten 70% aller Analphabeten in nur neun Staaten, die zum größten Teil in Afrika südlich der Sahara und Südostasien liegen. [7]
[7] EFA Global Monitoring Report _ www.globalmarch.de
Überbevölkerung
Der Begriff „Überbevölkerung“ ist nicht eindeutig. Für einen Tatbestand der Überbevölkerung gibt es verschiedene Maßstäbe. Sie kann sowohl global als auch regional und lokal bestehen. Neben der Tragfähigkeit eines bestimmten Raumes oder der ganzen Welt, was die Dimension der Menschenmenge betrifft, setzt man diese oft auch in Bezug zu den herrschenden Lebensbedingungen oder dem Nahrungsangebot. Aber auch unter dem Aspekt der Wahrung bestimmter Lebensstandards lässt sich dieses Thema noch diskutieren.
Die Meinungen zur Bevölkerungstheorie sind äußerst kontrovers. Für einige ist Überbevölkerung ein zentrales Menschheitsproblem, aus dem unter anderem Armut resultiert. Für andere ist Armut eine der Ursachen von Überbevölkerung, denn sie führe zu einer hohen Geburtenrate, weil es keinen Zugang zu Verhütungsmitteln gibt oder Kinder als einzige Möglichkeit der Altersvorsorge gesehen werden. [8] Eine weitere Gruppe findet die ganze Betrachtungsweise menschenverachtend, denn sie sieht die Tragfähigkeit der Erde noch längst nicht erschöpft. Sie vermutet die Probleme eher auf der Ebene von politischen Fehlleistungen.
Mittlerweile existiert auch die Theorie, dass es für die Zahl der Menschen auf der Erde eine flexible Grenze gibt. Diese lässt sich durch Innovationen und neue technische Möglichkeiten positiv öffnen oder durch Umwelt- und Ressourcenzerstörung negativ enger schließen. In diesem Zusammenhang wird das Thema Überbevölkerung immer häufiger im Kontext der Nachhaltigkeit diskutiert.
[8] DSW-Info: Menschenrecht Familienplanung _ www.dsw-online.de
[ ] = Informationsquellen
Texte und redaktionelle Bearbeitung: Rolf Rötgers / playandhelp-Team
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