EU-Versuchstierrichtlinie: Persilschein für Tierversuche – Bürokratie für Alternativmethoden
Donnerstag, 17. Dezember 2009In langwierigen Verhandlungen haben letzte Woche EU-Kommission, Vertreter des EU-Ministerrats und das Europäische Parlament einen Kompromisstext zur neuen EU-Versuchtierrichtlinie erarbeitet, der heute dem EU-Ministerrat für Landwirtschaft und Fischerei vorgelegt wird. Der Deutsche Tierschutzbund fordert die Bundesregierung auf, dafür zu sorgen, dass die neue Richtlinie zum Schutz von Versuchstieren ihrem Namen auch gerecht wird: Es müssen Regelungen verankert werden, die Tierversuchen wirksame Grenzen setzen, die Anzahl der in Versuchen verwendeten Tiere muss sinken. Nach dem Kompromisstext sollen u.a. Versuche an Menschenaffen erlaubt bleiben.
„Leider blieb bei den bisherigen Verhandlungen der Tierschutz auf der Strecke. Es besteht politischer und gesellschaftlicher Konsens, dass Tierversuche wo immer möglich durch andere Methoden ersetzt werden müssen“, erklärt Brigitte Rusche, Vizepräsidentin des Deutschen Tierschutzbundes. Laut dem nun vorliegenden Kompromisstext aber, müssten verfügbare Alternativmethoden nur dann eingesetzt werden, wenn sie von EU-Behörden anerkannt seien. Das wäre eine untragbar hohe Hürde, da viele Methoden bereits einsetzbar seien, eine Aufnahme in EU-Rechtsakte aber ihre Anwendung jahrelang hinauszögern würde. Für Bereiche außerhalb der von Behörden regulierten Vorschriften für Testverfahren zur Stoff- und Produktsicherheit mache die vorgesehene Regelung schon prinzipiell keinen Sinn, stellt Rusche klar.
„Es ist erschütternd, dass selbst Versuche an Menschenaffen nicht verboten werden sollen“, erklärt Rusche weiter. In einer dem Deutschen Tierschutzbund vorliegenden vertraulichen Stellungnahme hatte sich Bundesforschungsministerin Annette Schavan für weitere Tierversuche mit Affen ausgesprochen. Für Rusche eine der möglichen Erklärungen für das Votum „Pro Tierversuch an Menschenaffen“. Letztlich aber, stellt Rusche klar, müsse die für den Tierschutz und damit diese Richtlinie verantwortliche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner dringend klarstellen, dass es nicht Ziel der Bundesregierung sei, Versuche an unseren nächsten Verwandten fortzusetzen.
Schließlich droht ein weiterer gravierender Rückschritt: Zukünftig soll es den Mitgliedstaaten untersagt sein, in ihrem eigenen Land strengere Vorschriften zum Schutz der Versuchstiere umzusetzen, als in der neuen Richtlinie festgelegt. Das wäre ein Novum, denn bisher galt die Regel, dass die EU Mindeststandards setzt, die nationale Umsetzung aber auch darüber hinausgehen kann.
Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.


















Noch gelingt es den Agrarlobbies weitestgehend, das Thema “Fleisch” von der Klimaschutzagenda fern zu halten. Aber ihr Einfluss nimmt ab, und ihre Lösungsansätze sind inakzeptabel.
Jedes Jahr werden in Deutschland rund 49 Millionen Puten verzehrt, vor allem in der Weihnachtszeit gilt Putenfleisch als cholesterinarme Alternative zur klassischen Weihnachtsgans. Auch die Skandale um BSE und MKS ließen die Nachfrage nach den Puten in den letzten Jahren stetig steigen; so hat sich der Verkauf seit 1998 geradezu verdoppelt, und im Supermarkt wird gerne nach der “zarten” Putenbrust gegriffen. Letztlich auch wegen des geringen Preises steht Putenfleisch hoch im Kurs. Doch viele Verbraucher wissen nicht, unter welchen zum Teil grausamen Bedingungen die Tiere gehalten und geschlachtet werden. Lobbyvereinigungen und bekannte Großkonzerne verschleiern mit geschönten Fotos die Realität, ein Blick hinter die Kulissen wird nicht gerne gewährt, das mühsam aufgebaute Saubermann-Image soll durch nichts erschüttert werden. Doch jetzt blickt der Bund gegen Missbrauch der Tiere in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tierschutzbüro hinter die glänzende Fassade der Putenindustrie und zeigt in Form einer Videodokumentation, wie Puten in Deutschland gehalten werden: