Fleisch von Stopfleber-Gänsen nicht erkennbar

tierschutz1Tierschützer fordern deutliche Kennzeichnung aller Qualprodukte

Nach dem Eklat bei der ungarischen Pressekonferenz der letzten Internationalen Grünen Woche (IGW), bei der für Gänsestopfleber geworben werden sollte, was ausgelöst durch Berichte und Fotos des Journalisten Markus Müller und die Proteste von Tierschützern gründlich misslang, hat der ungarische Landwirtschaftsminister Jozsef Graf in diesem Jahr bei der Vorstellung der ungarischen Landwirtschaft neben Obst, Gemüse und verschiedenen tierischen Produkten die Stopfleber nicht erwähnt. Die Frage nach dem Anteil der Gänsehaltung, bei der diese Lebern erzeugt werden, hat er nicht beantwortet; aber er behauptete, dass die Verfahren verbessert und deshalb für die Tiere nicht schmerzhaft seien. Außerdem seien die Produkte eindeutig gekennzeichnet, so dass der Verbraucher selbst entscheiden könne, aus welcher Haltungsform er einkaufen wolle. Ein Verbot der Gänsezwangsmast sei nicht geplant. Auf den Einwand, das Image der ungarischen Landwirtschaft könne durch die Beibehaltung der Stopfleberherstellung Schaden erleiden und Polen habe sie auch verboten, antwortete er, es handele sich um eine lange Tradition, die erhalten bleiben solle. Am Ende der Pressekonferenz bekamen die Anwesenden als Geschenk unter anderem Prospekte einer Firma, die tiefgekühlte Gänse auf der IGW verkauft.

Die Ungarn haben als Partnerland der Messe diesmal eine ganze Halle für sich, in der sie sowohl für ihre landwirtschaftlichen Produkte, als auch für ihr Land als Reiseziel mit vielen attraktiven landschaftlichen und kulturellen Besonderheiten werben. An einem der Verkaufsstände gibt es Erzeugnisse aus der Schweine- und Geflügelhaltung. Auf Nachfragen am Stand der Firma, deren Prospekte nach der Pressekonferenz verteilt wurden, wird versichert, dass die Gänse alle aus Freilandhaltung stammen und nicht gestopft wurden. Die Firma verfüge über große Flächen, auf denen jährlich 1 200 000 Fleischgänse gemästet werden. – Eine zweite Firma, die daneben am selben Stand ihre Geflügelprodukte anbietet, verkauft sowohl Gänsestopfleber als auch Gänsefleisch. Obwohl das Fleisch von den gestopften Gänsen stammt, ist auf der Verpackung kein Hinweis auf diese Zwangsmast zu erkennen, stattdessen steht groß „aus bäuerlicher Freilandhaltung“ darauf. Dies widerspricht also den Aussagen des Ministers, zumindest wird die richtige Deklaration nicht ausreichend überwacht. Auch an diesem Stand gibt es Prospekte. Darin wird mit vielen schönen Worten erklärt, dass die Erzeugung von Gänsestopfleber für die Tiere nach Aussagen von Wissenschaftlern nicht unangenehm sei. Die Bilder zeigen allerdings nur idyllische Fotos von Gänsen im Freiland. Der Vorgang des Stopfens wird nicht dargestellt. Das würde deutsche Verbraucher wohl doch eher vom Kauf abhalten, als den Absatz zu fördern.

Die AGfaN fordert seit langem die deutliche Kennzeichnung der Haltungsform bei allen tierischen Produkten sowie die gründliche Überwachung und vor allem Sanktionierung bei Irreführung, um den Verbraucher davor zu schützen, dass er unbeabsichtigt Produkte aus einer Tierhaltung kauft, die von ihm abgelehnt wird.

Die “Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung” e.V. (AGfaN) ist ein Tierschutzfachverband, der sich schwerpunktmäßig mit der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung befasst. Sie lehnt die Nutztierhaltung nicht prinzipiell ab. Sie wendet sich aber entschieden gegen die praxisübliche Ausbeutung dieser leidensfähigen Mitgeschöpfe, die fast immer eng zusammengepfercht und bei Dämmerlicht vegetieren müssen. Das Anpassen der Tiere an die tierfeindlichen Lebensbedingungen durch Schnabelkürzen bei Puten, Moschus(Flug-)enten und Legehennen und das Kürzen der Schwänze bei Ferkeln sowie das Enthornen der Rinder wird abgelehnt.

Quelle: Offenes-Presseportal

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