Archiv für November 2010

Cholera in Haiti: Langfristige Investitionen in sanitäre Anlagen notwendig

Mittwoch, 24. November 2010

Sorge um eingeschränkten Hilfszugang während der Wahlen

Um die Cholera in Haiti langfristig einzudämmen und zukünftige Ausbrüche zu vermeiden, fordern CARE Deutschland-Luxemburg und action medeor eine langfristige Strategie der haitianischen Regierung und ihrer internationalen Partnern zur Verbesserung der Wasserversorgung sowie der Hygienestandards im Land. Nach Angaben der Vereinten Nationen haben nur 58 Prozent der haitianischen Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser, nur 19 Prozent können sanitäre Anlagen nutzen.

Die beiden deutschen Hilfsorganisationen verschicken heute gemeinsam zwei „CARE-Pakete gegen Cholera“ nach Haiti. In den Paketen im Umfang von je 2,5 Tonnen und in der Abmessung von je sieben Kubikmetern sind Cholera-Medikamente sowie medizinisches Material enthalten. Der Wert eines Paketes liegt bei rund 22.000 Euro. Damit können weitere zahlreiche Cholera-Infizierte behandelt werden. „Diese Pakete sind speziell für die Situation jetzt zusammengestellt: sie enthalten vor allem Arzneien, die der Dehydrierung entgegenwirken, Tabletten zur Wasserreinigung, Kochsalzlösungen und Antibiotika“, sagt Bernd Pastors, Vorstand von action medeor.

CARE und medeor konzentrieren sich darauf, den Menschen schnell zu helfen. „Aber um auch in der Zukunft Epidemien solchen Ausmaßes zu verhindern, müssen wir die sanitäre Infrastruktur, den Zugang zu Wasser und Gesundheitsversorgung langfristig verbessern“, sagt Dr. Anton Markmiller, Hauptgeschäftsführer von CARE Deutschland-Luxemburg. „Diese Bemühungen können nur von der haitianischen Regierung ergriffen und koordiniert werden.“

In diesem Zusammenhang hoffen CARE und medeor auf faire und friedliche Präsidentschaftswahlen am 28. November, um die Sicherheit der Entwicklungshelfer, die auch während der Wahl unter Hochdruck arbeiten werden, nicht zu gefährden. „Wir sorgen uns um eventuell beschränkten Zugang zu den betroffenen Regionen während der Wahl-Woche“, sagt Markmiller. „Die Sicherheit unserer Teams und der Hilfsempfänger ist natürlich vorrangig, trotzdem können wir unsere Arbeit nicht vollkommen aussetzen. Es stehen zu viele Menschenleben auf dem Spiel.“

In den vergangenen Tagen hat CARE seine Hilfe in den vom Ausbruch der Cholera am meisten betroffenen Gebieten, in Artibonite und im Nord-Westen des Landes, aufgestockt. Außerdem werden die vom Erdbeben betroffenen Städte Léogâne und Carrefour weiterhin mit sauberem Trinkwasser versorgt. Bisher konnte CARE 85.000 Menschen mit Aufklärungskampagnen durch lokale Radiostationen und Freiwillige vor Ort, Lieferung von sauberem Wasser, sanitären Maßnahmen, der Verteilung von Hygienesets und Wasseraufbereitungsmitteln wie Reinigungstabletten und Wasserfiltern, erreichen.

medeor hat bereits sieben Tonnen lebensrettende Cholera-Module versendet, Medikamente und Infusions- und Desinfektionsmitteln, die in Port-au-Prince von seinen Partnern zur Behandlung aber auch Prävention eingesetzt werden wie zum Beispiel Wasserentkeimungstabletten für die Aufbereitung von 8,4 Millionen Liter Wasser. Weitere Hilfspakete werden zurzeit im Tönisvorster Medikamentenlager gepackt.

Quelle: CARE Deutschland-Luxemburg e.V.

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CARE: Frauenhandel muss gestoppt werden

Mittwoch, 24. November 2010

„Zwangsprostitution ist das Schlimmste, das man einer Frau antun kann.“

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am Donnerstag, den 25. November fordert CARE Deutschland-Luxemburg eine stärkere Vernetzung von internationalen Staaten, Polizei und lokalen Organisationen, um den Handel mit Frauen zur Zwangsprostitution einzudämmen. „Frauenhandel ist ein grausames Verbrechen, das gestoppt und geahndet werden muss. Weltweit werden Frauen respektlos wie Ware gehandelt, auch in Deutschland landen sie in Bordellen und auf dem Straßenstrich“, so Dr. Anton Markmiller, Hauptgeschäftsführer von CARE Deutschland-Luxemburg.

CARE arbeitet auf dem Balkan zusammen mit lokalen Organisationen, die gegen den Handel mit Frauen kämpfen. „Frauenhandel ist ein lukratives Geschäft, organisiert von kriminellen Netzwerken. Diese Menschenhändler arbeiten professionell über Landesgrenzen hinweg“, so Mara Radovanovic von der CARE-Partnerorganisation LARA in Bosnien-Herzegowina. Oftmals fallen auf dem Balkan Roma-Mädchen in die Hände der Kriminellen. „Vor allem junge, hübsche Roma-Mädchen sind betroffen. Sie werden ausgebeutet, missbraucht, ihrer Seele beraubt. Dann werden sie in andere Länder gebracht, auch nach Westeuropa oder Deutschland. Zwangsprostitution ist das Schlimmste, das man einer Frau antun kann“, so Radovanovic, die in Bosnien-Herzegowina ein Frauenhaus leitet. Auf dem Balkan seien Polizei und Grenzbeamte in den Frauenhandel involviert.

„Es ist eine Realität, dass die internationale Unterstützung für Organisationen auf dem Balkan, wie LARA, weniger wird“, so Markmiller. Daher fordern CARE und lokale Partner zum einen mehr finanzielle Hilfe für den Kampf gegen den Frauenhandel. Zum anderen sollten internationale Organisationen, die sich vom Balkan zurückziehen, so genannte Exit-Strategien hinterlassen, um die Finanzierung lokaler Hilfsorganisationen und deren Engagement gegen den Frauenhandel zu sichern. CARE bringt zudem in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien lokale Frauenorganisationen, Roma-Organisationen, Polizei, Ministerien und Justiz an einen Tisch, damit diese gemeinsame Strategien gegen den Frauenhandel erarbeiten können. „Wir müssen gemeinsam gegen den Frauenhandel angehen“, so Mara Radovanovic. „Wir dürfen die Augen nicht davor verschließen, was mitten in Europa passiert.“

Weitere Informationen zur Arbeit von CARE auf dem Balkan finden Sie hier: http://www.care.de/dossiers.html

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Konkrete Alternativen statt lautem Protest

Dienstag, 23. November 2010

Tierschützer und Umweltaktivisten steigen dieser Tage wieder auf die Barrikaden, um gegen die dramatischen Mängel in der Haltung von Nutztieren zu protestieren. Viele Großbetriebe und Landwirte erfüllen laut Angaben ihrer Gegner die gesetzlichen Bestimmungen nicht und verstoßen somit gegen das Tierschutzgesetz. Konkret zeigen sie Beispiele auf, wie beispielsweise Hühner oder Schweine in Ställen gehalten werden, ohne Zeit ihres Lebens einmal das Sonnenlicht zu erblicken. Des Weiteren verfügen die Tiere über zu wenig Platz um sich gesund zu entwickeln. Einziger Nutzen den viele Unternehmer in dieser optimierten Haltung von Tieren sehen, sei der Profit und das Endprodukt im Supermarkt, das mit einem satten Gewinnaufschlag verkauft werden könne. Großbetriebe und Landwirte selbst weisen die Kritik der Tierschützer zurück und berufen sich auf Kontrollen, die in ihren Betrieben regelmäßig stattfinden und positive Ergebnisse zeigen.

effektive Mikroorganismen

Unter der Gruppe der Tierschützer hat sich vor kurzem ein kleines Team gebildet, das den Betreibern von Ställen und Landwirten unternehmerische Alternativen aufzeigt, mit denen sie ebenfalls ihre wirtschaftlichen Ziele erreichen können. Diese Alternativen berücksichtigen jedoch sämtliche gesetzliche Bestimmungen und ermöglichen den Tieren ein Leben unter normalen Umständen. Ein konkretes Beispiel in diesem Zusammenhang ist eine Empfehlung in Sachen Futtermittel. Viele Landwirte glauben, dass sie nur mit Hilfe von Antibiotika und Wachstumshormonen ihre Tiere auf jenes Gewicht bringen, mit dem sie schlachtreif sind. Ein alternativer Ansatz hierbei ist es, das Futtermittel für Tiere nicht etwa mit Medikamenten zu versetzen, sondern auf die Technik von effektiven Mikroorganismen zu vertrauen. Bei Mikroorganismen handelt es sich um regenerative und natürliche Inhaltsstoffe, deren Anwendung in vielen landwirtschaftlichen Bereichen bereits bekannt ist. Um sich dieser zukunftsträchtigen Technologie zu bedienen, ist es lediglich von Nöten dem eigenen Futtermittel eine so genannte EM-Urlösung bei zu führen. Mit Hilfe dieser EM-Urlösung steigert man die Qualität des Futtermittels erheblich und erzielt damit den gewünschten Effekt bei den Tieren.

Quelle: Multikraft

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Munition im Meer ist tickende Zeitbombe

Sonntag, 21. November 2010

Umfassende Suche und Bergung von Großkampfmitteln in Nord- und Ostsee notwendig

Der NABU, die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere GSM und die Gesellschaft zur Rettung der Delphine GRD haben eine umfassende Bergung und umweltschonende Beseitigung von Altmunition in Nord- und Ostsee gefordert. Von den versenkten Altlasten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gehe eine große Gefahr für Mensch und Meeresumwelt durch freigesetzte Giftstoffe aus. Die konventionellen Sprengmethoden schützten das sensible marine Ökosystem nicht ausreichend. Das teilten die Verbände im Rahmen einer dreitägigen Experten-Konferenz zur umweltschonenderen Beseitigung von Altmunition im Meer in Neumünster mit.

„Die Munition im Meer ist eine tickende Zeitbombe, die erhebliche Auswirkungen auf die Meeresumwelt, Fischerei, den Tourismus und die Schiffssicherheit hat. Bund und Küstenländer müssen mehr Anstrengungen unternehmen, die betroffenen Meeresgebiete zu kartieren und darauf basierend eine Risiko-Analyse erstellen“, forderte Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer  des NABU Schleswig-Holstein.

Zwischen 400.0000 und 1,3 Millionen Tonnen konventioneller Munition sind in deutschen Küstengewässern während und nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg versenkt worden. Sowohl die konventionellen Sprengstoffe sowie auch chemische Kampfmittel sind ein erhebliches Risiko für Mensch und Natur.

NABU, GRD und GSM begrüßten die Initiative des Kieler Innenministeriums, bei Sprengungen in dem mit Altmunition belasteten Urlaubsgebiet an der Ostseeküste vor Heidkate in der Kieler Bucht nur noch Blasenschleier einzusetzen. Mittels dieser technisch erzeugten Luftblasen unter Wasser wird der Explosionslärm deutlich eingedämmt.
„Bei aktuell notwendigen Sprengungen müssen Blasenschleier verpflichtend zum Einsatz kommen, allerdings nur in Verbindung mit vorangehender Vergrämung durch akustische Signale. Denn Sprengungen können noch in 4 Kilometer Entfernung massive oder gar tödliche Verletzungen bei Schweinswalen, Seevögeln und Fischen verursachen“, so Sven Koschinski, Meeresbiologe und Experte für Unterwasserschall.

Unabhängig vom Einsatz schalldämmender Blasenschleier sehen die Verbände Munitionssprengungen nach wie vor kritisch.

„Blasenschleier sollten nur als Übergangslösung und damit echte Brückentechnologie dienen, bis die anderen bereits bestehenden alternativen Beseitigungstechniken universell einsetzbar sind. Bei Sprengungen verbleiben erhebliche Mengen des TNT und seiner Abbauprodukte im Wasser und können in der Nähe von Badestellen an den Strand gespült werden. Die Stoffe werden in der Nahrungskette angereichert, die Auswirkungen auf Meeresorganismen sind bislang kaum erforscht“, so NABU-Meeresschutzexperte Kim Detloff.

Daher sprechen sich die Verbände für den Einsatz und die Weiterentwicklung von umweltschonenderen Techniken aus, wie sie mit der Roboterbergung und anschließender Bestrahlung mit UV-Licht oder Wasserstrahlschneidtechnik in Verbindung mit mobilen Detonationskammern bereits existieren und eingesetzt werden.

NABU, GRD und GSM appellierten an Bundesverkehrsminister Ramsauer, bei der Altmunitionsentsorgung seiner Verantwortung gerecht zu werden und sich für die Einführung einer risikoärmeren Entsorgung einzusetzen.

Noch bis zum 18. November treffen sich in der Stadthalle Neumünster rund 150 Vertreter aus den Ost- und Nordsee-Anrainerstaaten, Kanada, den USA und Italien. Ziel der dreitägigen Konferenz ist es, mit der Hilfe internationaler Experten einen Überblick über die aktuelle Situation und neue Entwicklungen bei der umweltschonenderen Beseitigung von nicht explodierter Altmunition zu gewinnen und ein Netzwerk von Experten zu schaffen.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.


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Politische Bewegung in der Tierheimkrise

Dienstag, 16. November 2010

Heute wird die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen den Antrag „Tierschutz stärken – Tierheime entlasten“ in erster Lesung in den Bundestag einbringen. In der Initiative machen sich Bündnis 90/Die Grünen für einen Hilfsfonds für Tierheime sowie eine bundesweit einheitliche Rahmenregelung zum Thema Fundtiere stark. Darüber hinaus wird die SPD-Bundestagsfraktion den Antrag „Tierschutz bei Katzen verbessern“ vorlegen. Da die Tierheime aufgrund der Katzenschwemme und der damit verbundenen finanziellen Kosten stark belastet sind, fordert die SPD eine Regelung zur verpflichtenden Kennzeichnung, Registrierung und Kastration von Katzen mit Freilauf und frei lebenden Katzen. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt beide Vorstöße ausdrücklich. Schon seit geraumer Zeit kämpft der Verband mit Nachdruck für diese Ziele.

„Wir freuen uns, dass jetzt endlich eine breite politische Diskussion zur Tierheimnotlage angestoßen wird und erwarten eine breite Zustimmung in den Ausschüssen – losgelöst von parteipolitischen Farbenspielen“, äußert sich Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Dafür kämpfen wir seit langem“. Der Verband konnte bereits Gespräche auf Arbeitsebene mit den kommunalen Spitzenverbänden anstoßen, nachdem sich Wolfgang Apel im Juli in einem offenen Brief an die Funktions- und Mandatsträger auf kommunaler Ebene gewandt hatte, um Unterstützung einzufordern. Auch bei der Demonstration vor dem Bundesrat im September gemeinsam mit den dem Verband angeschlossenen Tierschutzvereinen und Tierheimen gab es viele Zusagen von Seiten der Politik. „Wir werden verfolgen, ob alle Parteien Wort halten, denn die Tierheime können nicht mehr länger warten“, so Apel abschließend.

Bereits seit Jahrzehnten erfüllen die Tierheime Aufgaben für die öffentliche Hand etwa wie bei der Fundtierbetreuung. Die Kommunen,  ebenso wie Bund und Länder, zahlen dafür jedoch keine kostendeckenden Zuschüsse. So mussten Spendengelder in der Vergangenheit immer häufiger für diese Zwecke verwendet werden. Dieses Geld fehlt nun bei längst überfälligen Investitionen. Der Bedarf für letztere beläuft sich aktuell auf über 35 Mio. – dringend benötigtes Geld für wichtige Dinge wie die Renovierung von Katzenhäusern oder neue Heizungsanlagen.  Hinzu kommen die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch der Sozialgesetzgebung, die sich im praktischen Tierschutz negativ niederschlagen. Immer mehr Tiere werden aus finanziellen Gründen abgegeben. Die Verweildauer von Tieren in den Tierheimen erhöht sich und damit auch die Kosten.

Der Antrag der Grünen enthält ebenfalls Forderungen nach einer bundesweiten Rechtsverordnung zur Kennzeichnung, Registrierung und Kastration von Haustieren, sowie nach der Durchsetzung der bestehenden EU-Rechtsvorschriften für Haustiere, z. B. zur Bekämpfung des illegalen Welpenhandels.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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Europäische Biokraftstoff-Ziele fördern ökologische und soziale Konflikte

Montag, 8. November 2010

Studie belegt massive CO2-Emissionen und Landnutzungsänderungen

Die EU-Ziele zum Ausbau der Agrokraftstoffe bis zum Jahr 2020 verursachen erhebliche Klimagasemissionen sowie einen zusätzlichen Flächenbedarf in Höhe von bis zu 69.000 Quadratkilometern. Dies ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEEP), die heute von zahlreichen Umweltverbänden in Brüssel vorgestellt wurde. Die Studie berechnet anhand der Nationalen Aktionspläne für Erneuerbare Energien aus 23 EU-Mitgliedstaaten die indirekten Landnutzungsänderungen, die durch die zusätzliche Nachfrage nach Biomasse zur Erreichung der Treibstoffziele ausgelöst werden. Die größte Menge Biosprit wird dabei mit 5,5 Millionen Tonnen in Deutschland benötigt. Dies entspricht einer Anbaufläche von bis zu einer Million Hektar sowie zusätzlichen jährlichen CO2-Emissionen von bis zu 11 Millionen Tonnen.

„Die Untersuchung macht deutlich, dass eine Fläche ungefähr so groß wie Bayern in intensive Ackerkulturen oder Plantagen umgewandelt werden müsste. Wenn die EU-Mitgliedstaaten ihre Ziele im Bereich der Agrokraftstoffe nicht korrigieren, sind daher gravierende Konsequenzen für Klimaschutz und Ökosysteme weltweit zu befürchten“, sagt NABU-Agrarexperte Florian Schöne.

Nach Angaben der Nationalen Aktionspläne sollen die Agrokraftstoffe bis zum Jahr 2020 9,5 Prozent des gesamten Treibstoffbedarfs im Verkehrssektor ausmachen, wovon über 90 Prozent aus angebauten Energiepflanzen kommen. Wenn dabei die indirekten Landnutzungsänderungen einbezogen werden, die durch eine Verdrängung der bisherigen Lebensmittelerzeugung auf andere Standorte entstehen, so ist mit zusätzlichen Treibhausgasemissionen in Höhe von 27 bis 56 Millionen Tonnen Kohlendioxid zu rechnen. Die Treibhausgasbilanzen der Agrokraftstoffe sind damit nach Berechnungen des IEEP im Schnitt um 81 bis 167 Prozent schlechter als fossile Kraftstoffe.

„Die Studie bestätigt die schlimmsten Befürchtungen zu den Schäden von Agrokraftstoffen für Umwelt und Klima. Die Umwandlung von Wald, Weideland oder Moorflächen in Ackerland und Plantagen führt dazu, dass deutlich mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, als später durch die vermeintlichen Biokraftstoffe eingespart wird“, so Corinna Hölzel, Waldexpertin von Greenpeace.

Die EU-Kommission diskutiert derzeit über die negativen Folgen so genannter indirekter Landnutzungsänderungen für die Klimaschutzpolitik.
Schon jetzt bestehen große Zweifel, ob Ethanol und Biodiesel zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes im Verkehr überhaupt helfen können. Die Umweltverbände rufen die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, ihre Ausbauziele für Agrokraftstoffe einzufrieren und die Konsequenzen der indirekten Landnutzungsänderungen in die Treibhausgasbilanzen der Kraftstoffe einzubeziehen.

„Agrokraftstoffe sind keine klimafreundliche Lösung für unseren Energiebedarf, sondern sie verdrängen vor allem in tropischen Ländern die lokale Bevölkerung, den Lebensmittelanbau und natürliche Ökosysteme wie Regenwälder“, so Reinhild Benning, Agrarexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Solange die gesamten Konsequenzen der Agrokraftstoffe für Umwelt und Klima nicht berücksichtigt würden, müsse die Politik die Beimischungsziele grundsätzlich in Frage stellen.

Eine deutsche Kurzfassung der Studie ist im Internet zu finden unter www.nabu.de/biokraftstoffe Die englischsprachige Langfassung steht ab dem 8. November unter www.nabu.de zur Verfügung.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

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