Archiv für Dezember 2010

ROG-Bilanz 2010: 57 Journalisten in 25 Ländern getötet

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Zahl der entführten Medienmitarbeiter gestiegen

Mindestens 57 Journalisten und ein Medienassistent sind im Jahr 2010 während ihrer Arbeit oder wegen ihres Berufs getötet worden. Das sind 19 Medienmitarbeiter weniger als im Vorjahr (2009: 76 Journalisten, 1 Medienassistent). Die Zahl der Länder, in denen Medienmitarbeiter ermordet wurden, ist im Vergleich zu 2009 von 20 auf 25 gestiegen. Vermehrt hat ROG in diesem Jahr außerdem Fälle von Entführungen beobachtet (2010: 51, 2009: 33). Dies sind einige Ergebnisse der heute veröffentlichten Bilanz von Reporter ohne Grenzen (ROG) über Angriffe auf die Pressefreiheit im Jahr 2010.

535 Journalisten wurden im Laufe des Jahres festgenommen (2009: 573), 1.374 erlitten Gewalt oder wurden bedroht (2009: 1.456).

Im Vorjahr lag die Todesrate wegen eines Massakers an Medienmitabeitern im November 2009 auf den Philippinen um rund 25 Prozent höher. Damals wurden 32 Journalisten an einem Tag ermordet.

Die gefährlichsten Länder für Journalisten sind in diesem Jahr Pakistan (11 Todesfälle), Mexiko (7), Irak (7) und die Philippinen (4). In Pakistan werden Reporter vor allem von islamistischen Gruppen ins Visier genommen. In Mexiko geht die Gefahr für kritische Journalisten überwiegend von Drogenkartellen aus. Im Irak wurden Journalisten Opfer von Bombenattentaten. Auf den Philippinen stehen hinter den meisten Ermordungen private Milizen von Clanchefs und lokalen Politikern. Die Täter fürchten die unabhängige oder kritische Berichterstattung über kriminelle Machenschaften oder Korruption.

Zu weiteren Brennpunkten der Pressefreiheit entwickelten sich in diesem Jahr Honduras und Thailand. In dem südostasiatischen Land starben bei Gefechten zwischen Regierungstruppen und den oppositionellen “Rothemden” zwei ausländische Korrespondenten. In Honduras hat ROG in mindestens drei Mordfällen einen direkten Zusammenhang mit der journalistischen Tätigkeit der Opfer festgestellt. Vermehrte Fälle von Entführungen von Medienmitarbeitern dokumentiert ROG derzeit in Afghanistan, Nigeria oder Mexiko.

Die Zahl der körperlichen Übergriffe und Drohungen gegen Journalisten in Europa und der GUS-Region hat sich im Unterschied zu anderen Weltregionen deutlich erhöht. Einen Anstieg der Gewalt gegen Medienmitarbeiter verzeichnete ROG unter anderem in Ländern mit landesweiten Wahlen wie Aserbaidschan, der Ukraine und Belarus.

In Belarus sind zudem weiterhin zehn Journalisten inhaftiert. Sie wurden nach der Präsidentschaftswahl am 19. Dezember in Minsk festgenommen. Die meisten Journalisten sind derzeit im Iran hinter Gittern (37), gefolgt von China (30) und Eritrea (29). Die Arbeitsbedingungen für Journalisten im Iran haben sich in diesem Jahr weiter verschlechtert. Das Regime hat die Überwachung von Medienmitarbeitern ausgedehnt und die Einreisebestimmungen für Korrespondenten verschärft. Journalisten, die ihr Menschenrecht auf freie Berichterstattung wahrnehmen wollen, müssen erhebliche Risiken in Kauf nehmen.

Die zwei inhaftierten Mitarbeiter der “Bild am Sonntag” haben das auf tragische Weise zu spüren bekommen. Seit mehr als 80 Tagen sind die Beiden in Haft, weil sie aus einem Land berichten wollten, das sich hermetisch abschottet und keine unabhängigen Beobachter zulässt. Sie dürfen nicht in politischen Verhandlungen als Faustpfand missbraucht werden und müssen sofort freigelassen werden.

Quelle: fair-NEWS

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NABU ehrt RWE-Chef Jürgen Großmann mit „Dinosaurier des Jahres 2010”

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Atomkraftwerksbetreiber bremst bei Erneuerbaren und Klimaschutz

Der NABU hat RWE-Chef Jürgen Großmann mit dem „Dinosaurier 2010“ – Deutschlands peinlichstem Umweltpreis – ausgezeichnet. Der Vorstandsvorsitzende des Essener Stromkonzerns erhält die Trophäe für die Aufkündigung des Atomkonsenses in Deutschland. „Mit seiner hemmungslosen und provozierenden Beeinflussung der Bundesregierung für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke, die im Spätsommer in einer von ihm initiierten Anzeigenkampagne gipfelte, hat sich Herr Großmann den Preis in diesem Jahr redlich verdient“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Jürgen Großmann stehe damit in direkter Tradition des ehemaligen RWE-Bosses Harry Roels, der bereits 2006 für den Antrag auf Laufzeitverlängerung für den Schrott-Reaktor Biblis A mit dem Dino ausgezeichnet worden ist.

„Die RWE-Spitze hat nichts dazu gelernt. Aus reinem Machtkalkül und Profitstreben wird an einer Risikotechnologie festgehalten und gleichzeitig der notwendige Aus- und Umbau einer umweltfreundlichen Energieversorgung in Deutschland ausgebremst“, so Tschimpke. Das Kerngeschäft von RWE sei die Energieerzeugung mit Risiko- und klimaschädlicher Technologie: Atomkraft und Kohle.

Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien in der RWE-Angebotspalette liegt bei gerade einmal drei Prozent, wobei ein Großteil von alten Wasserkraftanlagen bereitgestellt wird. Vor allem profitiert der Konzern von der von Schwarz-Gelb beschlossenen Laufzeitverlängerung für Atommeiler. Nach Berechnungen des Öko-Instituts kann RWE durch das beschlossene Laufzeitplus von im Schnitt zwölf Jahren mit Zusatzgewinnen von über 17 Milliarden Euro rechnen – und das selbst nach Abzug von Zahlungen wie der Brennelementesteuer.

Doch damit nicht genug: Kurz vor der Einführung der Steuer auf Kernbrennstoffe zur Abschöpfung der Zusatzgewinne aus den längeren Laufzeiten hat der Konzern gleich über 90 Brennelemente im hessischen Atomkraftwerk Biblis B ausgetauscht, um Steuerzahlungen in Millionenhöhe zu sparen. Tschimpke: „RWE war der erste Konzern, der die bei der Laufzeitverlängerung ausgehandelte Brennelementesteuer gleich wieder ausgehebelt hat. Hier wird getrickst und getäuscht: Herr Großmann und RWE haben jede Glaubwürdigkeit verspielt.“Allein in den vergangenen drei Jahrzehnten sind in Biblis A und B über 730 meldepflichtige Störfälle aufgetreten.

Auch in punkto Klimaschutz hat das Essener Energieunternehmen so gut wie nichts zu bieten. „Der deutsche Konzern ist mit 150 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß pro Jahr in Europa der größte Produzent schädlicher Treibhausgase“, so der NABU-Präsident.

Mit dem „Dinosaurier des Jahres“, der aus Zinn gegossenen und 2,6 Kilogramm schweren Nachbildung einer Riesenechse, zeichnet der NABU seit
1993 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus, die sich sowohl durch herausragende Einzelleistungen als auch durch die Summe ihres Gesamtwerkes in Sachen Umweltschutz negativ hervorgetan haben. Weitere prominente Dino-Preisträger sind u.a. der frühere Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerhard Sonnleitner, Air Berlin-Chef Joachim Hunold, Ex-Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und der Präsident des Münchener ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, der die Trophäe im vergangenen Jahr erhielt.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.


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Haifisch, Tiger & Co: Gewinner und Verlierer 2010

Dienstag, 28. Dezember 2010

Menschenverursachtes Artensterben schreitet auch 2010 ungebremst voran. Grund zur Hoffnung: Staatengemeinschaft setzt sich ehrgeizige Ziele

Der WWF zieht unter Artenschutzgesichtspunkten eine durchwachsene Jahresbilanz. Zwar hielt das massive, vom Menschen verursachte Artensterben auch 2010 weiter an, doch immerhin hat die UN-Konferenz zum Erhalt der biologischen Vielfalt (CBD) im Oktober dieses Jahres Blockaden für den internationalen Naturschutz aus dem Weg geräumt. “Wir sind auf der UN-Konferenz einen wichtigen Schritt vorangekommen. Es sind ehrgeizige Ziele formuliert worden”, erklärt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland, anlässlich des anstehenden Jahreswechsels. So sollen vermehrt Schutzgebiete an Land und auf hoher See ausgewiesen werden. Außerdem hat man sich darauf geeinigt, Subventionen, die eine Verringerung der Artenvielfalt zur Folge haben bis 2020 abzubauen, zu reformieren oder zu beenden. “Biodiversität ist ein Wirtschaftsfaktor und deren Erhalt wird immer mehr zu einem Garant für langfristigen, ökonomischen Erfolg”, sagte Brandes. “Unternehmen erkennen in zunehmendem Maße, dass eine intakte biologische Vielfalt ökonomische Leistung erbringt. Das ist ein erster, wichtiger Schritt in die richtige Richtung.” Hauptursachen für den anhaltenden Verlust biologischer Vielfalt weltweit sind Lebensraumzerstörung, Klimawandel, Wilderei und Übernutzung. Die von Menschen verursachte Aussterberate liegt laut WWF mindestens hundertmal höher als der natürliche Artenschwund. Und während sich etwa die Lage von Nashorn, Hai oder Schuppentier 2010 weiter verschlechtert hat, können Tierarten wie Tiger, Wolf und Dorsch immerhin optimistischer in die Zukunft blicken.

Die Verlierer 2010

Nashorn – Allein bis September 2010 hat Südafrika nach WWF-Angaben mehr als 230 Nashörner durch Wilderei verloren. Damit wird in dem Land durchschnittlich alle 30 Stunden ein Breit- oder Spitzmaulnashorn getötet. Nur in den 1970er Jahren habe die Wilderei ein ähnlich erschreckendes Ausmaß erreicht. “Die Hörner gehen vor allem nach Asien, wo sie in geriebener Form als dubiose Heilmittel eingesetzt werden”, sagt WWF-Artenschutzexperte Stefan Ziegler. Dementsprechend ist auch die Lage der asiatischen Nashörner extrem kritisch. So wurde im April im vietnamesischen Cat Tien Nationalpark ein totes Java-Nashorn entdeckt. Das Tier wurde vermutlich von Wilderern erschossen. Es ist anzunehmen, dass damit das letzte Java-Nashorn in Vietnam getötet wurde.

Hai, Tunfisch und Koralle – Keine internationalen Handelsverbote für Rote Koralle, Blauflossentunfisch und diverse Hai-Arten. Die Politik hätte auf der Artenschutzkonferenz in Doha im März 2010 die Gelegenheit gehabt, die Artenvielfalt der Meere besser zu schützen, doch die Anträge wurden allesamt abgelehnt. So darf der Blauflossenthunfisch weiterhin als Sushi-Delikatesse auf dem japanischen Markt enden – obwohl die Population um bis zu 85 Prozent eingebrochen ist. Ähnlich dramatisch die Situation von Weißspitzen-Hochseehai und Hammerhai: Die Flossen dieser Fische landen noch immer in der Suppenschüssel. Die Rote Koralle wird weiterhin Bestandteile von Medizin- und Schmuckprodukten sein.

Schuppentier – Die Summe der gewilderten Schuppentiere in Asien binnen eines Jahres dürfte in die hunderttausende gehen, befürchtet der WWF. Nach einem im Oktober 2010 veröffentlichten Report wurden allein für ein einziges Schmuggler-Syndikat auf der Insel Borneo rund 22.000 Schuppentiere gewildert. Da es unzählige solcher Artenschmuggler gibt, sei die Dunkelziffer auch um ein vielfaches höher. Aus den Bestandteilen des Schuppentiers (auch Pangolin genannt) werden dubiose Heilmittel hergestellt. Die Population könne der maßlosen Gier durch kriminelle Syndikate auf Dauer nicht standhalten, so der WWF.

Wale – Das Jahr 2010 brachte erneut keinen Konsens in Sachen Walfang und -schutz. Die Verhandlungen über einen Kompromissvorschlag zum Fang auf Großwalarten bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im Juni führten zu keinem Ergebnis. “Ein Kompromiss, der den bestehenden Walfang unter die Kontrolle durch die IWC stellt, wäre klar vonnöten gewesen” sagte Volker Homes, Leiter WWF-Artenschutz. “Bedrohte Arten wie Finn- und Seiwal bleiben trotz Moratorium weiter auf der Abschussliste der Walfangnation Japan.”

Die Gewinner 2010

Tiger – Nach WWF-Schätzungen leben weltweit nur noch rund 3.200 Tiger in freier Wildbahn. Der Druck durch Wilderei und Lebensraumzerstörung auf die Art ist unvermindert hoch, doch nach dem “Jahr des Tigers 2010″ kann die Großkatze hoffnungsvoller in die Zukunft blicken. Vertreter aller dreizehn Tiger-Verbreitungsstaaten haben sich nämlich auf dem Tiger-Gipfel im November zu einem globalen Tiger-Rettungsplan bekannt. Auch auf das Ziel, die Bestandszahlen des Tigers bis 2022 zu verdoppeln, konnten sich die Politiker verständigen. Der WWF sprach von einem “historischen Moment für den Artenschutz”, mahnte zugleich “schnelle und konkrete Taten” an. Geberländer wie Deutschland und die USA, aber auch Institutionen wie die Weltbank, Privatpersonen wie Hollywoodstar Leonardo DiCaprio und Organisationen wie der WWF haben bereits finanzielle Zusagen getätigt. In der Amur-Region, wo sich der WWF seit 1993 gemeinsam mit seinen Partnern engagiert, sind die Bestandszahlen des Tigers seit vielen Jahren stabil. Nach Schätzungen durchstreifen dort rund 450 Exemplare die Wälder.

Wolf – Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland schreitet auch 2010 weiter voran. Im Sommer gelangen in der Lübtheener Heide dank einer WWF-Fotofalle Aufnahmen eines vermutlich männlichen Tieres. Und auch Bayern hat wieder einen Wolf. Seit mehreren Monaten durchstreift ein Rüde das österreichisch-bayerische Grenzgebiet. “Der Wolf besiedelt trotz mancher Rückschläge seine alte Heimat wieder”, freut sich WWF-Experte Janosch Arnold. Deutschlandweit gibt es nach Schätzung des WWF zwischen 60 und 75 Wölfe. Ein Großteil davon lebt in der sächsischen Lausitz. Aber auch aus anderen Regionen, wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, werden immer wieder Sichtungen gemeldet.

Dorsch – Innerhalb von nur drei Jahren ist der östliche Bestand des Dorsches in der Ostsee auf das Dreifache angewachsen. Die Gründe für die erfreuliche Entwicklung seien ein wirkungsvoller Wiederaufbauplan, eine Verkleinerung der Fangflotte sowie eine konsequente Eindämmung der illegalen Fischerei. Der positive Trend zeige, so der WWF, dass sich Fischbestände unter günstigen ökologischen Bedingungen und einem nachhaltigen Management wieder erholen können. Um diesen Erfolgstrend auch langfristig zu sichern, fordert der WWF die strikte Einhaltung des EU-Wiederaufbauplans auch für das kommende Jahr. “Die Fischereiminister müssen trotz der guten Prognosen für den Dorsch auch in den kommenden Jahren die Fangquoten mit Bedacht festlegen und den wissenschaftlichen Empfehlungen folgen” fordert Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF.

WWF World Wide Fund For Nature

Quelle: Offenes-Presseportal

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Volle Tierheime – auch nach Weihnachten

Dienstag, 28. Dezember 2010

Ob Hunde, Katzen, Kleintiere oder Exoten: In den Tierheimen kommen jetzt die ersten „Weihnachtsopfer“ an. Schon vor dem Fest war die Lage der Tierheime bundesweit schwierig. Viele der Tierschutzeinrichtungen sind existenziell bedroht, in den meisten sind die Aufnahmekapazitäten an den Grenzen der Möglichkeiten. Der Deutsche Tierschutzbund appelliert an Tierfreunde, die sich bewusst gegen ein Tier zu den Feiertagen entschieden haben und sich in aller Ruhe über ein Haustier informieren möchten, zuerst ins Tierheim zu gehen. Dort findet man Sachkunde und leistet damit einen aktiven Tierschutzbeitrag.

„Auch wenn unsere Aufklärung vor den Feiertagen sicher Tierleid verhindert hat, entscheiden noch immer sich zu viele Eltern spontan zum Tierkauf. Das betrifft besonders Kleintiere, aber auch Hunde, Katzen und zunehmend Exoten“, so Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Die Tierschützer gehen von einer hohen Dunkelziffer ausgesetzter Tiere aus, die zunächst als Überraschung unter dem Weihnachtsbaum lagen. Der Deutsche Tierschutzbund appelliert daher an die Zivilcourage: Wenn Tierhalter sich entscheiden sollten, ihre „lebenden Weihnachtsgeschenke“ nicht behalten zu wollen, diese in den Tierheimen abzugeben, statt sie einfach auszusetzen und sich selbst zu überlassen. Den Erfahrungen nach kommt eine zweite Welle der „verspäteten“ Weihnachtsopfer in der Regel in den Oster- und Sommerferienwochen auf die Tierheime zu.

Der praktische Tierschutz übernimmt staatliche Aufgaben, ohne dafür die kostendeckende Erstattung durch den Staat zu erhalten. Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise, aber auch der Gesetzgebung, wie z. B. die Hundeverordnungen der Länder, schlagen sich im praktischen Tierschutz negativ nieder. Immer mehr Tiere – vor allem alte und kranke – werden aus finanziellen Gründen abgegeben, die Vermittlungsdauer steigt an und damit erhöhen sich auch die Betreuungskosten.

Früher, kalter Winter als zusätzliche Belastung
Der früh einsetzende und kalte Winter wird die wirtschaftliche Lage noch verschärfen, befürchtet Apel. Denn für die Tierheime wird auch dies mit hohen zusätzlichen Bewirtschaftungs- und Energiekosten verbunden sein. Rücklagen gibt es keine: Über lange Jahrzehnte wurden die Lücken, die durch die fehlende kostendeckende Erstattung für die Erfüllung öffentlicher Aufgaben entstanden sind, aus eigener Kraft ausgeglichen.

Mehr zur Lage der Tierheime: www.rettet-die-tierheime.de

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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BUND-Bilanz und Ausblick: 2010 Höhepunkt der Anti-Atom-Proteste

Montag, 27. Dezember 2010

2011 steht Agrarreform an: Großdemonstration am 22. Januar in Berlin

“2010 war nicht das Jahr des so genannten Wutbürgers. Es war ein Jahr demokratischer und phantasievoller Bürgerproteste gegen Fehlentscheidungen wie die Aufkündigung des Atomausstiegs oder die Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde.” Dieses Fazit zieht Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer Rückschau auf das Jahr 2010. Für 2011 erwartet er zwei Hauptthemen, an denen der BUND arbeiten wird: “Die Europäische Union steht 2011 in der Agrar- und Klimapolitik vor entscheidenden Weichenstellungen. Die Verteilung von fast 60 Milliarden Euro Agrarsubventionen muss neu geregelt und das Klimaschutzziel von minus 20 Prozent CO2 muss auf minus 40 Prozent erhöht werden.”

Die Anhebung der Ziele zur CO2-Minderung für alle Staaten der Europäischen Union sei ebenso dringend erforderlich wie eine stärker an Umwelt- und Tierschutz orientierte Landwirtschaft. Bei beiden Themen komme der Bundesregierung eine Schlüsselrolle zu. Verweigere sie sich ambitionierten Klimaschutzzielen und blockiere sie die anstehenden Agrarreformen, werde sie ihrer Verantwortung für eine zukunftsfähige Wirtschaftsweise nicht gerecht.

“Positive Trends im Natur- und Umweltschutz gingen 2010 leider nicht auf das Konto der schwarz-gelben Bundesregierung. Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull und die Wirtschaftskrise haben mehr zur Reduzierung der globalen Treibhausgase beigetragen als die Umweltpolitik von Kanzlerin Angela Merkel und Umweltminister Norbert Röttgen. In Deutschland sind die CO2-Emissionen im letzten Jahr sogar um etwa 30 Millionen Tonnen gestiegen”, sagte Weiger. Die zu starke Abhängigkeit der Industriestaaten von fossilen Rohstoffen habe auch die Explosion der Ölbohrinsel “deep water horizon” und die anschließende Ölkatastrophe im Golf von Mexiko deutlich gemacht.

“Weder die Bundesregierung noch die deutsche Wirtschaft haben die nötigen Lehren aus den Umweltdebatten der vergangenen Jahre gezogen. Strengere Vorgaben zur Verbrauchsminderung für Autohersteller wurden blockiert, Straßen und Autobahnen übertriebenen Verkehrsprognosen hinterher geplant, umweltfreundliche Verkehrsmittel wie die Bahn vernachlässigt und mit Laufzeitverlängerungs-Geschenken an Atomstromkonzerne der Ausbau der erneuerbaren Energien behindert. Federführend in rückwärtsgewandter Umweltpolitik ist meist das von FDP-Politiker Rainer Brüderle geleitete Bundeswirtschaftsministerium”, sagte Weiger.

2010 habe die schwarz-gelbe Bundesregierung mit der neuen Abgabe auf Atom-Brennstäbe und der Luftverkehrssteuer erste Schritte beim Abbau umweltschädlicher Subventionen getan. Diese Maßnahmen seien jedoch allein der klammen Haushaltslage geschuldet gewesen. Zu den Erfolgen des Jahres 2010 gehöre, dass das Bundesverfassungsgericht die gentechnikfreie Landwirtschaft geschützt habe, indem es die strengen Regeln zum Schutz vor Verunreinigungen von Äckern mit Gentech-Pflanzen bestätigte.

International habe es 2010 ebenfalls einige Erfolge gegeben. Weiger: “Im UN-Jahr der Biodiversität hat sich die Weltgemeinschaft in Japan auf den Abbau umweltschädlicher Subventionen bis 2020 verständigt und Anfang Dezember wurde im mexikanischen Cancun der UN-Prozess für ein globales Klimaschutzabkommen vor dem Scheitern bewahrt. Trotzdem kommt der Klimaschutz nur schleppend voran. Wenn die Industriestaaten nicht endlich mit verbindlichen und strengeren CO2-Minderungszielen aufs Tempo drücken, werden sich Zahl und Ausmaß der vom Menschen verursachten Klimakatastrophen leider noch erhöhen.”

Weiger hob hervor, dass es 2010 eine Renaissance der Anti-Atom-Bewegung gegeben habe. Hunderttausende seien für eine zukunftsfähige Energieversorgung ohne Atomkraft auf die Straße gegangen. Für 2011 kündigte der BUND-Vorsitzende neue Demonstrationen an: “Wir werden den erstarkten Bürgerprotest gegen die fragwürdigen Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke, gegen Prestigeprojekte wie `Stuttgart 21` und gegen eine verfehlte Agrarpolitik auch im kommenden Jahr auf die Straße tragen. Schon am 22. Januar veranstalten wir anlässlich der Grünen Woche in Berlin gemeinsam mit einem breiten Bündnis von Umwelt-, Agrar- und Tierschutzverbänden eine große Kundgebung für Gentechnikfreiheit und Agrarreformen. Und wenn sich im April die Tschernobyl-Katastrophe zum 25. Mal jährt, werden wir deutschlandweit zu Protesten gegen die schwarz-gelbe Atompolitik aufrufen.”

Quelle:  fair-NEWS

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Tipps für ein tierliebes Silvester 2010

Montag, 27. Dezember 2010

Rücksicht nehmen, am Besten auf Böller verzichten

Am 29. Dezember startet der alljährliche Verkauf von Raketen und Co. für die Silvesternacht. Für viele Menschen beutetet die Knallerei zum Jahreswechsel Spaß, für Tiere dagegen Stress: Denn Hunde und Katzen etwa haben ein wesentlich feineres Gehör als Menschen. Der ungewohnte Lärm erschreckt die Tiere und kann Zittern und Jaulen hervorrufen – in schlimmeren Fällen sogar Angstneurosen, die immer wiederkehren können. Der Deutsche Tierschutzbund rät zur Rücksicht und gibt Tipps, wie Silvester für Halter und Tiere entspannt bleibt.

Bereits einige Tage vor Silvester können Tierhalter entsprechende Vorkehrungen treffen: So sollten Hunde in bewohnten Gebieten nur noch angeleint ausgeführt werden, denn verfrühte Kracher könnten sie in panischem Schrecken davonlaufen lassen. Am Silvesterabend selbst sollten Türen und Fenster geschlossen sein, gegebenenfalls können auch Rollos heruntergelassen werden, um den Lärm ein wenig zu dämpfen. Idealerweise sollte Hunden, Katzen, Vögel, Meerschweinchen und anderen Kleintieren ein ruhiger Platz in einem Raum geschaffen werden, der nicht direkt zur Straßenseite liegt. Vogel- und Kleintierkäfige sollten dabei weit vom Fenster entfernt stehen und zusätzlich durch ein großes Tuch abgedeckt werden.

An alle, die nicht auf jegliches Feuerwerk verzichten wollen, appelliert der Verband, auf das Angebot an bunten und leuchtenden Raketen,  die keinen Krach machen, zurückzugreifen.

Beruhigungspillen sollten ausschließlich in Absprache mit dem Tierarzt verabreicht werden und nur dann, wenn bekannt ist, dass das Tier extrem ängstlich auf laute Geräusche reagiert. Meist reicht es schon, wenn eine vertraute Bezugsperson an einem solchen Abend bei den Tieren bleibt und ihnen durch einen bewusst ruhigen und entspannten Umgang Sicherheit vermittelt. Hilfreich kann es sein, gewohnte Spielrituale bei Hund und Katze durchzuführen, die die Haustiere ablenken und die vermeintliche Stresssituation in eine entspannte Atmosphäre wandeln, führt der Deutsche Tierschutzbund in Bonn an.

Wildtiere in Wald und Flur sind den Krach in der Silvesternacht gar nicht gewohnt. Sie reagieren besonders sensibel auf laute Geräusche. Deshalb appelliert der Deutsche Tierschutzbund, keine Feuerwerke am Waldrand, auf Waldlichtungen oder in Parkanlagen zu zünden. Auch bei Pferden und Rindern, die auf Weiden gehalten werden, besteht die Gefahr, dass sie in Panik geraten und ausbrechen.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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NABU zieht verhaltene Bilanz zum Ende des UN-Jahres der Biologischen Vielfalt

Sonntag, 26. Dezember 2010

Tschimpke: 2011 Ernst machen mit Abbau umweltschädlicher Subventionen

Mit Blick auf das zu Ende gehende Internationale Jahr der Biologischen Vielfalt hat der NABU eine mäßige Bilanz gezogen. Die Vereinten Nationen hatten 2010 zum Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt erklärt. Weltweit wollten die Regierungen bis dahin den Rückgang der Arten aufgehalten oder zumindest stark gebremst haben.
In der Realität ist dieses Vorhaben gescheitert.

„Das Internationale Jahr der Biologischen Vielfalt geht zu Ende, ohne das Ziel, den Verlust an Arten und Lebensräume zu stoppen, global, in der EU oder auch nur in Deutschland erreicht zu haben. Das Jahr 2010 muss deswegen ein deutlicher Weckruf für stärkere Anstrengungen zur Sicherung unserer natürlichen Lebensgrundlagen sein. Der Erfolg beim Erhalt und der nachhaltigen Nutzung der Vielfalt unserer Arten und Lebensräume bestimmt unsere Zukunft. Einfach weitere zehn Jahre untätig verstreichen zu lassen, wäre für die Artenvielfalt unserer Erde katastrophal“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Anlässlich der Abschlusszeremonie zum UN-Jahr am 18./19. Dezember im japanischen Kanazawa und dem Treffen der EU-Umweltminister am 20.
Dezember in Brüssel forderte der NABU verstärkte Anstrengungen auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene.

Allein in Deutschland sind über 70 Prozent der Lebensräume gefährdet, 40 Prozent der Tierarten stehen auf der Roten Liste, jede zweite einheimische Vogelart gilt als gefährdet, ein Drittel der Pilzarten und fast ein Drittel der Farn- und Blütenpflanzen sind gefährdet oder bereits ausgestorben. Schuld daran sind insbesondere die intensive Landwirtschaft sowie der anhaltend hohe Flächenverbrauch und die Zerschneidung der Landschaft durch Siedlungen und Verkehrswege. Die vor drei Jahren verabschiedete Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt müsse endlich in den Bundesländern umgesetzt werden. Dies gelte auch für das Bundesprogramm Biologische Vielfalt, zu dem sich die Bundesregierung auf Anregung des NABU im Koalitionsvertrag verpflichtet habe.

Ein erster wichtiger Schritt im neuen Jahr wäre der Abbau umweltschädlicher Subventionen. „Ob im Agrar-, Fischerei-, Verkehrs- oder Energiebereich: Wir können nicht weiter mit Steuergeldern die Zerstörung des Planeten fördern. Die EU-Regierungen und das Europäische Parlament haben daher im kommenden Jahr die Aufgabe, die landwirtschaftliche Förderung neu und umweltverträglicher zu gestalten“, so Tschimpke.

Positiv seien die Ergebnisse der Weltnaturschutzkonferenz im japanischen Nagoya im Oktober zu bewerten. Die Tatsache, dass die 193 Vertragsstaaten der UN-Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) in Nagoya einstimmig einem umfassenden Paket von Naturschutzmaßnahmen zugestimmt hätten, sei für die Weltgemeinschaft ein beachtlicher Erfolg.
Jetzt müssten die Regierungen ihren Worten Taten folgen lassen. „In Nagoya wurde beschlossen, bis 2020 alle umweltschädlichen Subventionen abzubauen. Jetzt ist es an Deutschland und Europa hier entschlossen voranzugehen und das Wohl des Planeten über Lobbyinteressen zu stellen“, so Tschimpke.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

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Vorsicht bei Geschenken für Tiere

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Deutscher Tierschutzbund gibt Tipps für harmonische Zeit mit Haustieren

Wer seinem tierischen Familienmitglied zu Weihnachten etwas Gutes tun möchte, sollte einige Regeln beachten. Spielzeuggeschenke sollten sorgfältig ausgewählt werden. Viele Bälle, Kauspielzeuge und vermeintliche andere Spaßprodukte bergen Gefahren für das Tier. Zum Schutz der Vierbeiner sollten Tierfreundinnen und Tierfreunde auch darauf verzichten, zusätzliche Leckereien von den Weihnachtstellern oder der Festtafel zu verfüttern. Weihnachtsschmuck und Kerzenwachs sind zudem oft Quellen unnötigen Tierleids.

Viele Menschen wollen auch ihren geliebten Tieren zu Weihnachten eine Freude bereiten. Das Verfüttern von gewürzten Speisen sowie Schokolade ist jedoch gesundheitsschädlich für Katzen und Hunde. In vielen Fällen führt es zu Verdauungsstörungen, die dann schnell beim tierärztlichen Notdienst enden können. Wer sich an Weihnachten auch an den Bedürfnissen seines Tieres ausrichtet und es vor Gefahrenquellen wie Geschenkpapier, Lametta oder Kerzenwachs schützt, für den wird das Fest mit seinen „tierischen Freunden“ sicher ein freudiges Zusammensein.

Beim Kauf von Geschenken für Tiere warnt der Deutsche Tierschutzbund vor nicht artgerechten Spielzeugen, die oftmals Verletzungsgefahren bergen. Zu kleine Spielzeuge oder die Innenteile von quietschenden Gegenständen können im Eifer des Spiels schnell verschluckt werden oder beim Kauen zersplittern. Gefährlich können unter anderem auch die als Katzenspielzeug angebotenen Laserpointer sein, deren Lichtstrahl von Katzen gejagt werden soll. Der Deutsche Tierschutzbund rät dringend vom Kauf ab, da es zu starken Verbrennungen von Mensch und Tier kommen kann, wenn der Lichtstrahl auf das Auge trifft.

Keinesfalls tiergerecht sind Röhrensysteme aus Plastik, wie sie für Hamster angeboten werden. In diesen Plastikgängen können die Tiere stecken bleiben und sogar ersticken. Auch offene Laufräder mit Gittersprossen sind als Käfiginventar bei kleinen Heimtieren ungeeignet: Zum einen haben sie oft einen zu kleinen Durchmesser, sodass die Wirbelsäule des Tieres beim Laufen stark gekrümmt wird, zum anderen kann es zu gefährlichen Verletzungen kommen, wenn Gliedmaßen oder der Schwanz in den Gittersprossen hängen bleiben. Konstruktionen wie das so genannte „Hamsterauto“ sind als äußerst tierquälerisch einzustufen. Spiegel und Plastikvögel im Wellensittich-Käfig mögen vielleicht dem Halter gefallen, dem Tier ersetzen diese Utensilien jedoch nicht den für das Wohlbefinden unerlässlichen Artgenossen.

Weitere Informationen zu tierschutzwidrigem Zubehör erhalten Sie hier: www.tierschutzbund.de/gefaehrliches_heimtierspielzeug.html

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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NABU warnt vor leeren Kompromissen in Cancún

Montag, 6. Dezember 2010

Tschimpke: Kyoto-Protokoll bleibt Stolperstein der Klimaverhandlungen

Zu Beginn der zweiten Woche der UN-Klimaverhandlungen im mexikanischen Cancún fordert der NABU die angereisten Minister auf, über ambitionierte Ziele und Maßnahmen zu entscheiden, mit denen die Staatengemeinschaft die Bewältigung des Klimawandels voranbringen will.
„Es kann nicht nur darum gehen, Formelkompromisse einzugehen und dabei wichtige Inhalte unter den Tisch fallen zu lassen. Vor allem bei den Reduktionszielen für den Treibhausgasausstoß dürfen wir nicht hinter die Ergebnisse des gescheiterten Kopenhagen-Gipfels zurückfallen“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Stattdessen müsse in Cancún eine Analyse und Überprüfung der bisher angekündigten Klimaschutzbeiträge der einzelnen Staaten beschlossen werden, um auf der nächsten Weltklimakonferenz in Südafrika Ende 2011 die Lücke zum Einhalten des 2-Grad- oder sogar eines 1,5-Grad-Limits für die globale Erderwärmung schließen zu können.

Solange die Industrieländer keine Klarheit über die Zukunft des Kyoto-Protokolls schaffen, bleibt dies aus Sicht des NABU der wesentliche Stolperstein für einen Erfolg in Cancún. „Es wäre eine Katastrophe, wenn es nach 2012 keine international gültigen Regeln für die Begrenzung der Treibhausgas-Emissionen mehr gäbe. Daher sind Fortschritte bei den Verhandlungen unter dem Kyoto-Protokoll entscheidend, wie wir die einzigen verfügbaren, rechtlich verbindlichen Instrumente im internationalen Klimaschutz weiter entwickeln und nutzen wollen“, so Tschimpke. Um dies zu ermöglichen, müssten sich zunächst die Skeptiker wie Japan, Kanada und Russland eindeutig zu ihren Verpflichtungen unter dem Kyoto-Protokoll bekennen. Ansonsten drohten viele Schwellen- und Entwicklungsländer, die Verhandlungen über ihre eigenen Beiträge zum Klimaschutz zu blockieren.

Beim Schutz von Wäldern, bei der Anpassung an den Klimawandel sowie für die technologische Zusammenarbeit und finanzielle Unterstützung von Entwicklungsländern seien bisher lediglich allgemeine Prinzipien verhandelt worden. Der NABU hält es für erforderlich, dass darüber hinaus in Cancún konkrete Entscheidungen über die Einrichtung eines Klimafonds und der für die Umsetzung benötigten Institutionen getroffen werden. „Unabhängig davon wie lange es noch dauern wird, bis ein neues Weltklimaabkommen zustande kommt, müssen sich die Vertragsstaaten bereits jetzt verpflichten, langfristige Strategien für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel auf nationaler Ebene zu entwickeln und umzusetzen“, sagte NABU-Klimaexperte Carsten Wachholz.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke ist vom 7.-11.12.2010 in Cancún vor Ort und steht für Gespräche und Interviewanfragen zu den UN-Klimaverhandlungen zur Verfügung.

Für Rückfragen: Carsten Wachholz, NABU-Klimaexperte, mobil in Cancún erreichbar unter +49 (0) 172 4179727 oder per E-Mail an carsten.wachholz@nabu.de.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.


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Schallende Ohrfeige für Geflügelindustrie und Bundesregierung

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Sieg für den Tierschutz – Bundesverfassungsgericht untersagt Kleingruppenkäfige für Legehennen

Wie gerade bekannt wurde, hat das Bundesverfassungsgericht der Normenkontrollklage des Landes Rheinland-Pfalz Recht gegeben und die Kleingruppenkäfige für Legehennen als Verstoß gegen das Grundgesetz bezeichnet. Laut Urteilsbegründung wurde gegen die erforderliche gesetzliche Ermächtigungsgrundlage verstoßen, weil die Tierschutzkommission nicht in der nach Tierschutzgesetz erforderlichen Weise angehört wurde. Mit dem Verstoß gegen das Anhörungserfordernis habe der Verordnungsgeber auch gegen den Artikel 20a Grundgesetz, dem Staatsziel Tierschutz, verstoßen, so das Gericht. Die Bundesregierung hatte das generelle Verbot der Käfighaltung im Jahr 2002 nach einem mehrheitlichen Votum des Bundesrates aufgehoben.

„Das ist eine schallende Ohrfeige für die Betreiber von Kleingruppenkäfigen und die Bundesregierung. Es ist ein Sieg für den Tierschutz. Das muss alle, die noch Eier aus Käfigen verwenden, nachdenklich stimmen. Das fängt bei Frühstückseiern an, das betrifft aber auch Eiernudeln und endet noch nicht beim Eierlikör“, kommentiert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes und fügt an: „Wir danken dem Ministerpräsidenten Kurt Beck und der Staatsministerin Margit Conrad, dass sie den Tierschutzargumenten durch ihre Normenkontrollklage zu Recht verholfen haben.“

Das Land Rheinland-Pfalz hatte nach dem Beschluss des Bundesrates Normenkontrollklage gegen die „Regelungen zur Kleingruppenhaltung von Legehennen“ eingelegt. Der Deutsche Tierschutzbund hat die Klage mit Gutachten unterstützt.

In der neuen Käfiggeneration können die Tiere zentrale Bedürfnisse und Verhaltensweisen nicht ausleben. Dazu gehören u. a. Sandbaden, ungestörtes Ruhen oder geschützte Eiablage im Nest. Diese hat das Bundesverfassungsgericht 1999 als wesentliche Grundbedürfnisse bezeichnet und die Käfighaltung für verfassungswidrig erklärt. Führende Wissenschaftler haben bereits bestätigt, dass auch in der so genannten Kleingruppe kein artgerechtes Verhalten der Hühnervögel möglich ist.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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