Archiv für die Kategorie „Gesellschaft“

Klimabündnis: Regierung betreibt in der Energiepolitik Strukturkonservierung statt Modernisierung

Freitag, 7. Januar 2011

Als “bemerkenswertes Dokument der Realitätsverklärung” hat das neu gegründete Klimabündnis Baden-Württemberg die Behauptung des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Landtag, Peter Hauk, zurückgewiesen, wonach das Land Baden-Württemberg beim Klimaschutz “bundesweit eine Vorreiterrolle” einnehme. Hauk hatte mit seiner Äußerung auf die gestrige Vorstellung des Klimabündnis Baden-Württemberg reagiert.

“Läge Hauk mit seiner anmaßenden Behauptung richtig, gäbe es unser Bündnis vermutlich gar nicht”, erklärten der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe e. v. (DUH), Rainer Baake, und der Geschäftsführer von MetropolSolar Rhein-Neckar e.V. (MPS), Daniel Bannasch, als Vertreter des Klimabündnisses, das am Dienstag in Stuttgart eine landesweite Kampagne zur bevorstehenden Landtagswahl vorgestellt hatte.

“Tatsächlich zementiert die Energiepolitik der amtierenden Landesregierung wie in kaum einem anderen Bundesland die nuklear-fossilen Strukturen und ist verantwortlich dafür, dass die Chancen einer Modernisierung der Energieversorgung hierzulande weitgehend ungenutzt bleiben”, betonte Baake.

“Das bundesweite Klimaschutzziel für 2020 liegt bei minus 40% gegenüber 1990, Baden-Württemberg will sich weit weniger anstrengen und die gefährlichen Treibhausgase nur um 30% reduzieren. Während der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bundesweit 2020 bei fast 40% liegen soll, will die Landesregierung sich mit 20% zufrieden geben. Vorreiter sehen anders aus, Herr Hauk”, sagte Bannasch.

Das “Energiekonzept 2020″ der Landesregierung sei “im Kern ein Anti-Modernisierungsplan”. Es solle auch dann für die kommende Dekade fortbestehen, wenn das derzeit beratene Anschlusskonzept 2020plus verabschiedet wird, auf das sich Hauk mit seiner Äußerung bezogen hatte. Der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung soll danach in Baden-Württemberg in den nächsten 10 Jahren praktisch gleich bleiben (50% im Jahr 2020 statt 49% im Jahr 2007), der Anteil von Kohle und Gas nur minimal sinken (30% in 2020 statt 34% in 2007). “Wer Strukturen konserviert, kann nicht gleichzeitig modernisieren”, kritisierten die Vertreter des Klimabündnisses.

Im Klimabündnis Baden-Württemberg haben sich in kurzer Zeit 121 Umweltverbände, Bürgerinitiativen, kirchliche und soziale Gruppen, mittelständische Unternehmen, Stadtwerke und Einzelpersönlichkeiten zusammengefunden. Träger ist die bundesweit agierende Klima-Allianz. Der Zusammenschluss hat gestern in Stuttgart einen Aufruf mit dem Titel “Wir wählen Zukunft: Erneuerbare statt Atom” veröffentlicht. In den kommenden Wochen sollen die Kandidatinnen und Kandidaten der im Landtagswahlkampf chancenreichen Parteien schriftlich aufgefordert werden, den Aufruf mitzutragen. Die Ergebnisse der Befragung werden die Initiatoren publizieren. Sie sollen den Bürgerinnen und Bürgern als Entscheidungshilfe für die Landtagswahl dienen.

Quelle: fair-NEWS

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ROG-Bilanz 2010: 57 Journalisten in 25 Ländern getötet

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Zahl der entführten Medienmitarbeiter gestiegen

Mindestens 57 Journalisten und ein Medienassistent sind im Jahr 2010 während ihrer Arbeit oder wegen ihres Berufs getötet worden. Das sind 19 Medienmitarbeiter weniger als im Vorjahr (2009: 76 Journalisten, 1 Medienassistent). Die Zahl der Länder, in denen Medienmitarbeiter ermordet wurden, ist im Vergleich zu 2009 von 20 auf 25 gestiegen. Vermehrt hat ROG in diesem Jahr außerdem Fälle von Entführungen beobachtet (2010: 51, 2009: 33). Dies sind einige Ergebnisse der heute veröffentlichten Bilanz von Reporter ohne Grenzen (ROG) über Angriffe auf die Pressefreiheit im Jahr 2010.

535 Journalisten wurden im Laufe des Jahres festgenommen (2009: 573), 1.374 erlitten Gewalt oder wurden bedroht (2009: 1.456).

Im Vorjahr lag die Todesrate wegen eines Massakers an Medienmitabeitern im November 2009 auf den Philippinen um rund 25 Prozent höher. Damals wurden 32 Journalisten an einem Tag ermordet.

Die gefährlichsten Länder für Journalisten sind in diesem Jahr Pakistan (11 Todesfälle), Mexiko (7), Irak (7) und die Philippinen (4). In Pakistan werden Reporter vor allem von islamistischen Gruppen ins Visier genommen. In Mexiko geht die Gefahr für kritische Journalisten überwiegend von Drogenkartellen aus. Im Irak wurden Journalisten Opfer von Bombenattentaten. Auf den Philippinen stehen hinter den meisten Ermordungen private Milizen von Clanchefs und lokalen Politikern. Die Täter fürchten die unabhängige oder kritische Berichterstattung über kriminelle Machenschaften oder Korruption.

Zu weiteren Brennpunkten der Pressefreiheit entwickelten sich in diesem Jahr Honduras und Thailand. In dem südostasiatischen Land starben bei Gefechten zwischen Regierungstruppen und den oppositionellen “Rothemden” zwei ausländische Korrespondenten. In Honduras hat ROG in mindestens drei Mordfällen einen direkten Zusammenhang mit der journalistischen Tätigkeit der Opfer festgestellt. Vermehrte Fälle von Entführungen von Medienmitarbeitern dokumentiert ROG derzeit in Afghanistan, Nigeria oder Mexiko.

Die Zahl der körperlichen Übergriffe und Drohungen gegen Journalisten in Europa und der GUS-Region hat sich im Unterschied zu anderen Weltregionen deutlich erhöht. Einen Anstieg der Gewalt gegen Medienmitarbeiter verzeichnete ROG unter anderem in Ländern mit landesweiten Wahlen wie Aserbaidschan, der Ukraine und Belarus.

In Belarus sind zudem weiterhin zehn Journalisten inhaftiert. Sie wurden nach der Präsidentschaftswahl am 19. Dezember in Minsk festgenommen. Die meisten Journalisten sind derzeit im Iran hinter Gittern (37), gefolgt von China (30) und Eritrea (29). Die Arbeitsbedingungen für Journalisten im Iran haben sich in diesem Jahr weiter verschlechtert. Das Regime hat die Überwachung von Medienmitarbeitern ausgedehnt und die Einreisebestimmungen für Korrespondenten verschärft. Journalisten, die ihr Menschenrecht auf freie Berichterstattung wahrnehmen wollen, müssen erhebliche Risiken in Kauf nehmen.

Die zwei inhaftierten Mitarbeiter der “Bild am Sonntag” haben das auf tragische Weise zu spüren bekommen. Seit mehr als 80 Tagen sind die Beiden in Haft, weil sie aus einem Land berichten wollten, das sich hermetisch abschottet und keine unabhängigen Beobachter zulässt. Sie dürfen nicht in politischen Verhandlungen als Faustpfand missbraucht werden und müssen sofort freigelassen werden.

Quelle: fair-NEWS

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NABU ehrt RWE-Chef Jürgen Großmann mit „Dinosaurier des Jahres 2010”

Donnerstag, 30. Dezember 2010

Atomkraftwerksbetreiber bremst bei Erneuerbaren und Klimaschutz

Der NABU hat RWE-Chef Jürgen Großmann mit dem „Dinosaurier 2010“ – Deutschlands peinlichstem Umweltpreis – ausgezeichnet. Der Vorstandsvorsitzende des Essener Stromkonzerns erhält die Trophäe für die Aufkündigung des Atomkonsenses in Deutschland. „Mit seiner hemmungslosen und provozierenden Beeinflussung der Bundesregierung für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke, die im Spätsommer in einer von ihm initiierten Anzeigenkampagne gipfelte, hat sich Herr Großmann den Preis in diesem Jahr redlich verdient“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Jürgen Großmann stehe damit in direkter Tradition des ehemaligen RWE-Bosses Harry Roels, der bereits 2006 für den Antrag auf Laufzeitverlängerung für den Schrott-Reaktor Biblis A mit dem Dino ausgezeichnet worden ist.

„Die RWE-Spitze hat nichts dazu gelernt. Aus reinem Machtkalkül und Profitstreben wird an einer Risikotechnologie festgehalten und gleichzeitig der notwendige Aus- und Umbau einer umweltfreundlichen Energieversorgung in Deutschland ausgebremst“, so Tschimpke. Das Kerngeschäft von RWE sei die Energieerzeugung mit Risiko- und klimaschädlicher Technologie: Atomkraft und Kohle.

Der Anteil von Strom aus erneuerbaren Energien in der RWE-Angebotspalette liegt bei gerade einmal drei Prozent, wobei ein Großteil von alten Wasserkraftanlagen bereitgestellt wird. Vor allem profitiert der Konzern von der von Schwarz-Gelb beschlossenen Laufzeitverlängerung für Atommeiler. Nach Berechnungen des Öko-Instituts kann RWE durch das beschlossene Laufzeitplus von im Schnitt zwölf Jahren mit Zusatzgewinnen von über 17 Milliarden Euro rechnen – und das selbst nach Abzug von Zahlungen wie der Brennelementesteuer.

Doch damit nicht genug: Kurz vor der Einführung der Steuer auf Kernbrennstoffe zur Abschöpfung der Zusatzgewinne aus den längeren Laufzeiten hat der Konzern gleich über 90 Brennelemente im hessischen Atomkraftwerk Biblis B ausgetauscht, um Steuerzahlungen in Millionenhöhe zu sparen. Tschimpke: „RWE war der erste Konzern, der die bei der Laufzeitverlängerung ausgehandelte Brennelementesteuer gleich wieder ausgehebelt hat. Hier wird getrickst und getäuscht: Herr Großmann und RWE haben jede Glaubwürdigkeit verspielt.“Allein in den vergangenen drei Jahrzehnten sind in Biblis A und B über 730 meldepflichtige Störfälle aufgetreten.

Auch in punkto Klimaschutz hat das Essener Energieunternehmen so gut wie nichts zu bieten. „Der deutsche Konzern ist mit 150 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß pro Jahr in Europa der größte Produzent schädlicher Treibhausgase“, so der NABU-Präsident.

Mit dem „Dinosaurier des Jahres“, der aus Zinn gegossenen und 2,6 Kilogramm schweren Nachbildung einer Riesenechse, zeichnet der NABU seit
1993 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus, die sich sowohl durch herausragende Einzelleistungen als auch durch die Summe ihres Gesamtwerkes in Sachen Umweltschutz negativ hervorgetan haben. Weitere prominente Dino-Preisträger sind u.a. der frühere Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerhard Sonnleitner, Air Berlin-Chef Joachim Hunold, Ex-Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und der Präsident des Münchener ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, der die Trophäe im vergangenen Jahr erhielt.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.


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BUND-Bilanz und Ausblick: 2010 Höhepunkt der Anti-Atom-Proteste

Montag, 27. Dezember 2010

2011 steht Agrarreform an: Großdemonstration am 22. Januar in Berlin

“2010 war nicht das Jahr des so genannten Wutbürgers. Es war ein Jahr demokratischer und phantasievoller Bürgerproteste gegen Fehlentscheidungen wie die Aufkündigung des Atomausstiegs oder die Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde.” Dieses Fazit zieht Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer Rückschau auf das Jahr 2010. Für 2011 erwartet er zwei Hauptthemen, an denen der BUND arbeiten wird: “Die Europäische Union steht 2011 in der Agrar- und Klimapolitik vor entscheidenden Weichenstellungen. Die Verteilung von fast 60 Milliarden Euro Agrarsubventionen muss neu geregelt und das Klimaschutzziel von minus 20 Prozent CO2 muss auf minus 40 Prozent erhöht werden.”

Die Anhebung der Ziele zur CO2-Minderung für alle Staaten der Europäischen Union sei ebenso dringend erforderlich wie eine stärker an Umwelt- und Tierschutz orientierte Landwirtschaft. Bei beiden Themen komme der Bundesregierung eine Schlüsselrolle zu. Verweigere sie sich ambitionierten Klimaschutzzielen und blockiere sie die anstehenden Agrarreformen, werde sie ihrer Verantwortung für eine zukunftsfähige Wirtschaftsweise nicht gerecht.

“Positive Trends im Natur- und Umweltschutz gingen 2010 leider nicht auf das Konto der schwarz-gelben Bundesregierung. Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull und die Wirtschaftskrise haben mehr zur Reduzierung der globalen Treibhausgase beigetragen als die Umweltpolitik von Kanzlerin Angela Merkel und Umweltminister Norbert Röttgen. In Deutschland sind die CO2-Emissionen im letzten Jahr sogar um etwa 30 Millionen Tonnen gestiegen”, sagte Weiger. Die zu starke Abhängigkeit der Industriestaaten von fossilen Rohstoffen habe auch die Explosion der Ölbohrinsel “deep water horizon” und die anschließende Ölkatastrophe im Golf von Mexiko deutlich gemacht.

“Weder die Bundesregierung noch die deutsche Wirtschaft haben die nötigen Lehren aus den Umweltdebatten der vergangenen Jahre gezogen. Strengere Vorgaben zur Verbrauchsminderung für Autohersteller wurden blockiert, Straßen und Autobahnen übertriebenen Verkehrsprognosen hinterher geplant, umweltfreundliche Verkehrsmittel wie die Bahn vernachlässigt und mit Laufzeitverlängerungs-Geschenken an Atomstromkonzerne der Ausbau der erneuerbaren Energien behindert. Federführend in rückwärtsgewandter Umweltpolitik ist meist das von FDP-Politiker Rainer Brüderle geleitete Bundeswirtschaftsministerium”, sagte Weiger.

2010 habe die schwarz-gelbe Bundesregierung mit der neuen Abgabe auf Atom-Brennstäbe und der Luftverkehrssteuer erste Schritte beim Abbau umweltschädlicher Subventionen getan. Diese Maßnahmen seien jedoch allein der klammen Haushaltslage geschuldet gewesen. Zu den Erfolgen des Jahres 2010 gehöre, dass das Bundesverfassungsgericht die gentechnikfreie Landwirtschaft geschützt habe, indem es die strengen Regeln zum Schutz vor Verunreinigungen von Äckern mit Gentech-Pflanzen bestätigte.

International habe es 2010 ebenfalls einige Erfolge gegeben. Weiger: “Im UN-Jahr der Biodiversität hat sich die Weltgemeinschaft in Japan auf den Abbau umweltschädlicher Subventionen bis 2020 verständigt und Anfang Dezember wurde im mexikanischen Cancun der UN-Prozess für ein globales Klimaschutzabkommen vor dem Scheitern bewahrt. Trotzdem kommt der Klimaschutz nur schleppend voran. Wenn die Industriestaaten nicht endlich mit verbindlichen und strengeren CO2-Minderungszielen aufs Tempo drücken, werden sich Zahl und Ausmaß der vom Menschen verursachten Klimakatastrophen leider noch erhöhen.”

Weiger hob hervor, dass es 2010 eine Renaissance der Anti-Atom-Bewegung gegeben habe. Hunderttausende seien für eine zukunftsfähige Energieversorgung ohne Atomkraft auf die Straße gegangen. Für 2011 kündigte der BUND-Vorsitzende neue Demonstrationen an: “Wir werden den erstarkten Bürgerprotest gegen die fragwürdigen Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke, gegen Prestigeprojekte wie `Stuttgart 21` und gegen eine verfehlte Agrarpolitik auch im kommenden Jahr auf die Straße tragen. Schon am 22. Januar veranstalten wir anlässlich der Grünen Woche in Berlin gemeinsam mit einem breiten Bündnis von Umwelt-, Agrar- und Tierschutzverbänden eine große Kundgebung für Gentechnikfreiheit und Agrarreformen. Und wenn sich im April die Tschernobyl-Katastrophe zum 25. Mal jährt, werden wir deutschlandweit zu Protesten gegen die schwarz-gelbe Atompolitik aufrufen.”

Quelle:  fair-NEWS

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Europäische Biokraftstoff-Ziele fördern ökologische und soziale Konflikte

Montag, 8. November 2010

Studie belegt massive CO2-Emissionen und Landnutzungsänderungen

Die EU-Ziele zum Ausbau der Agrokraftstoffe bis zum Jahr 2020 verursachen erhebliche Klimagasemissionen sowie einen zusätzlichen Flächenbedarf in Höhe von bis zu 69.000 Quadratkilometern. Dies ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEEP), die heute von zahlreichen Umweltverbänden in Brüssel vorgestellt wurde. Die Studie berechnet anhand der Nationalen Aktionspläne für Erneuerbare Energien aus 23 EU-Mitgliedstaaten die indirekten Landnutzungsänderungen, die durch die zusätzliche Nachfrage nach Biomasse zur Erreichung der Treibstoffziele ausgelöst werden. Die größte Menge Biosprit wird dabei mit 5,5 Millionen Tonnen in Deutschland benötigt. Dies entspricht einer Anbaufläche von bis zu einer Million Hektar sowie zusätzlichen jährlichen CO2-Emissionen von bis zu 11 Millionen Tonnen.

„Die Untersuchung macht deutlich, dass eine Fläche ungefähr so groß wie Bayern in intensive Ackerkulturen oder Plantagen umgewandelt werden müsste. Wenn die EU-Mitgliedstaaten ihre Ziele im Bereich der Agrokraftstoffe nicht korrigieren, sind daher gravierende Konsequenzen für Klimaschutz und Ökosysteme weltweit zu befürchten“, sagt NABU-Agrarexperte Florian Schöne.

Nach Angaben der Nationalen Aktionspläne sollen die Agrokraftstoffe bis zum Jahr 2020 9,5 Prozent des gesamten Treibstoffbedarfs im Verkehrssektor ausmachen, wovon über 90 Prozent aus angebauten Energiepflanzen kommen. Wenn dabei die indirekten Landnutzungsänderungen einbezogen werden, die durch eine Verdrängung der bisherigen Lebensmittelerzeugung auf andere Standorte entstehen, so ist mit zusätzlichen Treibhausgasemissionen in Höhe von 27 bis 56 Millionen Tonnen Kohlendioxid zu rechnen. Die Treibhausgasbilanzen der Agrokraftstoffe sind damit nach Berechnungen des IEEP im Schnitt um 81 bis 167 Prozent schlechter als fossile Kraftstoffe.

„Die Studie bestätigt die schlimmsten Befürchtungen zu den Schäden von Agrokraftstoffen für Umwelt und Klima. Die Umwandlung von Wald, Weideland oder Moorflächen in Ackerland und Plantagen führt dazu, dass deutlich mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, als später durch die vermeintlichen Biokraftstoffe eingespart wird“, so Corinna Hölzel, Waldexpertin von Greenpeace.

Die EU-Kommission diskutiert derzeit über die negativen Folgen so genannter indirekter Landnutzungsänderungen für die Klimaschutzpolitik.
Schon jetzt bestehen große Zweifel, ob Ethanol und Biodiesel zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes im Verkehr überhaupt helfen können. Die Umweltverbände rufen die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, ihre Ausbauziele für Agrokraftstoffe einzufrieren und die Konsequenzen der indirekten Landnutzungsänderungen in die Treibhausgasbilanzen der Kraftstoffe einzubeziehen.

„Agrokraftstoffe sind keine klimafreundliche Lösung für unseren Energiebedarf, sondern sie verdrängen vor allem in tropischen Ländern die lokale Bevölkerung, den Lebensmittelanbau und natürliche Ökosysteme wie Regenwälder“, so Reinhild Benning, Agrarexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Solange die gesamten Konsequenzen der Agrokraftstoffe für Umwelt und Klima nicht berücksichtigt würden, müsse die Politik die Beimischungsziele grundsätzlich in Frage stellen.

Eine deutsche Kurzfassung der Studie ist im Internet zu finden unter www.nabu.de/biokraftstoffe Die englischsprachige Langfassung steht ab dem 8. November unter www.nabu.de zur Verfügung.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

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Wirtschaftliche Unternehmen als Naturschützer in der Pflicht

Dienstag, 13. Juli 2010

NABU: Wer die Natur schädigt, zerstört die Märkte der Zukunft

Anlässlich des heute in London auf einem Artenschutzsymposium vorgestellten dritten Teils der Studie „The Economics of Ecosystems and Biodiversity“ (TEEB) forderte der NABU ein klares Umdenken und verstärktes Engagement der Wirtschaft für den Erhalt von Lebensräumen und Arten. Laut TEEB-Studie verursachen Unternehmen in Natur und Umwelt Schäden von etwa 2,2 Billionen US-Dollar im Jahr. Andererseits werden jährlich allein mit ökologisch zertifizierten Agrarprodukten über 40 Milliarden US-Dollar umgesetzt, Tendenz steigend. „Wer die Natur schädigt, zerstört die Märkte der Zukunft. Natur und Arten zu erhalten sollte daher im ureigenen Interesse eines Unternehmens liegen“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Zudem lehnten über 80 Prozent der Verbraucher Produkte ab, deren Herstellung Schäden an Natur und Umwelt verursachen.

Die weltweite Untersuchung zeige erneut, dass sich die Rücksichtnahme auf die biologische Vielfalt rechne und unternehmerischer Erfolg und der Erhalt von Arten und Lebensräumen untrennbar miteinander verknüpft seien. Neben den Kooperationen mit einzelnen Unternehmen hat der NABU daher Anfang des Jahres 2007 die NABU-Unternehmerinitiative gegründet.

Mit dieser Plattform reagiert der NABU auf das zunehmende Interesse mittelständischer Unternehmen, verantwortlich zu handeln und sich für Natur- und Umweltschutz einzusetzen. „Wir wollen beweisen, dass Ökologie und Ökonomie keine Gegensätze sind, sondern gemeinsam eine lebenswerte Zukunft gestalten können und müssen“, so Tschimpke. Der Austausch zwischen Naturschutz und Wirtschaft sei eine zentrale Voraussetzung dafür, Vorurteile und gegenseitige Blockaden zu überwinden.

Deutschland hatte die TEEB-Studie im Rahmen seiner G8-Präsidentschaft im Jahr 2007 gemeinsam mit der EU-Kommission initiiert, um den ökonomischen Wert der Natur besser einschätzen zu können, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Schädigung von Ökosystemen zu erfassen und somit die Kosten des Nicht-Handelns zu beziffern.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

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Fragwürdige Auszeichnung für das Primatenzentrum

Mittwoch, 9. Juni 2010

Dem Deutschen Primatenzentrum DPZ in Göttingen, einem der größten Zentren für Tierversuche an Affen in Deutschland, wird am 7. Juni vom Verein „Deutschland – Land der Ideen“ der Titel „Ausgewählter Ort im Land der Ideen“ verliehen. Der Deutsche Tierschutzbund reagiert mit Unverständnis auf die Auszeichnung.

„Es ist unfassbar, dass ausgerechnet dieser Ort der Qual für Hunderte von Versuchsaffen ausgezeichnet wird“, empört sich Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Mit dieser Auszeichnung wirbt der Verein „Deutschland – Land der Ideen“  auf internationaler Ebene für Deutschland als einen führenden Standort für Wissenschaft und Innovation. Damit wird eine Einrichtung gewürdigt, in der Hunderte von Affen in Tierversuchen verbraucht werden. Sie werden mit tödlichen Krankheiten, z. B. BSE, Pocken oder AIDS, infiziert, an denen sie leiden und zugrunde gehen. Sie werden in Versuchen in schwere Angst versetzt, damit man Stressreaktionen oder Depressionen an ihnen erforschen kann. Man löst an ihnen mit Chemikalien künstlich Asthma aus.

Sowohl im DPZ als auch in der Bremer Universität bohrt man Affen den Schädel auf, pflanzt ihnen Elektroden ins Gehirn und zwingt sie dann jahrelang zur Mitarbeit an widernatürlichen Versuchen. Nicht zuletzt züchtet das Primatenzentrum Affen für Tierversuche mit dem Ziel, den „Bedarf“ an Versuchsaffen in ganz Deutschland zu decken. Auch wenn die Haltungsbedingungen im DPZ besser sein mögen als die in vielen anderen Zuchteinrichtungen, erwartet die Tiere, sobald sie erwachsen sind und zum Zweck des Tierexperiments verkauft werden, ein leidvolles Schicksal.

Es soll hier nicht verschwiegen werden, dass vom DPZ aus auch beobachtende Forschung in den Ursprungsländern der Primaten betrieben wird, bei der Tiere nicht leiden müssen. Aber die Qualen der Göttinger Versuchsaffen werden dadurch nicht gerechtfertigt. „Ein solches Zentrum abgrundtiefen Tierleides als Werbung für Deutschland auszuzeichnen, war ein spektakulärer Fehlgriff des Vereins. Stattdessen sollte man Einrichtungen wie z. B. das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik auszeichnen, wo Alternativen zum Tierversuch entwickelt werden,“  meint  Wolfgang Apel abschließend.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

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Greenpeace-Protest in Neuschwanstein für japanische Walschützer

Sonntag, 6. Juni 2010

Gegen die drohende Haftstrafe für zwei japanische Walschützer demonstrieren Greenpeace-Aktivisten heute mit einem 10 mal 20 Meter großen Banner am Märchenschloss von König Ludwig. Die Aufschrift des Banners am besonders bei japanischen Touristen beliebten Schloss Neuschwanstein lautet: “Kein Märchen – Walschützern droht Gefängnis in Japan.” Neben dem Text sind die Portraits von Junichi Sato und Toru Suzuki zu sehen. Der Grund für die Aktion: Satound Suzuki hatten im Mai 2008 einen Korruptionsskandal in der japanischen Walfangindustrie aufgedeckt. Doch statt die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, wird den beiden Greenpeace-Aktivisten seitdem in Japan von der Staatsanwaltschaft derProzess wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs gemacht. Beiden Walschützern drohen lange Haftstrafen.

“In Japan geht es jetzt auch um Menschenrechte”, sagt Greenpeace-Walexperte Thilo Maack. “Das Schicksal von Junichi und Toru darf auch der Bundesregierung nicht egal sein. Es ist absurd, für den Walschutz ins Gefängnis gehen zu müssen.”
Als Teil einer lückenlosen Beweiskette hatten Sato und Suzuki neben zahlreichen Zeugenaussagen der japanischen Staatsanwaltschaft vor zwei Jahren auch über 23 Kilogramm Walfleisch übergeben, das sie zuvor in einem Paketdepot sichergestellt hatten. Die Staatsanwaltschaft stellte jedoch die Untersuchung gegen die Verantwortlichen nach wenigen Tagen ein. Stattdessen wurden die beiden Walschützer kurz darauf festgenommen und 23 Tage ohne Anklage inhaftiert. Seitdem sind sie unter strengen Kautionsauflagen auf freiem Fuß.

Am Dienstag, den 8. Juni findet im japanischen Walfängerdorf Aomori der letzte Prozesstag statt. Erst kürzlich hatte die UN-Menschhenrechtskommissarin Navanethem Pillay ihre Bestürzung über das Verfahren gegen die beiden Greenpeace-Aktivisten geäußert.
Der Prozess endet unmittelbar vor Beginnn der 62. Jahrestagung derInternationalen Walfangkommission, IWC in Agadir/Marokko. Dort wird die japanische Regierung Mitte Juni erneut die Aufhebung des Walfangverbotes und die Vergabe von Fangquoten für die japanische Flotte fordern.

Quelle: fair-NEWS.de

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Ausschreibung des 4. Wissenschaftspreises Legasthenie und Dyskalkulie

Montag, 31. Mai 2010

Der BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie, schreibt anlässlich des 17. Bundeskongresses vom 18. bis 20. März 2011 seinen vierten Wissenschaftspreis aus.

Der BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V., vergibt zum vierten Mal den Wissenschaftspreis des BVL für empirische Arbeiten auf den Gebieten der Legasthenie und Dyskalkulie. Damit soll die wissenschaftliche Forschung in den Bereichen Grundlagenforschung, Diagnostik, Prävention und Therapie gefördert werden. Der Preis beträgt 3.000 Euro und wird auf dem 17. Bundeskongress des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie vom 18. bis 20. März 2011 in Erfurt verliehen.

Der BVL möchte so insbesondere jüngere Wissenschaftler motivieren, ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu den Themen Legasthenie oder Dyskalkulie einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und mit dazu beizutragen, dass die betroffenen Menschen eine bessere Unterstützung erfahren. Bewerber müssen Autoren einer oder mehrerer Arbeiten sein, die innerhalb der letzten drei Jahre in Fachzeitschriften allgemein zugänglich publiziert wurden. Die Bewerbungsunterlagen müssen zudem bis zum 31.12.2010 bei dem wissenschaftlichen Leiter des Bundeskongresses, Herrn Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne (Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität München, Pettenkoferstr. 8a, 80336 München) eingehen.

Mit dem 17. Bundeskongress Legasthenie und Dyskalkulie „Stärken erkennen – Stärken fördern“ soll erneut ein Forum für den wissenschaftlichen Austausch auf nationaler und internationaler Ebene geschaffen werden. Die erwarteten 1.000 Kongressteilnehmer sollen so einen aktuellen Überblick zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Legasthenie und Dyskalkulie erhalten.

Weitere Informationen zum 17. BVL-Kongress vom 18. bis 20. März 2011 und den Ausschreibungsbedingungen sind im Internet unter www.bvl-legasthenie.de abrufbar.

Quelle: PR4YOU

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VIER PFOTEN protestiert gegen Postengeschacher zu Gunsten der Agrarindustrie

Montag, 24. Mai 2010

Der ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen wird durch seine Nachfolgerin Astrid Grotelüschen ersetzt. Die neue Agrarministerin besitzt die zweitgrößte Putenbrüterei Deutschlands. Sie vertritt die Interessen großindustrieller Massentierhalter. VIER PFOTEN protestiert gegen die fragwürdige, einseitige Politik des Landes.

“Mit merkwürdigen Erlassen aus dem Hause Ehlen zu Gunsten von Massentierhaltungen war man ja schon vertraut, aber dies ist der Gipfel”, so Johanna Stadler, Geschäftsführerin von VIER PFOTEN. “Eine Landwirtschaftsministerin, die die zweitgrößte Putenbrüterei Deutschlands besitzt, wird reine Interessenvertretung für die Agrarindustrie machen” so Stadler.

Die Ernennung der eng mit der industriellen Tierhaltung verbundenen neuen Agrarministerin wird von VIER PFOTEN als Teil des Plans gesehen, mithilfe dessen hier versucht wird, die Entstehung neuer Agrarfabriken zu fördern. Ministerin Grotelüschen spricht sich beispielsweise für die Errichtung des geplanten Mega-Geflügelschlachtbetriebes in Wietze im Landkreis Celle aus. Damit verbunden ist der Bau von 450 neuen Hühnermastställen in der Region.

“Die Proteste zahlreicher Bürgerinitiativen gegen den geplanten Hühnerhighway an der A7 interessieren die Ministerin offenbar wenig. Auch die damit verbundenen Tier- und Umweltschutzprobleme lassen sie scheinbar kalt”, so Stadler. Masthühner werden in nur 32 Tagen Turbomast zu schlachtreifen Krüppeln: 75% der Tiere können zum Ende der Mast hin nicht mehr richtig laufen, viele sterben durch plötzlichen Herztod. Schuld daran ist die einseitige Zucht auf schnellen Fleischansatz, verbunden mit Engaufstallung und intensivster Fütterung. Die Schlachtung der Tiere geschieht in Akkordarbeit, was zu massiven Tierschutzproblemen führt.

“Großindustrielle Massentierhaltungen zu fördern ist ebenso unverantwortlich wie die zweifelhaften Methoden, mit denen hier Politik betrieben wird. Die Ernennung der neuen Agrarministerin als Lobby-Vertreterin ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Wir fordern das niedersächsische Landwirtschaftsministerium auf, Stellung zum Postengeschacher zu Gunsten der Agrarindustrie zu beziehen”, so Stadler abschließend.

Quelle: Offenes-Presseportal

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