Artikel-Schlagworte: „Tierschutz“

Vorwürfe gegen Lohmann Tierzucht

Montag, 14. Februar 2011

Das Tierschutzgesetz lässt Schlupflöcher

Nach Medienberichten wird gegen „Lohmann Tierzucht GmbH“ / Cuxhaven wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Der Deutsche Tierschutzbund erwartet eine konsequente Verfolgung der Vorwürfe und Ahndung von Vergehen. Zugleich aber nimmt der Verband den Vorfall zum Anlass, seine grundsätzliche Kritik an Manipulationen am Tier und den damit verbundenen Lücken im Tierschutzgesetz zu erneuern.

„An Tieren darf nicht herumgeschnitten werden und sie sind auch kein Abfall. Wir erwarten, dass bei eindeutigen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz gegen die Verantwortlichen mit aller Härte vorgegangen wird. Zugleich aber wird deutlich, dass das Tierschutzgesetz Schlupflöcher und Interpretationen zulässt, die mit Tierschutz nicht vereinbar sind. Wir brauchen dringend klare, eindeutige gesetzliche Regelungen, die jedwede Manipulationen am Tier unterbinden“, fordert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Die mit einer zunehmend auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Zucht und Haltung verbundenen Probleme sind nicht nur ein Vollzugsproblem. Das Problem ist auch das Gesetz“, bilanziert Apel.

Der Deutsche Tierschutzbund weist schon lange auf die Tierschutzprobleme hin, die mit der zunehmend spezialisierten Zucht und Haltung verbunden sind. Tiere sollen möglichst viel Milch, Eier und Fleisch produzieren und dies auch noch in der gewünschten Perfektion. Dabei sind sie für die industrialisierte Haltung und die extremen Produktionsziele nicht geschaffen – Überzüchtungen, tierwidrige Haltungsbedingungen und mangelnde Beschäftigung führen zu Krankheiten und Verhaltensstörungen. „Die Probleme beginnen eben nicht erst mit der Haltung oder dem Transport oder der Schlachtung. Sie fangen schon bei der Zucht an. Das muss endlich erkannt werden“, fügt Apel an.

Mehr Informationen zum Thema Manipulationen finden Sie unter http://www.tierschutzbund.de/manipulationen.html

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Bundesrat: Kommt Ende der Käfighaltung von Legehennen?

Donnerstag, 10. Februar 2011

Am kommenden Freitag steht der Entschließungsantrag von Rheinland-Pfalz zur tierschutzgerechten Legehennenhaltung im Bundesrat auf der Tagesordnung. Mit dem Antrag ist ein Verbot der Haltung von Legehennen in Kleingruppenkäfigen vorgesehen. Damit wären dann in Deutschland nur noch Boden-, Freiland- und Biohaltung erlaubt. Hintergrund ist, dass durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Normenkontrollklage des Landes Rheinland-Pfalz, die derzeit gültige Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung/Kapitel Legehennen, in der die Kleingruppenkäfige erlaubt sind, für ungültig erklärt wurde.

„Den Antrag begrüßen wir, das Ende der Hühnerqual scheint zu kommen. Wir hoffen, dass die anderen Bundesländer den Antrag stützen und das Verbot der Käfige rasch erfolgt. Denn neben dem millionenfachen Tierleid, das beendet werden muss, ist sofort zu verhindern, dass weitere, neue Käfiganlagen entstehen. Das erfordert Eile im Bundesratsverfahren, aber auch auf Seite der Bundesregierung“, so Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

In der Kleingruppenkäfighaltung sind wesentliche Grundbedürfnisse und Verhaltensweisen der Tiere eingeschränkt. Im Vergleich zum herkömmlichen Käfig, in dem die Hühner bisher nur eine ¾ DIN A4  Seite an Platz hatten, sind es im neuen Käfigsystem nur knapp mehr als ein DIN A4 Blatt. Die Tiere können nicht gleichzeitig ruhen, artgemäß scharren, picken und sandbaden. Stattdessen sind die Hühner einem hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt. Dies sind Folgen der Haltung auf Drahtgitter und von Federpicken und Kannibalismus. Der Deutsche Tierschutzbund hat in umfangreichen Stellungnahmen an das Bundesverfassungsgericht die erheblichen Tierschutzprobleme dargestellt. Führende Wissenschaftler haben bestätigt, dass auch in den Kleingruppenkäfigen kein artgerechtes Verhalten möglich ist.

Apel betont, dass im Gespräch befindliche Bestandsschutzregelungen für Kleingruppenkäfige und Schadensersatz, wie von der Geflügelindustrie gefordert, kritisch zu sehen sind. „Am Tag, als der Bundesrat 2006 die Käfige mit Mehrheit einführte, hat die rheinland-pfälzische Landesregierung die Normenkontrollklage angekündigt. Jeder, der die Käfige gebaut hat, wusste, dass dies in einem rechtlich unsicheren Raum passiert“, so Apel.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Tierschutz-Paket von Ilse Aigner: Lob und Mahnung zur Eile

Montag, 7. Februar 2011

Die Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner hat bestätigt, dass sie ein „Tierschutz-Paket“ plant. Demnach soll unter anderem die Kleingruppenhaltung für Legehennen – unter Berücksichtigung von Übergangsregelungen für bestehende Anlagen – generell verboten werden. Weitere Planungen sehen das Verbot von Brandzeichen bei Pferden, das Verbot der Ferkelkastration ohne Betäubung, scharfe Haltungsregeln für Mastkaninchen, strengere Regeln für die Wildtierhaltung und ein EU-weites Tierschutzlabel vor. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt die Pläne, weist aber auch darauf hin, dass die Regelungen dringend umgesetzt werden müssen.

„Wir sind froh, dass die drängenden Tierschutzfragen, für die wir seit Jahrzehnten kämpfen, angepackt werden. Das Tierschutz-Paket muss eine Eilzustellung werden. Wir setzen darauf, dass die Bundesministerin im Sinne des Tierschutzes Verbesserungen in der Haltung und im Umgang mit den Tieren durchsetzt – und das unverzüglich. Dabei muss national gehandelt werden. Auf keinen Fall darf es dazu kommen, sich auf eventuelle EU-weit einheitliche Regelungen zurückzuziehen. Denn damit sind zumeist lange Übergangsfristen verbunden“, erklärt Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Die bisher betäubungslose und mit erheblichen Schmerzen für das Tier verbundene Ferkelkastration muss und kann aus Tierschutzsicht umgehend verboten werden. Dringender Handlungsbedarf ist zudem überall da gegeben, wo Haltungssysteme nicht tiergerecht sind und Tiere in diese nur unter qualvollen Methoden hineinmanipuliert werden können. „Das gilt für das schmerzhafte Kürzen der Schnäbel von Legehennen und Puten. Das gilt aber auch z. B. für das Abkneifen von Ferkelschwänzen. Das millionenfache Tierleid ist immens“, merkt Apel an, der parallel zu der Umsetzung eine eilige Novellierung des Tierschutzgesetzes anmahnt. Kritisch sieht der Verband Bestandsschutzregelungen für Kleingruppenkäfige. „Am Tag, als der Bundesrat die Kleingruppenkäfige mit Mehrheit eingeführt hat, hat die rheinland-pfälzische Landesregierung die Normenkontrollklage angekündigt. Jeder, der diese Käfige gebaut hat, wusste daher, dass dies in einem rechtlich unsicheren Raum passiere“, so Apel.

Als erste Bewährungsprobe, ob das Tierschutz-Paket gilt, sieht der Deutsche Tierschutzbund zwei parlamentarische Entscheidungen an, die diese Woche anstehen: Am Mittwoch wird sich der zuständige Bundestagsausschuss mit einem Antrag auf Verbot des Brandzeichens bei Pferden befassen. Am Freitag steht eine Abstimmung über den Antrag des Landes Rheinland-Pfalz zum Verbot der Kleingruppenkäfige auf der Tagesordnung des Bundesrates.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Rettung der Serengeti rückt näher

Mittwoch, 2. Februar 2011

Weltbank plant Finanzierung einer Umgehungsstraße

Die tansanische Regierung plant eine 53 Kilometer lange Schnellstraße mitten durch die Serengeti. Die Auswirkungen auf die Tierwanderungen und damit das Ökosystem des Nationalparks wären fatal. Die Lösung ist eine Umgehungsstraße, die bisher jedoch nicht finanzierbar war. Nun schaltet sich die Weltbank ein und bietet der tansanischen Regierung an, mit ihr an der Finanzierung einer südlichen Umgehungsstraße zu arbeiten. „Eine solche Ausweichlösung würde nicht nur die Serengeti verschonen, sondern auch mehr Menschen in dicht bewohnten Randgebieten der Serengeti an Handelsorte und Straßennetze anbinden“, begrüßte NABU-Vizepräsident Thomas Tennhardt die Planungen.

Der ursprüngliche Verlauf der Serengeti-Schnellstraße hat von Beginn an heftigen Widerstand bei Wissenschaftlern, Naturschutzorganisationen und der Öffentlichkeit hervorgerufen. Sie würde rund zwei Millionen Huftiere auf ihrer Suche nach Wasser und Nahrung von ihren lebensnotwendigen Trockenzeit-Weidegründen abschneiden. Die alternative Südroute jedoch sollte sowohl die sensiblen Gebiete des Nationalparks, als auch das Land der letzten 400 Hadza, einem ursprünglich lebenden Stamm, umgehen.

„Der regelmäßige Puls der Massenwanderung von Zebras und Gnus ist der Herzschlag der Serengeti“, sagte NABU International-Artenschutzexpertin Barbara Maas. „Die geplante Straße hätte verheerende Folgen für die biologische Vielfalt der Serengeti, die von den Gnuwanderungen abhängt. Die Initiative der Weltbank ist eine Rettungsleine, bei der die Menschen und Tiere Tansanias gewinnen.“

NABU International unterstützt ein Projekt zum Schutz von Elefanten und anderen Wildtieren vor Wilderei in der Maasai Mara, dem nördlichen Ausläufer der Serengeti in Kenia. Außerdem ist der Verband Partner des Films „Serengeti“, der ab dem 3. Februar in den Kinos läuft und dem Zuschauer mit atemberaubenden Aufnahmen das Wunder der Serengeti vor Augen führt. Zur Premiere am 31. Januar in der Urania in Berlin ist der NABU International mit Artenschutzexpertin Barbara Maas vor Ort.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Brandzeichenverbot hoffentlich im Pferdegalopp

Montag, 31. Januar 2011

Beratung im Bundestag – Deutscher Tierschutzbund startet Kampagne

Im Oktober letzten Jahres hatte der Bundesrat dem rheinland-pfälzischen Antrag zum Verbot des Schenkelbrandes bei Pferden zugestimmt. Nun befasst sich auf Antrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen der Bundestag mit dem beschlossenen Verbot des Schenkelbrandes bei Pferden. Noch im Laufe dieser Woche wird der Antrag, mit dem die Bundesregierung aufgefordert wird, einen Gesetzentwurf zur Änderung des Tierschutzgesetzes vorzulegen, zur Beschlussempfehlung in das Ausschussverfahren gegeben. Der Deutsche Tierschutzbund fordert bereits seit Jahren das Verbot dieser Tierqual und hofft auf ein zügiges Voranschreiten der Beratungen im Bundestag.

„Nach unserem großen Erfolg im Oktober letzten Jahres erwarten wir nun, dass die Bundesregierung den Beschluss zügig umsetzt“, fordert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Eine Verschleppung des Themas werden wir nicht hinnehmen. Wir brauchen das Verbot noch bevor die nächsten Fohlen im Frühsommer gebrannt werden. Damit das Thema nicht in den Gesetzesmühlen hängen bleibt, erhöhen wir den Druck auch medial mit einem neuen Poster- und Postkartenmotiv“, so Apel abschließend.

Obwohl seit dem 1. Juli 2009 eine EU-weit gültige Kennzeichnungspflicht mit einem Mikrochip für alle Pferde gilt, werden nach wie vor Fohlen dem qualvollen und unnötigen Brennen ausgesetzt.  Das „Chippen“ hingegen ist fälschungssicher und macht jedes Pferd individuell und unverwechselbar identifizierbar. Das Brandzeichen aber hat nur einen Werbezweck für den jeweiligen Zuchtverband, wie beispielsweise dem Hannoveraner-Verband, und stellt somit keine individuelle und unverwechselbare Kennzeichnungsmethode dar.

Fohlen erleiden durch Brandzeichen Verbrennungen dritten Grades (irreversible Zerstörung der Oberhaut und der Haarfollikel). Mit einem bis zur Rotglut erhitzten Brenneisen wird den Tieren ein schmerzhaftes Brandmal aufgedrückt. Dadurch werden große Narben künstlich herbeigeführt, die sich von der gesunden Haut abheben und lebenslang sichtbar sind.

Das neue Motiv „Fühl dich wie ein Pferd“, das eine Frau zeigt, die das Hannoveraner-Pferdebrandzeichen auf der linken Schulter trägt, sowie weitere Informationen finden Sie hier: www.tierschutzbund.de/schenkelbrand.html

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Sag NEIN zu grausamen Tierversuchen für Kosmetik. Start einer EU-weiten Kampagne

Dienstag, 18. Januar 2011

Das Ende der Tierversuche für Kosmetik ist bedroht. Ab 2013 soll die letzte Stufe des Vermarktungsverbots für in Tierversuchen getestete Kosmetika in Kraft treten, doch die Europäische Kommission will diesen Termin verschieben. Dies würde weltweit den Tod zigtausender Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten und Mäusen in den Labors der Kosmetikindustrie und ihrer Zulieferer bedeuten. Der Deutsche Tierschutzbund, der Bundesverband Menschen für Tierrechte und die Ärzte gegen Tierversuche starten daher heute zusammen mit ihren europäischen Partnern in der Europäischen Koalition zur Beendigung der Tierversuche (European Coalition to End Animal Experiments, ECEAE) eine EU-weite Kampagne und rufen die Bürgerinnen und Bürger auf, die Petition „Nein zu Tierqual-Kosmetik“ zu unterstützen, die dann öffentlichkeitswirksam den Entscheidungsträgern übergeben werden soll. Die Petition ist über die Webseiten der drei Verbände erreichbar.

Ab 2013 sollten in der EU auch solche Kosmetika nicht mehr verkauft werden dürfen, die außerhalb der EU im Tierversuch getestet wurden. Doch dieser Termin soll jetzt mit der Begründung, dass tierversuchsfreie Prüfmethoden nicht rechtzeitig entwickelt und anerkannt seien, gekippt werden. „Tierversuche für Kosmetik sind jedoch überflüssig, aus ethischer Sicht indiskutabel, und sie werden von den EU-Bürgern kategorisch abgelehnt. Daher müssen diese Versuche verhindert werden, egal ob es andere Testmethoden gibt oder nicht“, so Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Ein wissenschaftlicher Bericht, den die Europäische Kommission in Auftrag gegeben hat, resümiert, dass es noch mindestens weitere zehn Jahre braucht, bis die letzten Tierversuche mit anderen Methoden ersetzt werden können. „Wir sind es leid, dass die Anwendung von tierversuchfreien Methoden so schleppend vorangeht. Sie müssen wissenschaftliche und bürokratische Hürden überwinden, die Tierversuche nie meistern mussten. Ohne unseren Protest müsste man auf den Sanktnimmerleinstag warten, bis Tierversuche abgeschafft sind“, erläutert Christiane Baumgartl-Simons vom Bundesverband Menschen für Tierrechte.

„Die Entscheidungsträger müssen den Aufschrei in der EU spüren. Wir wollen keine Kosmetikartikel in den Regalen, an denen noch Blut klebt. Wir brauchen Ihre Stimme. Sagen auch Sie Nein zu Tierqual-Kosmetik“, appelliert Corina Gericke von den Ärzten gegen Tierversuche abschließend.

Seit Jahrzehnten beweist der Deutsche Tierschutzbund mit seiner Kosmetik-Positivliste, dass auch ohne Tierversuche hochwertige und innovative Kosmetika hergestellt werden können. Als weltweit erste Organisation hat er in den 80er Jahren eine Liste mit Firmen für Kosmetika erstellt, die seit 1979 tierversuchsfrei sind.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

NABU: Erneut Wolf in der Lausitz überfahren

Dienstag, 18. Januar 2011

Verlust trifft Rudel schwer – Wolfsfamilie ohne Vater

Am Sonntagabend wurde ein Wolfsrüde in der Nähe von Senftenberg in der Oberlausitz bei einem Verkehrsunfall getötet. Es handelt sich um den Vater des sogenannten Milkeler Rudels, „Rolf“ genannt. Damit ist das Rudel faktisch aufgelöst. Menschen kamen bei dem Unfall nicht zu schaden.

Besonders schwer wiegt, dass erneut ein Elterntier zu Tode gekommen ist. Wölfe leben im monogamen Familienverband. Sollte kein neues Männchen die Vaterrolle übernehmen, wird dieses Rudel zerfallen. Eine ähnliche Situation besteht derzeit im ehemaligen Welzower Rudel, nachdem im vergangenen November auch hier der Vater überfahren wurde. In beiden Rudeln besteht akuter Bedarf an wölfischen Junggesellen. Für das Weibchen des Milkeler Rudels kann die Suche nach einem neuen Männchen knapp werden. In wenigen Wochen, vielleicht schon Tagen, beginnt die Paarungszeit, in der sie eigentlich mit „Rolf“ neue Welpen gezeugt hätte. Es ist sehr fraglich, ob sich so rasch ein neues Männchen für das Rudel einfinden kann.

Seit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland wurden in sechs Jahren zwölf Tiere durch Verkehrsunfälle getötet. Damit ist in diesem Winter die Anzahl der deutschen Wolfsrudel von sieben auf fünf gefallen. Auch wenn eine Chance besteht, dass die Lücken durch noch ungebundene Männchen ersetzt werden, gibt es dafür keine Garantie. „Dieser hohe Blutzoll zeigt deutlich, wie weit der vom Aussterben bedrohte Wolf von einem gesicherten Bestand entfernt ist“, sagte NABU-Wolfsexperte Markus Bathen.

Die Rückkehr des einst ausgerotteten Wolfes nach Deutschland gehört zu einer der großen Erfolgsgeschichten im Naturschutz. Die immer noch fünf Rudel belegen, dass Wölfe nicht zwingend an ein Leben in der Wildnis gebunden sind, sondern auch die vom Menschen modern genutzte Kulturlandschaft Mitteleuropas ein geeigneter Lebensraum ist. „Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen wurde nun schmerzlich bewusst, dass Wölfe auch einen hohen Preis für das Leben in der Kulturlandschaft zahlen müssen. Ihre gut ausgeprägten Sinne schützen sie nicht vollständig vor den Gefahren des Straßenverkehrs. Der fordert unter Wölfen wie unter allen Wildtieren seine Opfer“, so Bathen.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

System der Tierproduktion muss hinterfragt werden?

Donnerstag, 13. Januar 2011

Ein auf Profit und billige Ware ausgerichtetes System der Tierproduktion ist anfällig für kriminelle Machenschaften. Diese sind dann nur noch schwer unter Kontrolle zu bringen, wie die aktuelle Entwicklung im Dioxinskandal zeigt. Die Folge: Verbraucher sind verunsichert und die Tiere werden zu Abfall deklariert und vernichtet. Der Deutsche Tierschutzbund fordert eine Umkehr in der Lebensmittelproduktion und einen Umgang mit Tieren, für den die Gesellschaft sich nicht mehr schämen muss. Hintergrund dafür ist die aktuelle angeordnete Tötung von Schweinen: Werden Tiere getötet, weil der Dioxingehalt im Fleisch die Grenzwerte überschreitet, ist das ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, stellen die Tierschützer fest.

Laut Tierschutzgesetz darf kein Wirbeltier in Deutschland ohne vernünftigen Grund getötet werden. Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, dazu: „Die Tiere sind nicht akut krank, sie könnten trotz der Dioxinbelastung weiterleben. Der vernünftige Grund einer Tötung, nämlich die Nahrungsgewinnung, ist nicht gegeben.“ Der Deutsche Tierschutzbund appelliert an die zuständigen Behörden, Tiertötungen nicht als Schnellschüsse zu missbrauchen, um Sicherheit für die Verbraucher vorzutäuschen. Der Verband weist auch auf ein weiteres Problem in der Massentierhaltung hin: Wenn Betriebe gesperrt sind, die Tiere aber schlachtreif wären, kann das mit erheblichen Tierschutzproblemen verbunden sein. Schweine haben in der industriellen Mast ein sehr begrenztes Platzangebot, sie nehmen täglich an Gewicht zu, so dass eine Verlängerung der Mast, weil der Betrieb gesperrt ist, für sie eine weitere Einschränkung der Bewegungsmöglichkeiten bedeutet. Damit werden die ohnehin schon katastrophalen Haltungsbedingungen zusätzlich verschlimmert.

Der Deutsche Tierschutzbund hält eine Abkehr von der immer stärker werdenden Industrialisierung der Tierhaltung in der Landwirtschaft für unausweichlich. „Wir befinden uns auf einem agrarpolitischen Irrweg. Tausende von Betrieben in Deutschland werden von einem Verursacher geschädigt, wie in diesem Fall. Diese Industrialisierung birgt immer die Gefahr eines Flächenbrandes, weil sich die Folgen von gesundheitsschädlichen Belastungen oder auch Seuchen katapultartig zu Lasten von Mensch und Tier ausbreiten. Eine regional ausgerichtete Landwirtschaft als Kreislaufwirtschaft würde mehr Sicherheit schaffen und Mensch und Tier besser schützen“, bilanziert Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Und richtet den Blick auch auf den Verbraucher: „Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, dass das billige Fleisch jeden Tag mit artgerechter Haltung in Einklang zu bringen ist“, so Apel weiter.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Dioxinskandal: derzeitiges System erleichtert Betrug zu Lasten von Mensch und Tier

Mittwoch, 5. Januar 2011

Der Dioxinskandal beunruhigt auch den Deutschen Tierschutzbund. Für den Verband belegt der Skandal erneut: Verbraucherschutz geht nur mit Tierschutz. Europas größte Tier- und Naturschutzorganisation fordert zudem Konsequenzen. Neben der Bestrafung der Schuldigen muss dringend die Transparenz der Verarbeitungskette von Anfang bis zum Ende erhöht werden. Denn offenbar fehlt es u.a. an den gesetzlichen Vorgaben für eine transparente Kennzeichnung.

Auch wenn in diesem Fall das Dioxin durch Stichproben entdeckt wurde: Festzuhalten bleibt, dass die Kennzeichnungen nicht eindeutig genug sind. Es muss von Beginn der Verarbeitungskette an detailliert geschildert werden, was genau verwendet und verarbeitet wurde. Allgemeinplätze wie „Fette“ und „Öle“ reichen nicht, stellt der Deutsche Tierschutzbund fest. Zudem müssen die Kontrollen ausgeweitet werden, das dürfe nicht an Kosten scheitern, mit denen oft flächendeckende Proben abgelehnt werden und lediglich auf Stichproben ausgewichen wird.

„Hier muss das Verursacherprinzip angewendet werden: Wer was herstellt und liefert, muss detailliert sagen, was drin ist“, fordert Thomas Schröder, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes. Und: „Die Täter gehören bestraft, aber es muss auch klar sein, dass das derzeitige System als Mittäter anzusehen ist, weil es Betrug Tür und Tor öffnet.“

Die Strukturen sind anfällig, stellt Schröder zudem fest. Die Ausrichtung auf eine agrarindustrielle Landwirtschaft führt schnell zu einem Flächenbrand, wie wir ihn jetzt erleben. Tausende von Betrieben in ganz Deutschland werden geschädigt, wenn es in einem einzigen Futtermittel-Unternehmen zu Fehlern kommt. Eine regional ausgerichtete Landwirtschaft als Kreislaufwirtschaft würde mehr Sicherheit schaffen und Mensch und Tier besser schützen. „Der Dioxinskandal belegt erneut, wie wichtig ein neues Denken und Handeln ist. Nachhaltiger Verbraucherschutz geht nur mit Tierschutz“, so Schröder.

Darüber hinaus erinnert der Verband an das mit dem Skandal verbundene Leid für die Tiere. Mehrere Tausend mit dioxinhaltigem Futter ernährte Hennen wurden bereits getötet. Die Behörden sind gefordert, um unnötige Tötungen von Tieren auf den gesperrten Höfen zu verhindern. Aus ethischer Sicht sind das Töten gesunder Tiere und ihre Deklaration zu Sondermüll absolut abzulehnen.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

Haifisch, Tiger & Co: Gewinner und Verlierer 2010

Dienstag, 28. Dezember 2010

Menschenverursachtes Artensterben schreitet auch 2010 ungebremst voran. Grund zur Hoffnung: Staatengemeinschaft setzt sich ehrgeizige Ziele

Der WWF zieht unter Artenschutzgesichtspunkten eine durchwachsene Jahresbilanz. Zwar hielt das massive, vom Menschen verursachte Artensterben auch 2010 weiter an, doch immerhin hat die UN-Konferenz zum Erhalt der biologischen Vielfalt (CBD) im Oktober dieses Jahres Blockaden für den internationalen Naturschutz aus dem Weg geräumt. “Wir sind auf der UN-Konferenz einen wichtigen Schritt vorangekommen. Es sind ehrgeizige Ziele formuliert worden”, erklärt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland, anlässlich des anstehenden Jahreswechsels. So sollen vermehrt Schutzgebiete an Land und auf hoher See ausgewiesen werden. Außerdem hat man sich darauf geeinigt, Subventionen, die eine Verringerung der Artenvielfalt zur Folge haben bis 2020 abzubauen, zu reformieren oder zu beenden. “Biodiversität ist ein Wirtschaftsfaktor und deren Erhalt wird immer mehr zu einem Garant für langfristigen, ökonomischen Erfolg”, sagte Brandes. “Unternehmen erkennen in zunehmendem Maße, dass eine intakte biologische Vielfalt ökonomische Leistung erbringt. Das ist ein erster, wichtiger Schritt in die richtige Richtung.” Hauptursachen für den anhaltenden Verlust biologischer Vielfalt weltweit sind Lebensraumzerstörung, Klimawandel, Wilderei und Übernutzung. Die von Menschen verursachte Aussterberate liegt laut WWF mindestens hundertmal höher als der natürliche Artenschwund. Und während sich etwa die Lage von Nashorn, Hai oder Schuppentier 2010 weiter verschlechtert hat, können Tierarten wie Tiger, Wolf und Dorsch immerhin optimistischer in die Zukunft blicken.

Die Verlierer 2010

Nashorn – Allein bis September 2010 hat Südafrika nach WWF-Angaben mehr als 230 Nashörner durch Wilderei verloren. Damit wird in dem Land durchschnittlich alle 30 Stunden ein Breit- oder Spitzmaulnashorn getötet. Nur in den 1970er Jahren habe die Wilderei ein ähnlich erschreckendes Ausmaß erreicht. “Die Hörner gehen vor allem nach Asien, wo sie in geriebener Form als dubiose Heilmittel eingesetzt werden”, sagt WWF-Artenschutzexperte Stefan Ziegler. Dementsprechend ist auch die Lage der asiatischen Nashörner extrem kritisch. So wurde im April im vietnamesischen Cat Tien Nationalpark ein totes Java-Nashorn entdeckt. Das Tier wurde vermutlich von Wilderern erschossen. Es ist anzunehmen, dass damit das letzte Java-Nashorn in Vietnam getötet wurde.

Hai, Tunfisch und Koralle – Keine internationalen Handelsverbote für Rote Koralle, Blauflossentunfisch und diverse Hai-Arten. Die Politik hätte auf der Artenschutzkonferenz in Doha im März 2010 die Gelegenheit gehabt, die Artenvielfalt der Meere besser zu schützen, doch die Anträge wurden allesamt abgelehnt. So darf der Blauflossenthunfisch weiterhin als Sushi-Delikatesse auf dem japanischen Markt enden – obwohl die Population um bis zu 85 Prozent eingebrochen ist. Ähnlich dramatisch die Situation von Weißspitzen-Hochseehai und Hammerhai: Die Flossen dieser Fische landen noch immer in der Suppenschüssel. Die Rote Koralle wird weiterhin Bestandteile von Medizin- und Schmuckprodukten sein.

Schuppentier – Die Summe der gewilderten Schuppentiere in Asien binnen eines Jahres dürfte in die hunderttausende gehen, befürchtet der WWF. Nach einem im Oktober 2010 veröffentlichten Report wurden allein für ein einziges Schmuggler-Syndikat auf der Insel Borneo rund 22.000 Schuppentiere gewildert. Da es unzählige solcher Artenschmuggler gibt, sei die Dunkelziffer auch um ein vielfaches höher. Aus den Bestandteilen des Schuppentiers (auch Pangolin genannt) werden dubiose Heilmittel hergestellt. Die Population könne der maßlosen Gier durch kriminelle Syndikate auf Dauer nicht standhalten, so der WWF.

Wale – Das Jahr 2010 brachte erneut keinen Konsens in Sachen Walfang und -schutz. Die Verhandlungen über einen Kompromissvorschlag zum Fang auf Großwalarten bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im Juni führten zu keinem Ergebnis. “Ein Kompromiss, der den bestehenden Walfang unter die Kontrolle durch die IWC stellt, wäre klar vonnöten gewesen” sagte Volker Homes, Leiter WWF-Artenschutz. “Bedrohte Arten wie Finn- und Seiwal bleiben trotz Moratorium weiter auf der Abschussliste der Walfangnation Japan.”

Die Gewinner 2010

Tiger – Nach WWF-Schätzungen leben weltweit nur noch rund 3.200 Tiger in freier Wildbahn. Der Druck durch Wilderei und Lebensraumzerstörung auf die Art ist unvermindert hoch, doch nach dem “Jahr des Tigers 2010″ kann die Großkatze hoffnungsvoller in die Zukunft blicken. Vertreter aller dreizehn Tiger-Verbreitungsstaaten haben sich nämlich auf dem Tiger-Gipfel im November zu einem globalen Tiger-Rettungsplan bekannt. Auch auf das Ziel, die Bestandszahlen des Tigers bis 2022 zu verdoppeln, konnten sich die Politiker verständigen. Der WWF sprach von einem “historischen Moment für den Artenschutz”, mahnte zugleich “schnelle und konkrete Taten” an. Geberländer wie Deutschland und die USA, aber auch Institutionen wie die Weltbank, Privatpersonen wie Hollywoodstar Leonardo DiCaprio und Organisationen wie der WWF haben bereits finanzielle Zusagen getätigt. In der Amur-Region, wo sich der WWF seit 1993 gemeinsam mit seinen Partnern engagiert, sind die Bestandszahlen des Tigers seit vielen Jahren stabil. Nach Schätzungen durchstreifen dort rund 450 Exemplare die Wälder.

Wolf – Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland schreitet auch 2010 weiter voran. Im Sommer gelangen in der Lübtheener Heide dank einer WWF-Fotofalle Aufnahmen eines vermutlich männlichen Tieres. Und auch Bayern hat wieder einen Wolf. Seit mehreren Monaten durchstreift ein Rüde das österreichisch-bayerische Grenzgebiet. “Der Wolf besiedelt trotz mancher Rückschläge seine alte Heimat wieder”, freut sich WWF-Experte Janosch Arnold. Deutschlandweit gibt es nach Schätzung des WWF zwischen 60 und 75 Wölfe. Ein Großteil davon lebt in der sächsischen Lausitz. Aber auch aus anderen Regionen, wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, werden immer wieder Sichtungen gemeldet.

Dorsch – Innerhalb von nur drei Jahren ist der östliche Bestand des Dorsches in der Ostsee auf das Dreifache angewachsen. Die Gründe für die erfreuliche Entwicklung seien ein wirkungsvoller Wiederaufbauplan, eine Verkleinerung der Fangflotte sowie eine konsequente Eindämmung der illegalen Fischerei. Der positive Trend zeige, so der WWF, dass sich Fischbestände unter günstigen ökologischen Bedingungen und einem nachhaltigen Management wieder erholen können. Um diesen Erfolgstrend auch langfristig zu sichern, fordert der WWF die strikte Einhaltung des EU-Wiederaufbauplans auch für das kommende Jahr. “Die Fischereiminister müssen trotz der guten Prognosen für den Dorsch auch in den kommenden Jahren die Fangquoten mit Bedacht festlegen und den wissenschaftlichen Empfehlungen folgen” fordert Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF.

WWF World Wide Fund For Nature

Quelle: Offenes-Presseportal