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NABU warnt vor riskantem CCS-Einsatz in Entwicklungsländern

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Durban – Der NABU warnt Deutschland und die EU eindringlich davor, auf der UN-Klimakonferenz im südafrikanischen Durban einer Entscheidung zuzustimmen, die den Einsatz der CCS-Technologie zur unterirdischen Ablagerung von CO2 in Entwicklungsländern fördern würde. „Es kann nicht sein, dass wir in Deutschland auf CCS verzichten, um es dann unter deutlich schlechteren Sicherheitsstandards in Afrika und Asien zu fördern“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke. „Falls die völlig unausgereifte CCS-Technik jemals einen Beitrag zur Lösung der Klimaprobleme leisten kann, dann nur unter höchsten Sicherheitsanforderungen“, so Tschimpke.

Auf der Klimakonferenz in Durban wird derzeit verhandelt, ob CCS in den sogenannten Clean-Development-Mechanismus (CDM) aufgenommen werden soll. Wenn CCS-Projekte unter den CDM fallen, könnten westliche Industrieländer und Konzerne ihre Emissionsbilanz künftig aufbessern, indem sie in CCS-Projekte in Entwicklungsländern investieren. Der CO2-Ausstoß, der durch das CCS-Projekt in dem betreffenden Entwicklungsland vermeintlich vermieden wird, wird dem Investor gut geschrieben. „Der Profit geht in die Industrieländer, die Risiken bleiben in den Entwicklungsländern – auf diese zynische Art hat CCS im CDM nichts verloren“ kritisiert der NABU-Präsident. Damit CCS einen Beitrag zur Lösung der Klimaprobleme leisten kann, müssen zunächst Forschung und behutsame Erprobung vorangebracht werden – und zwar unter höchsten Sicherheitsanforderungen. „Die vorgeschlagenen Sicherheitsstandards für CCS-Projekte in armen Ländern sind absolut unzureichend. In Deutschland würden wir unter den Bedingungen niemals einer CO2-Ablagerung unter der Erde zustimmen“. Während die Industrieländer ihre Emissionsbilanz aufhübschen könnten, müssten die Entwicklungsländer über Jahrhunderte mit den noch völlig ungeklärten Haftungsrisiken durch das unter Hochdruck in den Untergrund gepresste Kohlendioxid leben.

Besonders beunruhigend ist, dass auf der Klimakonferenz in Durban vor allem die erdölfördernden Länder der OPEC für CCS im CDM kämpfen. Denn nach den vorgeschlagenen Regelungen soll das CO2 unter die Erde gepresst werden, um mehr Erdöl aus unterirdischen Lagerstätten fördern zu können. „Das CDM-Instrument soll eigentlich Klimaschutz und Entwicklungshilfe miteinander verbinden. Wenn dabei nun CCS eingesetzt wird, damit Saudi-Arabien und Dubai ihre Ölvorkommen besser ausbeuten können, ist das in jeder Hinsicht absurd“, kritisiert NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse, der in Durban die UN-Klimaverhandlungen verfolgt.

Quelle: NABU-Pressestelle

NABU protestiert gegen Luftverpestung durch Kreuzfahrtschiffe

Mittwoch, 24. August 2011

Porschke: Auch das Traumschiff „MS Deutschland“ ist ein Alptraum für die Umwelt

Mit einer Protestaktion am Hamburger Kreuzfahrtterminal hat der NABU seine Kampagne „Mir stinkts! Kreuzfahrtschiffe sauber machen!“ fortgesetzt. Vor dem dort ankernden „Traumschiff“ MS Deutschland protestierten Umweltschützer mit Atemschutzmasken und einem plakativ rauchenden Schiffsschornstein dagegen, dass auch das bekannteste deutsche Kreuzfahrtschiff auf hoher See mit giftigem Schweröl fährt und ohne Rußpartikelfilter die Umwelt verpestet.

„Die MS Deutschland ist Symbol für den Traumurlaub auf See – aber die Abgase des Ozeanriesen sind ein Alptraum für die Umwelt“, sagte Alexander Porschke, Vorsitzender des NABU Hamburg. Denn zur Gewinnmaximierung würden Kreuzfahrtreeder wie Deilmann, zu der die MS Deutschland gehört, aber auch stark wachsende Kreuzfahrtanbieter wie AIDA und TUI Cruises nicht etwa mit vergleichsweise sauberem Schiffsdiesel fahren, sondern mit dem billigsten und giftigsten aller Treibstoffe, nämlich Schweröl. Während Pkw-Diesel nur einen Schwefelgehalt von 0.001 Prozent enthalten darf, dürfen Luxusliner wie AIDA Luna, Mein Schiff, sowie die MS Deutschland mit Schweröl fahren, das einen Schwefelanteil von bis zu 4.5 Prozent hat – also dem 4.500fachen dessen, was an Land erlaubt ist.

„Es ist eine Irreführung der Kunden, wenn etwa die Deilmann-Reederei auf ihrer Internetseite den „Respekt vor der Natur“ betont, ihre Schiffe aber tatsächlich mit giftigem Schweröl fahren und keinerlei System zur Abgasnachbehandlung haben“, kritisiert NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger. Der hohe Schwefelanteil des Schweröls und fehlende Rußfilter führen dazu, dass etwa die MS Deutschland auf großer Fahrt nicht nur das Klima schädigt, sondern auch die Gesundheit der Menschen gefährdet.

Tatsächlich ist die Schifffahrt in Europa mittlerweile der größte Verursacher von Schwefelemissionen. „Die Kreuzfahrtschiffe verbergen ihr zum Himmel stinkendes Umweltproblem hinter ihrer strahlend weißen Fassade. Mit dem Animationsfilm „Schwarze Brise“ zeigen wir die traurige Wirklichkeit“, erklärt Oeliger. Der Film illustriert drastisch: Ein einziges Kreuzfahrtsschiff stößt so viele Schadstoffe aus, wie 5 Millionen Autos.

Der NABU fordert die Reedereien auf, ab sofort auf die Verwendung von Schweröl zu verzichten. Insbesondere nördlich des 40. Breitengrades ist diese Maßnahme dringend nötig, denn die Auswirkungen der Rußpartikel auf das Arktis- und Grönlandeis sind besonders gravierend und verstärken das fatale Abschmelzen des Eises. Zugleich müssten alle neugebauten Kreuzfahrtschiffe mit einem Rußpartikelfilter ausgestattet werden, fordert der NABU.

Quelle: Naturschutzbund Deutschland e.V.

Tausende Hobbygärtner schaffen GARTENrotschwanzOASEN

Freitag, 5. August 2011

Natürliches Gärtnern ohne Gift liegt voll im Trend

Große Resonanz für den „Vogel des Jahres” des NABU: Mehr als 2000 Hobbygärtner beteiligten sich an der Aktion „GARTENrotschwanzOASEN“, die der NABU Ende Februar 2011 startete. „Immer mehr Menschen verwandeln ihren Kleingarten in eine echte Oase der Artenvielfalt. Die NABU-Aktion ist ein voller Erfolg!“, freut sich NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Von den Teilnehmern haben 1501 Personen einen Privat- oder Hausgarten, 157 Personen verschönern ihren Schrebergarten und 96 gestalten ihre Streuobstwiese zu einer Oase der Artenvielfalt. Den Gartenrotschwanz haben 43 Prozent der Teilnehmer in ihren Gärten gesichtet. Dicht dahinter liegt der Hausrotschwanz mit 42 Prozent. „Kleingärten sind heute beliebter denn je“, stellt der NABU-Präsident fest. „Viele Menschen zieht es wieder in den heimischen Garten und mit einfachen Handreichungen lassen sie sich zu wahren Refugien der biologischen Vielfalt entwickeln“, so Tschimpke.

In den grünen Oasen der Städte werden viele fast ausgestorbene Raritäten von Pflanzen und Tieren erhalten. „Alte Apfelsorten wie ‚Kaiser Wilhelm‘ und ‚Goldparmäne‘, Kartoffelsorten ‚Adretta‘ und ‚Linda‘ haben hier wichtige Refugien“, erklärt NABU-Biodiversitätsexperte Alexander von Schilling. Der Wandel des Kleingartens vom Nahrungslieferanten zum Erholungsort, besonders für junge Familien, macht diese blühenden Oasen möglich. Und solche giftfrei bewirtschafteten, strukturreichen Kleingartenanlagen mit altem Baumbestand sind nicht nur für den „Vogel des Jahres“ wichtig, auch viele anderen historischen Kulturarten brauchen eine lebendige Kleingartenkultur.

In diesem Interesse fordert der NABU ein Verbot des Unkrautkillers Roundup für Haus- und Kleingärten sowie ein Umdenken bei der Gestaltung und Bewirtschaftung von Gärten und Parks. „Wir sollten auf sterile Rasenflächen, fremdländische Gehölze und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichten, zugunsten der heimischen Vielfalt an Pflanzen und Tieren“, appelliert Olaf Tschimpke.

Die Teilnahme am NABU-Wettbewerb ist noch bis 31. August 2011 möglich.

Quelle: Naturschutzbund Deutschland e.V.

Tansania baut keine asphaltierte Straße durch die Serengeti

Sonntag, 26. Juni 2011

Auf der derzeit in Paris tagenden UNESCO-Konferenz hat sich die tansanische Regierung gegen den Bau einer asphaltierten Straße durch die Serengeti ausgesprochen. Ezekiel Maige, Minister für natürliche Ressourcen und Tourismus, bestätigte heute, dass die bestehende unbefestigte Straße für Touristen und die Parkverwaltung im Norden der Serengeti belassen wird wie sie ist. Straßen, die außerhalb des Parks zu den Bezirkshauptstädten führen, sollen dagegen ausgebaut werden. Die NABU International Naturschutzstiftung begrüßt diese Entscheidung und gratuliert dem tansanischen Präsidenten Kikwete. Eine
55 Kilometer lange asphaltierten Straße mitten durch das UNESCO-Weltnaturerbegebiet, um die Infrastruktur Tansanias zu verbessern, hätte auf die weltberühmten Massentierwanderungen fatale Folgen gehabt.

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel, verkündete Anfang diesen Jahres, dass Deutschland bereit wäre, eine Studie über alternative Möglichkeiten der Verkehrsanbindungen zu finanzieren, die die Serengeti verschonen. Er bekräftigte die Bereitschaft zur einer gemeinschaftlichen Finanzierung einer Machbarkeitsstudie für eine Südumfahrung des Nationalparks. Diese Entscheidung sei getroffen worden, um die zunehmenden sozio-ökonomischen Bedürfnisse der ländlichen Gemeinden im Norden Tansanias zu befriedigen und gleichzeitig den außergewöhnlichen universellen Wert des Serengeti-Nationalparks zu erhalten.

In ihrem Schreiben an die Weltnaturerbekommission erklärt die tansanische Regierung zum ersten Mal ihre Bereitschaft, eine südliche Umgehungstrasse ernsthaft in Erwägung zu ziehen. „Jetzt kommt es auf internationale Geldgeber an dieses Potential zu verwirklichen“, sagt NABU-International-Artenschutzexpertin Dr. Barbara Maas.

„Die Baupläne einer Asphaltstraße aufzugeben ist ein begrüßenswerter Schritt in die richtige Richtung“, sagte der Vorsitzende der NABU International Naturschutzstiftung, Thomas Tennhardt. „Um eine nachhaltige und langfristige Lösung zu gewährleisten, plädieren auch wir für den Bau der südlichen Umgehung der Serengeti. Neben geringeren negativen Auswirkungen auf die Tierwelt wäre dies auch von großem Nutzen für lokale Gemeinden.“

Der Serengeti-Nationalpark ist das größte geschützte Grasland- und Savannenökosystem der Welt und Schauplatz alljährlich stattfindender, riesiger Massentierwanderungen. Neben zwei Millionen Huftieren beherbergt das Gebiet das größte Raubtiervorkommen der Erde und mehr als 450 Vogelarten.

Quelle: Naturschutzbund Deutschland e.V.

Welttag der Ozeane: Den Weltmeeren und vielen Fischarten geht es immer schlechter

Mittwoch, 8. Juni 2011

NABU: Politische Ignoranz fördert Überfischung, Verschmutzung und Klimawandel

„Verschmutzung, Überfischung und Klimawandel – die Weltmeere sind zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Dagegen muss die Politik endlich einen gesetzlichen Rahmen zum Schutz der Meeresökosysteme festlegen“, fordert NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Zum „Welttag der Ozeane“ am Mittwoch ruft der NABU dazu auf, die Meere weltweit besser zu schützen und ihnen gesellschaftlich und politisch eine höhere Priorität einzuräumen. In den letzten 28 Jahren mussten bereits mehr als 300 Meeresgebiete für tot erklärt werden, die Hälfte aller Korallenriffe ist bereits verloren oder im Verfall.

Besonders besorgniserregend sind die Folgen der Überfischung. Pro Jahr verbrauchen wir weltweit 90 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte. Das hat bereits zum Kollaps zahlreicher kommerziell genutzter Fischbestände wie Hai, Schwertfisch und Thunfisch geführt. Doch die Nachfrage steigt immer weiter, auf schätzungsweise 127 Tonnen bis zum Jahr 2030. Eine weitere Bedrohung ist die zunehmende Vermüllung der Meere. Nach Schätzungen des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) landen jedes Jahr mehr als 6,4 Millionen Tonnen Abfälle im Meer. Vor allem Plastikmüll hat direkte Auswirkungen auf mehr als 260 marine Arten. Häufig verfangen sich Delfine, Meeresschildkröten und Fische in alten Netzen und Langleinen und verenden qualvoll.

„Wir wissen, dass die Ressourcen der Meere nicht unerschöpflich sind. Dennoch wird Industrie und Wirtschaft oft der Vorrang vor dem Meeresschutz gegeben, selbst auf Kosten zahlreicher Tierarten“, kritisiert Tschimpke. Doch die Menschheit braucht die Meere dringend: Die Ozeane bedecken mehr als 70 Prozent der Erdoberfläche, sie beinhalten über 96 Prozent unseres Wassers und produzieren mehr als 70 Prozent des Sauerstoffs.

Der NABU engagiert sich weltweit für den Meeresschutz. So setzt sich die NABU International Naturschutzstiftung seit 2009 für die Hector- und Maui-Delfine vor der Küste Neuseelands ein, die durch die Fischerei bereits an den Rand des Aussterbens gedrängt wurden. Es gibt nur noch wenige Hundert Tiere und sie würden durch den geplanten Bau stromfördernder Turbinen aus ihrem letzten Lebensraum verdrängt werden. Ähnlich gefährdet sind in Deutschland die Schweinswale, wenn Offshore-Windkraftanlagen ohne Schutz gegen Unterwasserlärm in den Meeresboden gerammt werden. Gegen die weitere Vermüllung der Meere kämpft das NABU-Projekt „Fishing for Litter“, bei dem Fischern die Möglichkeit gegeben wird, ihren oftmals reichhaltigen Beifang in Form von Müll zu entsorgen.

Der NABU drängt auf die konkrete Umsetzung der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, die 2008 beschlossen wurde, um die europäischen Meere bis 2020 in einen guten Umweltzustand zu versetzen oder diesen zu erhalten. Derzeit wird der Gesetzentwurf in den Mitgliedsstaaten rechtlich eingebettet. Der NABU begleitet den Prozess, um einen größtmöglichen politischen Schutz für die Meere zu erwirken.

Quelle: Naturschutzbund Deutschland e.V.

Greenpeace: CCS-Gesetz zieht Bundesländer über den Tisch

Dienstag, 10. Mai 2011

CO2-Endlager unter dem Meer machen Länderausschlussklausel wertlos

Mögliche CO2-Endlager unter der Nordsee könnten das Grundwasser der Küsten-Länder verunreinigen, auch wenn eine CO2-Verpressung auf ihrem Gebiet ausgeschlossen wurde. Darauf weist Greenpeace im Rahmen des aktuellen Gesetzgebungsverfahrens für die CCS-Technologie hin. Greenpeace fordert daher die Landesregierungen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein auf, das CCS-Gesetz der Bundesregierung abzulehnen.

“Von den CO2-Verpressungen unter dem Meer könnten viele Menschen direkt betroffen sein – aber das wird bewusst nicht an die große Glocke gehängt”, sagt Greenpeace-Energieexpertin Anike Peters. “Die Bundesländer dürfen sich nicht von der Bundesregierung über den Tisch ziehen lassen”. Küstennahes Grundwasser in Gefahr – trotz Länderausstiegsklausel

Da es in der Bevölkerung starken Widerstand gegen die unterirdische Verpressung des Klimagases CO2 gibt, wollen Bundesländer wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein CO2-Endlager unter ihrem Gebiet vollständig ausschließen. Doch der aktuelle Gesetzentwurf der Bundesregierung beinhaltet die Möglichkeit, vor den Küsten ohne Ländermitsprache CO2-Endlager einzurichten. So sollen die Bundesländer außerhalb einer 20-Kilometer-Zone, der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone AWZ, kein Mitspracherecht erhalten. Durch den hohen Druck der CO2-Verpressung findet im Umkreis von bis zu 50 Kilometern eine Druckerhöhung statt. Dies birgt die Gefahr, dass salziges Wasser aus den Hohlräumen der Lagerstätten verdrängt wird und das Grundwasser verunreinigt.

Besonders problematisch bei CO2-Endlagern unter dem Meer ist die Überwachung der Lagerstätten. Das sogenannte “Monitoring” unter dem Meeresboden und die Beseitigung eventueller Leckagen sind weitaus komplizierter als an Land. Kommt es zu Leckagen, stellt das CO2 eine Gefährdung der Meeresumwelt dar. Das Meerwasser könnte versauern und durch die im verpressten CO2 enthaltenen Giftstoffe wie Quecksilber und Blei verunreinigt werden.

Greenpeace fordert von der Bundesregierung ein komplettes Verbot der CCS-Technologie in Deutschland – an Land oder unter der See. Neben der Gefahr für das Grundwasser birgt CCS weitere unkalkulierbare Risiken. Das CO2 könnte langfristig wieder an die Oberfläche kommen und den Klimawandel vorantreiben. Außerdem wäre CCS erst 2030 großflächig einsetzbar – für den Klimaschutz viel zu spät. “Es gibt keinerlei rechtliche Notwendigkeit, in Deutschland ein Pro-CCS-Gesetz zu erlassen.” Nach Artikel 4 Absatz 1 Satz 2 der europäischen CCS-Richtlinie haben alle EU-Mitgliedstaaten das Recht, “keinerlei Speicherung auf Teilen oder auf der Gesamtheit ihres Hoheitsgebietes zuzulassen”.

“Der Ausschluss der CO2-Endlagerung in Deutschland wäre ein wegweisender Schritt für eine zukunftsfähige Energieversorgung – ohne ökologische und wirtschaftliche Altlasten für zukünftige Generationen”, sagt Peters.

Quelle: Offenes-Presseportal

NABU: Tschernobyl und Fukushima zeigen wahre Kosten der Atomkraft

Donnerstag, 21. April 2011

Tschimpke: Bundesregierung muss versteckte Belastung der Steuerzahler offenlegen

25 Jahre nach dem Atom-GAU in Tschernobyl blickt die Welt gebannt auf den zweiten Größten Anzunehmenden Unfall in Japan. Auch wenn das ganze Ausmaß der Katastrophe dort noch nicht klar ist, so ist bereits sicher: Die Schäden für Mensch und Natur kosten Unsummen. „Die Atomkraft schaufelt der Welt ein Milliardengrab“, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke zum 25. Jahrestag des von Tschernobyl. „Auch der deutsche Steuerzahler ist davon betroffen, und zwar im Inland wie im Ausland.“ So hat diese Woche eine internationale Geberkonferenz weitere 550 Millionen Euro für die Folgen der Reaktorexplosion in der heutigen Ukraine zur Verfügung gestellt, Deutschland zahlt davon 42 Millionen Euro. Insgesamt werden sich die Kosten allein für den Bau eines zweiten Sarkophags zur Sicherung der Reaktorruine auf mindestens 1,6 Milliarden Euro belaufen.

„Auch hierzulande tragen die Bundesregierung und die Atomkonzerne in der Debatte um die dringend nötige Energiewende ein unerträgliches Gemauschel auf dem Rücken der Steuerzahler über die Folgekosten der Atomkraft aus“, kritisiert Tschimpke. So werden beispielsweise die Aufwendungen für die Lagerung der hochradioaktiven Abfälle der Gesellschaft aufgebürdet und tauchen nicht in den Konzernbilanzen auf. „Die Bundesregierung muss diese Geldvernichtung beenden und die wahren Kosten der Atomenergie beziffern – dann zeigt sich ganz klar, dass Wind- und Wasserkraft heute schon wesentlich günstiger als Atomstrom sind“, erklärt der NABU-Präsident.

Zumal zu den volkswirtschaftlichen Kosten der Hochrisikotechnologie Atomkraft auch noch die gravierenden Gefahren für Leib und Leben von Menschen und die Natur kommen. In der Ukraine und Weißrussland leidet nun schon die dritte Generation unter der Verseuchung riesiger Landstriche mit Radioaktivität. In Japan werden Millionen Menschen für viele, viele Jahre von der Verstrahlung der Häuser, Äcker und landwirtschaftlichen Produkte betroffen sein, mahnt der NABU. „Aber auch ohne GAU sind die Kosten immens und Generationen deutscher Steuerzahler werden für den Rückbau der Atomkraftwerke sowie die Lagerung des Atommülls zahlen“, erklärt Tschimpke. „Es ist höchste Zeit der unverantwortlichen Atomkraft ein ehrliches Preisschild zu verpassen.“

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NABU erinnert an die Katastrophe im Golf von Mexiko und fordert Stopp der Ölförderung im Wattenmeer

Dienstag, 19. April 2011

Im Schatten der Atomkatastrophe in Japan jährt sich eine andere, fast vergessene Katastrophe zum ersten Mal – der Untergang der Ölförderanlage „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko. Am 20. April 2010 tötete eine riesige Explosion elf Arbeiter, dann strömten 780 Millionen Liter giftiges Rohöl aus und verseuchten das Naturparadies an der Südküste der USA. Noch heute leidet die ganze Region, viele Menschen blicken in eine traurige Zukunft und die Tier- und Pflanzenwelt stirbt weiter.

Im Gegensatz zu den Behauptungen des für die Katastrophe verantwortlichen Konzerns BP, sind die Folgen des ausgeströmten Öls noch immer verheerend. Wissenschaftler der Universität von Georgia dokumentierten zentimeterdicke Ölablagerungen am Meeresboden, die alles Leben ersticken. Welche Wirkung die gefährlichen Inhaltsstoffe und Abbauprodukte des Öls, sowie die massenhaft eingesetzten Dispersionsmittel in dem komplexen marinen Nahrungsnetz entfalten, ist noch nicht bekannt. Es gibt Informationen über tote Korallenriffe und dezimierte Fischpopulationen. Experten warnen wegen der erhöhten Belastung mit Kohlenwasserstoff noch immer vor dem Verzehr von Austern und Shrimps. Kürzlich meldete das Institut für Meeressäugetiere in Gulfport (Louisiana), dass in der Unglücksregion zehnmal mehr tote Delfinbabys als üblich gefunden wurden – eben jene Generation, die im Frühjahr 2010 gezeugt wurde und nun das Licht der Welt erblicken sollte. Und fast die Hälfte der Menschen in der Region leidet laut Umfragen an Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Hautreizungen und Depressionen – zumal Entschädigungszahlungen von BP auf sich warten lassen und viele Existenzen in der Fischerei und im Tourismus für immer zerstört sind. Gleichwohl meldeten US-Medien nun, dass BP ab dem Sommer wieder Öl im Golf von Mexiko fördern darf.

Hat wenigstens Europa daraus gelernt? „Entgegen aller Vernunft geht die riskante Ölförderung auf See weiter. Aus Profitgier setzen Internationale Konzerne die Zukunft ganzer Ökosysteme aufs Spiel und gefährden Menschen wie die Umwelt, kritisiert NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Auch im deutschen Wattenmeer wird weiter Öl gefördert. Obwohl die Fördermenge in den letzten Jahren um 30 Prozent zurückgegangen ist und weniger als zwei Prozent des deutschen Ölverbrauchs ausmacht, hält die RWE DEA AG an der riskanten Produktion im Nationalpark fest. Auch wenn die Technik der Bohrinsel „Mittelplate A“ anders ist als die der „Deepwater Horizon“, gefährdet vor allem der sich verändernde Wattengrund eine sichere Erdölförderung. Ein Nordsee-Priel wandert auf die Plattform zu und könnten zu einem Absacken führen. Um dies zu verhindern wurden 80.000 Quadratmeter Wattenmeerboden mit Gestein, Beton und Mörtel versiegelt. „Dabei ist die natürliche Dynamik der Wasserläufe ein wesentliches Schutzziel im Nationalpark Wattenmeer. Dieser sogenannte Kolkschutz stellt einen inakzeptablen Eingriff in das Ökosystem dar und verursacht starke Störungen für die dort lebenden Tierarten“, erklärt NABU-Wattenmeerexperte Eric Neuling.

Dennoch wurde ohne öffentliche Beteiligung die Fördergenehmigung von „Mittelplate A“ für 30 weitere Jahre verlängert. Und nun soll es auch um das Förderfeld herum weitere seismologische Untersuchungen und Probebohrungen zum Ausbau der Erdölproduktion geben. Dagegen fordern der NABU und ein breites Bündnis von Verbänden das sofortige Ende der Ölförderung im Wattenmeer. Stattdessen will die Europäische Kommission in diesem Jahr lediglich einen Gesetzentwurf vorlegen, der die Konzerne bei Havarien zur Kostenübernahme verpflichtet.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Pestizide mitschuldig am Bienensterben in der Agrarlandschaft

Montag, 18. April 2011

NABU und BUND: Agrarlobby verbreitet falsche Informationen

„Keine Entwarnung für Pestizide – sie stehen auch weiterhin im Verdacht, wesentlich zum Bienensterben beizutragen“. So fasst BUND-Vorsitzender Hubert Weiger die aktuellen Kenntnisse über die Auswirkungen synthetischer Pflanzenschutzmittel auf die Artenvielfalt zusammen. „Das gewaltige Bienenvölkersterben 2008 in Baden-Württemberg, das durch Neonikotinoide ausgelöst wurde, ist dafür Mahnung genug“, betont Weiger.

„Eindeutig widersprechen wir der Fördergemeinschaft für nachhaltige Landwirtschaft (FNL), die allein der Bienenmilbe Varroa die Schuld an den Völkerverlusten gibt“, unterstreicht NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Das weltweite Bienensterben habe komplexe Ursachen, wie eine neue Studie der UN-Umweltorganisation UNEP belegt: Demnach schwächen der Verlust der Biodiversität, ausgeräumte Agrarlandschaften und der Einsatz von Pestiziden die Bestäuber ganz erheblich, und zwar sowohl Wildbienen und Hummeln als auch Honigbienen. „Statt auf seriöse Fakten zu bauen, missbraucht die industrienahe FNL das Deutsche Bienenmonitoring (DEBIMO) für ihre tendenziösen Botschaften“, kritisiert Tschimpke.

Die beiden Umweltverbände fordern die zügige Weiterentwicklung des Bienenmonitorings, um die komplexen Zusammenhänge des Bienensterbens besser zu erfassen. Das Monitoring von staatlichen Bieneninstituten, Imkerbund und Industrie habe nur drei Jahre lang bei lediglich fünf Prozent der beteiligten Imker das Bienenbrot auf Rückstände untersucht.
Obwohl dabei 42 verschiedene Pestizide gefunden wurden, ist mit dieser geringen Anzahl an Proben keine verlässliche Aussage zum Einfluss von Pestiziden auf die Bienengesundheit möglich. NABU und BUND fordern nun dringend die weitere Erforschung, welchen Einfluss die Kombinationswirkung einer Vielzahl von Pestiziden auf Bienen habe.

Synthetische Pflanzenschutzmittel beeinträchtigen die Biodiversität in der Agrarlandschaft erheblich. Das belegen nicht zuletzt aktuelle Forschungen an der Universität Göttingen. Die Agrarwissenschaftler fanden im Rahmen einer Studie in acht europäischen Ländern heraus, dass die Hauptursachen für die Verringerung der Tier- und Pflanzenvielfalt Spritzmittel wie Insektizide und Herbizide sind.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NABU-Tipps für eine private Energiewende weg vom Atomstrom!

Donnerstag, 17. März 2011

Miller: Fast jeder Haushalt kann seinen Energieverbrauch halbieren

Angesichts der entsetzlichen Atomkatastrophe in Japan fragen sich auch in Deutschland viele Bürger, was sie selbst tun können, um eine für Mensch und Umwelt vernünftige Energiewende zu unterstützen. „Tatsächlich kann jeder einzelne Bürger dazu beitragen“, betont NABU-Geschäftsführer Leif Miller. „Selbst das sofortige Abschalten der acht riskantesten Atommeiler bedeutet keineswegs, dass in Deutschland die Lichter ausgehen.“ Das hat nun auch das Umweltbundesamt erneut bestätigt. Zugleich betont der NABU: „Die wichtigste und beste Brückentechnologie für die schnellstmögliche Umstellung auf Ökostrom und den Ausbau der erneuerbaren Energien ist keineswegs die Atomkraft, sondern vielmehr eine verbesserte Energieeffizienz und das Energiesparen. Dazu geben die Experten vom NABU, Deutschlands mitgliederstärkstem Umweltverband, eine Reihe praktischer Tipps:

Wechseln Sie heute noch zu sicherem Ökostrom: Jetzt ist die Gelegenheit für eine klare politische Botschaft: Ich will keinen Atom- und Kohlestrom mehr finanzieren. Das geht ganz einfach: Einen der vier Anbieter unter www.atomausstieg-selber-machen.de auswählen, Antrag ausfüllen und los geht‘s.Wichtig ist dabei, einen Ökostrom-Anbieter zu wählen, der nachweisen kann, dass er tatsächlich in den Bau neuer Anlagen zur Nutzung von Wind- und Solarenergie und in eine nachhaltige Biomassenutzung investiert. Dies gewährleisten unter anderem Ökostrom-Anbieter, die mit dem „Grüner Strom Label“ ausgezeichnet sind, das vom NABU gemeinsam mit anderen Umwelt- und Verbraucherorganisationen getragen wird. Anders als oft behauptet, ist Ökostrom für den Verbraucher meist nicht teurer.

Ausführliche Informationen unter: http://www.nabu.de/themen/energie/oekostrom/10763.html
Regionale Ökostrom-Anbieter für ihren Postleitzahlenbereich finden Sie auf der Seite: http://www.gruenerstromlabel.org/
Konkrete Verbraucher-Infos zum Thema Klimaschutz und Energie finden Sie unter: http://www.nabu.de/themen/klimaschutz/selbstaktivwerden/12361.html

Das NABU-Energiesparkonto schont die Umwelt und Ihr Portemonnaie: Rund 130 Euro gibt ein Haushalt in Deutschland durchschnittlich jeden Monat für Energie aus. Das kostenlose NABU-Energiesparkonto kann Ihnen helfen, Ihre Stromkosten in den Griff zu bekommen und gleichzeitig einen Beitrag zum Schutz des Klimas und der natürlichen Ressourcen zu leisten. Das NABU-Energiesparkonto prüft Ihre Energiekosten, informiert über individuelle Sparpotenziale und zeigt Ihnen, wie sich konkrete Maßnahmen auf die Energie- und CO2-Bilanz Ihres Haushalts auswirken. Zum Beispiel verschlingen Kühl- und Gefriergeräte fast ein Fünftel des Haushaltsstroms. Ein Energiehunger, der sich etwa durch den Kauf eines hocheffizienten Kühlschranks deutlich dämpfen lässt: Ebenso kann mehr als ein Drittel des üblichen Stromverbrauchs sparen, wer seine Waschmaschine vernünftig betreibt. Auch konventionelle Glühlampen wandeln Strom äußerst uneffektiv in Licht um – über neun Zehntel der Energie verpuffen als Wärme. Effizienter sind Energiesparlampen oder LEDs, die bis zu 90 Prozent weniger Energie verbrauchen und zehnmal länger halten als die gute alte Glühbirne – das wiegt den höheren Einkaufspreis mehrfach auf.Darüber hinaus gibt der NABU Tipps, die (un)heimlichen Energieräuber abzustellen: Allzu üblich dösen Computer im Büro wie zuhause im Schlummerbetrieb, Fernseher warten „stand by“ auf die Tagesschau, Stereo-Anlagen träumen mit glimmenden Dioden von Mozart. Teurer Strom verpufft im Leerlaufbetrieb als nutzlose Abwärme – schalten Sie ab! Ein kostenloses Heizgutachten gibt Ihnen zudem Aufschluss darüber, wie Sie angesichts der gestiegenen Öl- und Gaspreise künftig günstiger und klimafreundlicher über den nächsten Winter kommen.

Ausführliche Informationen über dieses Angebot vom NABU und co2online unter: http://www.nabu.de/themen/klimaschutz/selbstaktivwerden/12956.html

Legen Sie Ihr Geld in Energieeffizienz und Erneuerbare Energien an: Investieren Sie jetzt in die energetische Modernisierung! Profitieren Sie von einer Solaranlage auf dem eigenen Dach oder beteiligen Sie sich an Geldanlagen in ein lokales Bürgerkraftwerk auf Basis Erneuerbarer Energien. Der Staat unterstützt dies mit diversen Förderprogrammen. Kommunen nehmen ihre Energieversorgung in die eigene Hand, um unabhängig von den Atomkonzernen zu werden. Immer mehr Unternehmen verdienen mit Klimaschutz-Ideen und Produkten Geld und Sie können Teil dieser Erfolgsgeschichten werden.

Weitere Informationen unter: http://www.energiefoerderung.info/ sowie http://www.buerger-kraftwerke.de und http://www.ecoreporter.de/

Protestieren Sie gegen eine atompolitische Hinhaltetaktik: Hier eine Auswahl der demnächst anstehenden Termine:

Samstag, 19. März, 22.30 Uhr: IPPNW-Sonderkonzert aus Anlass der atomaren Katastrophe in Japan in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Berlin
Montag, 21. März, 18 Uhr: Fukushima ist überall! Bundesweit Mahnwachen für den Atomausstieg.
Samstag, 26. März: bundesweite Großdemonstrationen in Berlin, Hamburg, Köln und weiteren Städten.
Samstag, 9. April: dezentraler Aktionstag und Atomalarm in vielen Städten.
Montag, 25. April: 25 Jahre Tschernobyl. Großproteste an 13 Standorten.
Dienstag, 26. April: Mit Unterstützung des NABU findet in der Berliner Philharmonie ein Konzert zu Ehren der Opfer der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl statt.

Weitere Informationen werden laufend aktualisiert unter http://www.nabu.de/themen/energie/atomkraft/atomkatastropheinjapan/13572.html

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.