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Lichtverschmutzung belastet Natur und kommunale Haushalte

Dienstag, 31. August 2010

Tschimpke: Moderne Stadtbeleuchtung ist wichtiger Beitrag zum Klimaschutz

In Deutschland verschwenden Städte und Gemeinden jedes Jahr drei bis vier Milliarden Kilowattstunden Strom für die öffentliche Beleuchtung von Straßen, Brücken und Plätzen. „Die Modernisierung der Stadtbeleuchtung ist einer der wichtigsten Beiträge der Kommunen zum Klimaschutz. Durch intelligente Lichtplanung und Beleuchtungstechnik kann der Energieverbrauch um 30 bis 50 Prozent gesenkt und die klammen Haushalte vieler Städte von steigenden Kosten für Strom und Wartung entlastet werden“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Jede dritte Straßenlaterne sei mehr als 20 Jahre alt und gehöre damit eher ins Technikmuseum. Zudem machen europäische Anforderungen an die Energieeffizienz der Straßenbeleuchtung bis spätestens 2015 eine Umrüstung erforderlich.

Gleichzeitig entdecken immer mehr Kommunen in Deutschland Licht als attraktives Mittel, um das Stadtbild zu verschönern. Astronomen schätzen, dass das Ausmaß an künstlicher Beleuchtung in der Nacht durch immer mehr und vor allem hellere Lichtquellen jährlich in Deutschland um mehr als fünf Prozent zugenommen hat. „Vielerorts fällt das Licht aber nicht nur auf Straßen-, Rad- und Gehwege, sondern strahlt völlig ungenutzt in den Nachthimmel, in Schlafzimmerfenster und benachbarte Naturräume. Diese Lichtverschmutzung muss nicht sein“, so NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse. „Gerade veraltete und schlecht konstruierte Lichtquellen werden häufig zu tödlichen Fallen für nachtaktive Insekten, Vögel und Fledermäuse.“

Der NABU fordert die Kommunen auf, den verschwenderischen und zum Teil völlig nutzlosen Einsatz von Licht zu begrenzen. Weniger sei mehr, müsse die zentrale Leitlinie für die nächtliche Beleuchtung lauten. Daher sollte auch die aus ökologischen Gründen unverzichtbare Dunkelheit in Naturräumen in der Stadt und im Umland erhalten bleiben. „Eine energetische und naturverträgliche Sanierung der Stadtbeleuchtung in Deutschland kann dazu beitragen, pro Jahr rund eine Million Tonnen an klimaschädlichen Kohlendioxid zu vermeiden und gleichzeitig die Licht- und Aufenthaltsqualität deutlich zu verbessern”, so Große Ruse.

Für Rückfragen: Elmar Große Ruse, NABU-Energiereferent, Tel.
030-284984-1611

Im Rahmen des Projektes „Kommunale Lichtplanung für mehr Energieeffizienz und Naturschutz“ veranstaltet der NABU Regionalworkshops. Auftakt ist eine Fachtagung mit der Energieagentur NRW am 30.9. in Wuppertal.

Mehr Infos: www.NABU.de/stadtbeleuchtung

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NABU legt neue Zahlen vor: Torfbrände in Russland sind Klimakiller

Freitag, 27. August 2010

Tennhardt: Eiskappe der Arktis könnte schneller schmelzen

Nach den verheerenden Bränden in Russland macht der NABU auf die alarmierenden Folgen für das Weltklima aufmerksam. Nach Schätzungen von Prof. Florian Siegert vom GeoBio-Center der Ludwig-Maximilians-Universität in München könnten allein durch die Torfbrände in Russland zwischen 30 und 100 Millionen Tonnen klimaschädliches Kohlendioxid entstanden sein. Das entspricht in etwa vier bis zwölf Prozent der CO2-Jahresemission Deutschlands.  Diese erste Auswertung basiert auf zunächst gering aufgelösten Satellitendaten. Um das gesamte Ausmaß der Katastrophe detailliert zu erfassen bedarf es dringend weiterer Forschung. Thomas Tennhardt, NABU-Vizepräsident und Leiter des Fachbereichs Internationales: „Die Torfbrände hatten nicht nur schlimme Auswirkungen für die Menschen und Tiere in der Region. Die Gefahr für das Klima wird durch die freigesetzten Rußpartikel noch verstärkt. Sie halten sich sehr lang in der Atmosphäre und können bis zur Arktis getragen werden, wo sie die Eisschmelze weiter beschleunigen.“

Wochenlang brannten im Umland von Moskau nicht nur Wälder, sondern auch Torfmoore. Die dadurch entstandene extreme Feinstaubbelastung kostete vermutlich Tausende von Menschen das Leben. Der dichte Qualm aus brennenden Mooren enthält große Mengen des äußerst gefährlichen Kohlenstoffmonoxids und klimaschädliches Kohlendioxid. Die daraus resultierende Schadstoffbelastung ist um ein Vielfaches höher als die aus brennenden Wäldern.  Die russischen Torfmoore wurden seit den dreißiger Jahren flächendeckend für eine wirtschaftliche Nutzung trockengelegt. Um das Entstehen von Torfbränden künftig zu verhindern und die Funktionstüchtigkeit dieser Ökosysteme zu sichern, müssen die ehemaligen Torfmoore wieder vernässt werden.

Aus NABU-Sicht ist es daher notwendig, in den betroffenen Regionen in Russland ein Konzept zur Wiederherstellung der Moore zu starten. Dies schließt nicht zwangsläufig eine weitere Nutzung aus. Felix Grützmacher, NABU-Referent für Moorschutz: „In Deutschland zeigen solche Projekte bereits vielversprechende Ergebnisse. Bei der wirtschaftlichen Nutzung von zum Beispiel Schilf als Brenn- oder Baustoff kann der Boden nass bleiben und die Gefahr von Feuern ist gebannt. Dies wäre nicht nur ein Beitrag für den Klimaschutz, sondern hätte positive Effekte für viele Tier- und Pflanzenarten.“

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NABU fordert Festhalten an Brennelementesteuer

Freitag, 27. August 2010

Tschimpke: Bundesregierung darf nicht vor Atomkonzernen einknicken

Der NABU hat die Bundesregierung davor gewarnt, sich von der millionenschweren Anzeigenkampagne der Atomlobby beeinflussen zu lassen.
„Wenn die Koalition jetzt die Steuer auf nukleare Brennelemente streicht und die Atomlaufzeiten verlängert, macht sie den Diener vor den Konzernen. Die Marketingmillionen von RWE, Vattenfall und Co. dürfen nicht mehr Einfluss haben als die Überzeugungen der Bevölkerungsmehrheit“, forderte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Am Wochenende hatten zahlreiche Wirtschaftsbosse die Bundesregierung in Zeitungsanzeigen aufgefordert, auf die geplante Brennelementesteuer zu verzichten und die Laufzeiten der Atomkraftwerke (AKW) deutlich zu verlängern.

Die Energiekonzerne müssen nach Auffassung des NABU stärker an den Kosten der Atommüllentsorgung beteiligt werden – auch ohne Verlängerung der AKW-Laufzeiten. Dazu sei die von Umweltminister Röttgen angedachte Steuer auf atomare Brennelemente geeignet. Die Konzerne bevorzugen dagegen einen Vertrag mit freiwilligen Zahlungen in einen Fonds.
„Einfache Bürger können ihre Steuerpflicht auch nicht durch freiwillige Überweisungen umgehen. Durch einen solchen Vertrag macht sich die Bundesregierung abhängig von den Almosen der Konzerne“, so Tschimpke. Schließlich würden die Wirtschaftsmilliarden nur dann fließen, wenn die Atomreaktoren ungestört weiter liefen. Dadurch sei zu befürchten, dass der Staat bei der Atomaufsicht beide Augen zudrücke, um dringend benötigte Einnahmen zu sichern.

Gegen die Lobbymacht der Konzerne setzt der NABU auf die besseren Argumente und die Stimme der Bevölkerung. Daher unterstützt der Umwelt- und Naturschutzverband die bundesweite Anti-Atom-Demonstration am 18. September in Berlin. „Alle Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, den Lobbyinteressen der Atomindustrie entgegenzutreten. Am 18. September demonstrieren wir für eine Wende hin zu Energiesparen, Energieeffizienz und naturverträglichen erneuerbaren Energien“, erklärte NABU-Energieexperte Elmar Große Ruse. Längere Atomlaufzeiten seien Gift für diese Energiewende. Denn unflexible Atomkraftwerke ließen sich mit dem wechselnden Stromangebot aus Wind und Sonne nicht vereinbaren.
Außerdem sei weiterhin völlig ungeklärt, wie der bei der Risikotechnologie entstehende Atommüll sicher entsorgt werden könne.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Rund 400 Kirchen bieten Asyl für Turmfalke, Schleiereule und Co

Montag, 9. August 2010

Positive Bilanz nach drei Jahren Projekt „Lebensraum Kirchturm”

Drei Jahre nach Start der Aktion „Lebensraum Kirchturm“ hat der NABU erneut eine positive Bilanz gezogen: 396 Kirchen in nahezu allen Bundesländern wurden mittlerweile mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“ für ihr besonderes Engagement im Bereich Artenschutz ausgezeichnet. Ziel ist es, bedrohten Vogelarten wie der Schleiereule oder dem Turmfalken -Vogel des Jahres 2007 – mehr Brutmöglichkeiten zu schaffen.

Im April 2007 hatten der NABU und der Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen die gemeinsame Aktion gestartet. Als erste Kirche bundesweit wurde die Heilandskirche in Berlin ausgezeichnet. Hier waren die beiden Turmfalken „Erna“ und „Kurt“ zu Hause, die tausende Vogelfans über eine Webcam bei der Aufzucht ihrer Jungen beobachten konnten. Zahlreiche weitere Kirchen folgten diesem Beispiel.

„Wir freuen uns, dass so viele Gemeinden unserem Aufruf gefolgt sind und ihre Kirchtürme wieder für seltene Vogelarten wie Turmfalke und Schleiereule geöffnet haben. Die erfolgreiche Aktion ist ein schönes Beispiel dafür, dass das harmonische Zusammenleben von Mensch und Tier in unseren Städten möglich ist“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Schleiereulen oder Turmfalken nutzen Kirchtürme gerne als Nistplatzersatz für natürliche Bruthöhlen in Felsen oder Bäumen. Auch Fledermäuse finden oft einen geeigneten Unterschlupf in der Kirchturmspitze. Leider gehen solche Plätze bei Kirchturmsanierungen oft verloren – wenn zum Beispiel Einfluglöcher oder Brutnischen verschlossen werden oder Gitter zum Schutz gegen Tauben angebracht werden.

Mit der Aktion „Lebensraum Kirchturm“ möchte der NABU über naturschutzfreundliche Sanierungen informieren und die Gemeinden dazu ermutigen ihre Kirchtürme für die tierischen Bewohner zu öffnen.  Neben der Öffnung von Einfluglöchern steht vor allem der Einbau von Nistkästen im Vordergrund. Unterstützung und Beratung erhalten die teilnehmenden Kirchen dabei von der jeweiligen NABU-Ortsgruppe.

Spitzenreiter bei der „Wohnraumbeschaffung“ ist momentan Baden-Württemberg mit allein über 100 ausgezeichneten Kirchen, gefolgt von Rheinland-Pfalz mit 67 und Thüringen mit 49 tiergerechten Kirchtürmen. Die Aktion „Lebensraum Kirchturm“ wird auch in den kommenden Jahren fortgesetzt.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

„Cruise Days 2010“ Tummelplatz für umweltschädliche Luxusliner

Freitag, 6. August 2010

Schiffsdiesel statt Schweröl – Weiße Traumschiffe gefährden Gesundheit und Klima

Anlässlich der am Freitag (30.7.) beginnenden dreitägigen Kreuzschifffahrtsschau „Cruise Days 2010“ in Hamburg zeigte der NABU Unverständnis darüber, dass Hafenstädte wie Hamburg klimaschädliche Luxuskreuzer willkommen heißen und feiern, anstatt ihnen über ökologisch differenzierte  Liegegebühren Anreize zur Abgasreinigung zu geben. „Ein Luxusliner stößt täglich umgerechnet so viel Ruß- und Schwefelpartikel aus wie 12.000 Pkw, bei einzelnen Schadstoffen sogar so viel wie 350.000 Autos. Solche Werte sind für die Anwohner lebensbedrohlich, für das Weltklima verheerend und daher an Land längst verboten“, sagte der Vorsitzende des NABU Hamburg, Alexander Porschke. Es sei Zeit, das ökologische Ruder rumzureißen und die wachsenden Feinstaubemissionen der Ozeanriesen in einem ersten Schritt durch den Umstieg auf Schiffsdiesel zu reduzieren. „Traumschiffe als Albtraum für die Umwelt – dagegen müssen alle aktiv werden: Die Hafenstädte mit Landstromanschlüssen, die Betreiber mit umweltfreundlichen Schiffen und die Urlauber mit Interesse an Umwelt- und Klimaschutz“, so Porschke.

Bei den „Cruise Days“ haben sich für  Hamburg die vermeintlichen Traumschiffe AIDAaura, AIDAluna, Astor, Columbus, Deutschland und Mein Schiff angekündigt. Ein neuer Rekord – leider auch beim Feinstaub: allein die genannten sechs Schiffe werden während der Cruise Days bis zu 1600 Tonnen Kohlendioxid, 20 Tonnen Stickoxide und 1920 Kilogramm krebserregenden Ruß in die Atmosphäre blasen. Über 100 Kreuzfahrtriesen sollen Hamburg in diesem Jahr anlaufen. Sie werden allesamt mit Schweröl betrieben, einem Abfallprodukt der Ölindustrie, an dem die Reeder aus reiner Profitgier festhalten, anstatt auf vergleichbar sauberes Flüssiggas oder Schiffsdiesel und Rußfilter umzusteigen. Der Umstieg würde den Ticketpreis nur um wenige Euro erhöhen. „Wer Luxusschiffe mit dem Billigtreibstoff Schweröl betankt, versündigt sich an Umwelt- und Klimaschutz“, sagte NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger.

Für Schiffe gibt es bisher nur sehr schwache Grenzwerte für Schadstoffemissionen. Seit Anfang Juli ist der Schwefelanteil auf Nord- und Ostsee immerhin auf 1,0 Prozent beschränkt. Und ab 2015 dürfen alle Schiffe, die die Nord- und Ostsee befahren, nur noch Treibstoff, der maximal 0,1 Prozent Schwefel enthält, verwenden. „Das ist immer noch hundertmal mehr Schwefel als bei Diesel für Pkw und Lkw, und für Ruß gibt es nach wie vor gar keine Vorgaben. Wir fordern die Reeder daher auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und zunächst die Kreuzfahrtschiffe freiwillig mit Schiffsdiesel und Filtertechnik auszustatten“, so Oeliger.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Umweltfreundliches Olympia statt grüner Feigenblätter

Donnerstag, 5. August 2010

NABU fordert Einhaltung von Umweltstandards

Sotschi – Der NABU  warnt vor einer Gefährdung westkaukasischer Schutzgebiete durch die Olympischen Winterspiele 2014. NABU-Vizepräsident und Leiter des Fachbereichs Internationales Thomas Tennhardt und NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller besuchten die im Bau befindlichen Olympiaprojekte im südrussischen Urlaubsort Sotschi.
Das UNESCO-Weltnaturerbe Westkaukasus grenzt unmittelbar an die Gebirgsregion der olympischen Winterspiele. Die Region zählt mit einer einzigartigen Flora und Fauna zu den wichtigsten Biodiversitäts-Hotspots der Welt. „Durch die olympischen Winterspiele besteht nun die Gefahr, dass es zu einem rasanten Naturverbrauch kommt. Die russischen Behörden haben uns jedoch glaubhaft  versichert, dass es inzwischen keine Bauvorhaben mehr im UNESCO-Weltnaturerbegebiet gibt“, sagte Tennhardt.

In einem Gespräch forderte der NABU die Vertreter des staatlichen Organisationskomitees Sotschi 2014 dazu auf, die selbst gesetzten Umweltstandards gewissenhaft einzuhalten. Vermeidbare Eingriffe in den Natur- und Landschaftshaushalt zögen unwiderrufliche Folgen nach sich, die weltweit beachtet würden. „Sotschi 2014 wird nicht nur an seinen sportlichen Leistungen gemessen, sondern auch daran, ob es der russischen Regierung gelingt Umweltstandards einzuhalten“, sagte Miller. Russland habe die Chance, sich entgegen bestehender Vorurteile als Vorreiter zu präsentieren. Die Vertreter des NABU boten ihre Unterstützung bei der Vorbereitung umweltgerechter Winterspiele an.
So hat der NABU ein Projekt bei der Internationalen Klimaschutzinitiative der Bundesregierung eingereicht, das die Naturwälder in der Pufferzone des Weltnaturerbes Westkaukasus innerhalb von vier Jahren schützen und den Einsatz Erneuerbarer Energien fördern möchte.

Das Organisationskomitee Sotschi 2014 betonte sein Interesse an einer verstärkten Kooperation mit deutschen Organisationen und wies darauf hin, dass man bereits eine Umwelt-, Abfallvermeidungs- und Klimaschutzstrategie entwickelt habe und diese auch umsetze. Bürgerbeteiligungen, „grüne“ Baustandards und Umweltverträglichkeitsprüfungen seien bereits implementiert. Dort wo es Beeinträchtigungen der Natur gegeben habe, sei man um Ausgleichsmaßnahmen bemüht und sehr an fachlicher Unterstützung aus Deutschland interessiert. Nach dem Gespräch erklärte Tennhardt: „Offenbar ist die Bereitschaft zur Rücksichtnahme auf Natur und Umwelt vorhanden. Damit es nicht nur bei Lippenbekenntnissen bleibt, müssen wir deutlich  machen, dass wir nicht nur grüne Feigenblätter sehen wollen, sondern dass wir auf die umweltfreundliche Ausgestaltung der Olympischen Winterspiele 2014 großen Wert legen.“

In der Region Westkaukasus befindet sich der größte europäische Hochgebirgsurwald, in dem noch frei lebende Herden von Bergwisenten leben. Der NABU engagiert sich bereits seit mehr als zehn Jahren in dieser Region zum Schutz der einmaligen Naturlandschaft und war maßgeblich an der Ausweisung des UNESCO Welterbegebietes Westkaukasus beteiligt.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NABU als erste deutsche Umweltdelegation in Abchasien

Donnerstag, 29. Juli 2010

Naturschutzverband vereinbart Kooperation mit kaukasischer Schwarzmeerrepublik

Um die Zusammenarbeit im Naturschutzbereich zu verbessern, besuchte eine deutsche Delegation unter der Leitung des NABU mit Vertretern der Deutsch-Abchasischen Gesellschaft, des Nordkaukasischen Kulturvereins und des Hamburger Völkerkundemuseums  Abchasien. Die winzige Republik grenzt nur wenige Kilometer südlich von Sotschi, dem Austragungsort der olympischen Winterspiele 2014, an Russland und verfügt über eine einmalige Naturlandschaft. Um diese nachhaltig zu schützen und bestehende Schutzgebietsflächen auszuweiten, führte der NABU Gespräche mit hochrangigen Regierungsvertretern. „Natur- und Klimaschutz machen vor Grenzen keinen Halt. Abgesehen davon, dass Abchasien international noch nicht anerkannt ist, müssen wir zusammenarbeiten“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller anlässlich des Besuches. Damit ist der NABU die erste international tätige Naturschutzorganisation, die Abchasien beim Natur- und Artenschutz unterstützt.

Auf nur 8600 Quadratkilometern treffen in Abchasien kaukasische Gebirgszüge mit bis zu 4000 Meter Höhe auf den 170 Kilometer langen, zerklüfteten Schwarzmeerküstenstreifen. Hier wachsen Palmen, Wein, Tabak, Nüsse, Tee, Bananen und vor allem Zitrusfrüchte, die Abchasien den Namen „Mandarinenrepublik“ eingebracht haben. Zudem grenzt die Republik an das UNESCO-Weltnaturerbe Westkaukasus und hat großes Interesse, seine Naturschutzgebiete in das internationale Schutzsystem einzugliedern. „Wir wollen unsere Schutzgebietsflächen auf 26 Prozent der Landesfläche erweitern, dies entspricht mehr als das Doppelte der bestehenden Schutzgebiete“, sagte der abchasische Premierminister Sergej Schamba. Er begrüßte das Engagement der deutschen Seite und nahm eine Einladung des NABU zu politischen Gesprächen nach Deutschland dankend an.

Abchasien gehört formal zu Georgien, erreichte aber nach einem verzweifelten Unabhängigkeitskampf in den neunziger Jahren eine de-facto Unabhängigkeit, die mittlerweile von einigen Ländern auch offiziell ausgesprochen wurde. Neben Russland selbst haben Nicaragua, Venezuela und Nauru das subtropische Abchasien als unabhängig anerkannt und diplomatische Beziehungen aufgenommen. „Im Rahmen unseres Kaukasusprogramms werden wir die Partner, die wir auf dieser Reise kennen gelernt haben, in unsere zukünftige Arbeit einbeziehen und gemeinsam hoffentlich Einiges zum Schutz der einzigartigen Naturlandschaft Abchasiens bewirken“, sagte NABU-Vizepräsident Thomas Tennhardt.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NABU: Umweltaspekte bei verlängerter Ölförderung im Wattenmeer ignoriert

Dienstag, 27. Juli 2010

Tschimpke: Durch Transparenz und Kontrollen Katastrophen verhindern

Während der Kampf gegen die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko anhält, wird in Europa und Deutschland intensiv über die Konsequenzen aus dem Unglück gestritten. Der NABU begrüßt dabei das von EU-Energiekommissar Oettinger vorgeschlagene Moratorium für Tiefseebohrungen und die Ankündigung, bis Ende September einen Vorschlag zu erarbeiten, der die Ölförderung in europäischen Gewässern besser regeln soll. „Wir brauchen dringend mehr Transparenz und öffentliche Beteiligung bei der Genehmigungspraxis sowie eine unabhängige und stärkere Kontrolle der Ölkonzerne“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. „Nur so können wir Katastrophen wie die der ‚Deepwater Horizon‘ vor unserer eigenen Haustür verhindern“.

Während die Welt seit mehr als drei Monaten gespannt auf die Entwicklungen im Golf von Mexiko blickt, verlängerten das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Clausthal-Zellerfeld und die Landesregierung Schleswig-Holsteins von vielen unbemerkt die Fördergenehmigung Deutschlands einziger Ölplattform „Mittelplate A“ bis 2041. Der NABU hatte bereits mehrfach den Rückbau der Anlage mitten im Wattenmeer-Nationalpark und am Rande des UNESCO-Welterbegebietes gefordert und kritisiert die Verlängerung scharf. „Eine derart unsensible Entscheidung in einer Phase, in der die Ursachen der Katstrophe in den USA noch nicht abschließend aufgeklärt sind und auch in der Nordsee eine latente Gefahr durch Ölunfälle herrscht, ist überhaupt nicht nachzuvollziehen“, so NABU-Wattenmeerexperte Dominic Cimiotti. Noch unglaublicher, da weder die Nationalparkverwaltung noch das Umweltministerium in Kiel in diesen Entscheidungsprozess eingebunden worden seien.  „Das LBEG hat damit wieder einmal wichtige Umweltfragen ignoriert und ‚industriefreundliche‘ Tatsachen geschaffen“, kritisierte Tschimpke und forderte in diesem Zusammenhang vehement eine umfassende Überarbeitung des antiquierten deutschen Bergrechts, das sich heute noch immer auf Elemente des Preußischen Allgemeinen Berggesetzes von
1865 stütze.

Auch wenn „Mittelplate A“ verhältnismäßig hohe Sicherheitsstandards aufweist, sorgt sich der NABU um das einzigartige Ökosystem Wattenmeer.
Wo Menschen arbeiten, könnten Fehler passieren. Und auch Service und Instandhaltung der Anlage sowie der Schiffsverkehr stellen nach Ansicht des NABU eine permanente Störung insbesondere für Küsten- und Seevögel dar. Es gibt sogar Pläne zur Erkundung weiterer Ölvorkommen im Wattenmeer. Der NABU fordert die Landesregierungen von Schleswig-Holstein und Niedersachsen auf, dies auszuschließen.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NABU fordert neue Strategie zum Wassermanagement in der Landschaft

Freitag, 23. Juli 2010

Fehlerhafte Agrar- und Wasserpolitik verschärft Probleme in Hitzeperioden

Angesichts der Dürreperiode der vergangenen Wochen hat der NABU die Bundes- und Landesregierungen zu einem Umdenken in der Agrar- und Wasserpolitik aufgefordert. „Ziel einer Landnutzungspolitik in Zeiten des Klimawandels muss es sein, das Wasser in unserer Landschaft zu halten“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Jahrzehntelang hat die Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit den Wasser- und Bodenverbänden durch die Anlage von Drainagegräben, Dämmen sowie die intensive Nutzung von Niedermooren dafür gesorgt, dass das Niederschlagswasser möglichst schnell abgeleitet wird. Wie die letzten Wochen gezeigt hätten, verschärfe diese Politik des Wasserentzugs die Probleme, die durch Sommertrockenheit in Zukunft häufiger auftreten könnten. Die gravierenden Trockenschäden von Ackerkulturen wie Mais gerade auf leichten Sandböden zeigten, wie erforderlich ein Umdenken in der Landwirtschaft sei.

Nach Auffassung des NABU muss die Agrar- und Wasserpolitik ein völlig neues Wassermanagement in der Kulturlandschaft verfolgen. So sei die Schaffung von Förderprogrammen in der Agrarstrukturpolitik erforderlich, mit denen Entwässerungsmaßnahmen rückgängig gemacht und ganze Landschaften wieder vernässt werden könnten. Dem Schutz und der Wiederherstellung von funktionierenden Mooren und naturverträglich bewirtschaftetem Feuchtgrünland komme hier eine besondere Bedeutung zu.
„Die Leistungen dieser Ökosysteme für den Artenschutz, den Klimaschutz und den Landschaftswasserhaushalt werden immer noch unterschätzt – auf lange Sicht mit erheblichen Folgen für Mensch und Natur“, so NABU-Moorschutzexperte Felix Grützmacher.

Der NABU will im Rahmen des vom Bundesamt für Naturschutz finanzierten Projekts „Moorschutz konkret“ für einen erfolgreicheren Moorschutz werben und Möglichkeiten aufzeigen, wie auf regionaler Ebene die Zusammenarbeit der Akteure aus Landwirtschaft und Naturschutz zum Schutz der Feuchtgebiete verbessert werden kann.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Wertvolle Naturgebiete in Bayern für die Zukunft gesichert

Sonntag, 18. Juli 2010

Rund 1.300 Hektar wertvoller Naturgebiete in Bayern sind heute in den Besitz der DBU Naturerbe GmbH übergegangen. Die gemeinnützige Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) wird künftig auf den Flächen Tennenlohe, Hainberg, Landshut, Lauterberg und Reiterswiesen den Naturschutz sicherstellen. Bislang gehörten die Flächen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). “Die Flächen sind Teil des Nationalen Naturerbes. Sie bergen äußerst artenreiche Lebensräume. Gleichzeitig können die Gebiete dazu beitragen, die Menschen für den Naturschutz zu begeistern”, erklärte Dr. Fritz Brickwedde, DBU-Generalsekretär und Geschäftsführer der DBU Naturerbe GmbH, anlässlich der offiziellen Übergabe im Walderlebniszentrum Tennenlohe (Erlangen). Daher gelte es, diese wertvollen Naturgebiete für heutige und nachfolgende Generationen zu schützen. “Wir freuen uns, die verantwortungsvolle Aufgabe ab heute offiziell übernehmen zu dürfen”, betonte DBU-Kuratoriumsvorsitzender Hubert Weinzierl.

Auf den Flächen findet nicht nur eine Vielzahl vom Aussterben bedrohter Tierarten ein Zuhause. Sie umfassen auch eine vielfältige Landschaft: ausgedehnte Mager- und Trockenrasen, Heiden, Moore und Kleingewässer sowie Laub-, Misch-, Auen- und Nadelwälder. Allein auf der rund 440 Hektar umfassenden Fläche Tennenlohe leben über 350 stark gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, wie der Ziegenmelker und die Ödlandschrecke, die streng geschützte Kreuzkröte oder das scheue Auerhuhn, erläuterte Brickwedde. Bayerns Umweltminister Dr. Markus Söder betonte: “Für uns steht die Bewahrung der Schöpfung im Mittelpunkt. Diese wertvollen Lebensräume tragen entscheidend zum Erhalt der biologischen Vielfalt Bayerns und Deutschlands bei. Wir sind sicher: Dieses Stück bayerisches Naturerbe ist bei der DBU in besten Händen.”

Eberhard Irlinger, Landrat von Erlangen-Höchstadt, betonte den Wert der Fläche als Naherholungsgebiet: “Gerade heute, wo die Flächenversiegelung zugenommen hat, wo mehr Menschen als früher in den Städten leben und sich selbst kleine ehemals landwirtschaftlich geprägte Dörfer zu größeren Orten mit neuen Wohnsiedlungen gewandelt haben, sehnen sich viele Menschen nach unverbrauchter Natur.”

Die bayerischen Flächen sind Teil von insgesamt 33 bedeutsamen Liegenschaften, die die DBU Naturerbe GmbH in den nächsten Jahren bundesweit übernimmt. “Neben Bayern werden uns auch Flächen in acht weiteren Bundesländern anvertraut”, betonte Brickwedde. Auf den mehr als 46.000 Hektar setze sich die gemeinnützige GmbH für den Erhalt der Artenvielfalt ein. Den entsprechenden Rahmenvertrag schloss die DBU Naturerbe GmbH im Mai 2008 mit der BImA ab. Prora auf Rügen war die erste Fläche des Nationalen Naturerbes, die vor anderthalb Jahren in den Besitz der DBU Naturerbe GmbH überging.

“Dass wir nun die Naturerbeflächen in Bayern übertragen, hat in mehrfacher Hinsicht symbolische Bedeutung”, sagte André Gregarek, Vorstandsmitglied der BImA. Zum einen sei die Natur bei den Gebieten in Bayern bei der Verteilung ihrer Reize besonders großzügig gewesen. Zum anderen zeichne die Geschichte der Flächen sehr anschaulich die weltpolitische Entwicklung der vergangenen 100 Jahre nach. So seien die Flächen ab Mitte der 30er Jahre militärisch genutzt worden – bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht. Danach hätten US-Streitkräften sie bis 1993 in Anspruch genommen. “Seit dieser Zeit regiert hier – gelenkt durch die Försterinnen und Förster – die Natur”, so Gregarek, der optimistisch auf die künftige Zusammenarbeit aller Beteiligten blickte.

Durch die jahrzehntelange militärische Nutzung seien Offenlandflächen entstanden, auf denen sich seltene Tier- und Pflanzenarten entwickeln konnten. “Diesen natürlichen Reichtum wollen wir für die Zukunft bewahren”, so Brickwedde. Dazu möchte die DBU Naturerbe GmbH etwa großflächige Wildnisgebiete schaffen und Wälder ihrer ungestörten Entwicklung überlassen. Die Naturschutzmaßnahmen führen ortskundige Bundesförster in Abstimmung mit der DBU Naturerbe GmbH aus. Gleichzeitig soll die Schönheit der Natur künftig auch Besuchern durch eine attraktive und sichere Wegeführung auf den Flächen zugänglich gemacht werden. “Wir suchen den Dialog mit den Menschen vor Ort, um für Unterstützung zu werben und Beteiligungsprozesse aufzuzeigen”, sagte Weinzierl. Naturschutz werde auf diese Weise erlebbar, betonte auch Brickwedde: “Die Menschen über das Gebiet und den Naturschutz zu informieren, um Verständnis und Verantwortungsbewusstsein für die heimische Natur zu fördern, ist uns ein wesentliches Anliegen.”

Begrüßt hatte die Gäste in Tennenlohe Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, Vorsitzender des Fördervereins Walderlebniszentrum Erlangen-Tennenlohe. Er betonte die Rolle des Erlebniszentrums als Besuchermagnet der Region. Er unterstrich, dass durch die Flächenübertragung an die DBU Naturerbe GmbH der Naturschutz weiter belebt und gestärkt werde.

Quelle: Offenes-Presseportal