Artikel-Schlagworte: „Umwelt“

NABU: Mehrweg retten – Umweltsteuer hilft

Freitag, 18. Juni 2010

Miller: Rote Karte für die Getränkedose

Ob gemeinsames Fußballgucken, Grillen im Park oder der Ausflug ins Grüne – im Sommer sind meistens Getränkeflaschen mit von der Partie.
Der NABU appelliert an Verbraucher, beim Getränkekauf auf Mehrwegflaschen aus Glas- oder PET zu achten. Auch Getränkekartons und Beutel seien der Einwegflasche vorzuziehen. Wegen fehlender Kennzeichnung, empfiehlt es sich, umweltschädliche Einwegbehälter mit einem Pfandbetrag von 0,25 Euro zu meiden. Besonders bedenklich ist, dass Discounter wie Penny sogar die Blechdose wieder gelistet haben. Der NABU fordert den Handel auf, diesem Beispiel nicht zu folgen.

NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller:„Dose und Plastikeinwegflasche muss die Rote Karte gezeigt werden. Es darf keine Rolle rückwärts bei umweltschädlichen Getränkeverpackungen geben.“ Der Marktanteil umweltfreundlicher Getränkeverpackungen ging trotz Dosenpfand dramatisch zurück. Statt der gesetzlich angestrebten Quote von 80 Prozent werden nur noch 50 Prozent erreicht. Bei den alkoholfreien Getränken sind nur mehr 30 Prozent zu verzeichnen. Das Pfand allein kann diesen Trend offensichtlich nicht mehr umkehren.

Daher präsentierte der NABU im vergangenen Jahr einen Vorschlag für eine Steuer auf Getränkeverpackungen. Sie gewinnt nun auch mit Blick auf die bundesdeutsche Haushaltslage immer mehr an Bedeutung. „Eine nach einfachen Umweltkriterien gestaffelte Steuer auf Getränkeverpackungen kann nicht mehr nur die Mehrwegquoten retten, sondern auch dazu beitragen, den Bundeshaushalt zu konsolidieren. Umwelt- und Haushaltspolitiker aller Fraktionen sollten diesen Vorschlag für mehr Nachhaltigkeit ernsthaft in Erwägung ziehen“, so Miller.

Die von Materialart und -menge abhängige Steuer brächte beim derzeitigen Boom der Einwegflaschen jährlich 3,3 Milliarden Euro ein.
Die Umweltabgabe bevorteile umweltfreundliche Flaschen und Behälter.
Jährlich könnten so bis zu 1,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid und 400.000 Tonnen Plastikmüll vermieden werden.

„Diese oft bezweifelte Lenkungswirkung umweltorientierter Abgaben ist vielfach bewiesen, wie die jüngsten Analysen zur Ökosteuer gezeigt haben. Auch die staatliche Verteuerung sogenannter Alkopop-Getränke erfüllte ihre gewollte Wirkung“, erläuterte NABU-Abfallexperte Benjamin Bongardt. Die Getränkeverpackungssteuer sei ein eindeutiges Preissignal für Abfüller und Verbraucher. „Sie belohnt den ökologischen Konsum, stärkt die Abfallvermeidung und erteilt dem Profitstreben von Herstellern und Discount-Händlern auf Kosten der Umwelt eine Absage“, so Bongardt weiter.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NABU: Mit Streichung von überflüssigen Straßenbauprojekten 14 Milliarden sparen

Donnerstag, 10. Juni 2010

Tschimpke: Deutschland lebt beim Straßenbau seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse

Angesichts der dringend nötigen Konsolidierung der öffentlichen Haushalte hat der NABU jetzt eine Liste der überzogensten Straßenbauprojekte Deutschlands präsentiert und  den Verzicht von zahlreichen Bauten gefordert. Allein die Streichung von 20 aus ökologischer und ökonomischer Sicht überflüssiger Projekte aus dem Bundesverkehrswegeplan würde 14 Milliarden Euro einsparen. Die Einsparungen helfen den knappen Kassen und  gleichzeitig werden wichtige
Lebens- und Erholungsräume für Mensch und Tier gesichert sowie der immer noch viel zu hohe Flächenverbrauch reduziert.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Die Bundesrepublik verfügt über eines der am besten erschlossenen und dichtesten Straßennetze der Welt.
Dennoch listet der aktuelle Bundesverkehrswegeplan neue Vorhaben mit einer Gesamtlänge von 1.900 Kilometer auf, die in der Bevölkerung höchst umstritten sind, ein erhebliches Umweltrisiko in sich tragen und bei der aktuellen Haushaltslage absolut nicht finanzierbar sind. Um es klar zu
sagen: Beim Straßenbau lebt Deutschland schon seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse.“

Dies werde auch beim Anblick des teilweise maroden Bestandsnetzes deutlich. Über Jahre zurückgestellte Investitionen für die Unterhaltung der Straßen haben ihre Spuren hinterlassen. Der harte Winter habe sein Übriges getan. Nach Schätzungen des NABU beträgt der über die Jahre allein bei kommunalen Straßen entstandene Investitionsrückstau für Sanierungen inzwischen über 150 Milliarden Euro. Mit neuen Großprojekten müsse deshalb nun endlich Schluss sein.

NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger: „Es wäre skandalös, wenn bei der Bildung gespart wird, aber die Republik weiter asphaltiert werden soll.
Wir fordern Intelligenz statt Beton. In kaum einem Ressort kann der Bundesfinanzminister so sinnvoll sparen, wie im Verkehrsministerium. Als Sofortmaßnahme sollten 20 Straßenbauprojekte gestrichen werden, von denen die meisten selbst vom Verkehrsministerium mit einem ‚sehr hohen Umweltrisiko‘ eingestuft werden. Hier sind an oberster Stelle die Autobahn A 14 in Mecklenburg-Vorpommern und die A20/A 22 in Schleswig-Holstein und Niedersachsen zu nennen.“ Die Projekte würden jeweils deutlich über eine Milliarde Euro kosten. Allein schon das künftig zu erwartende niedrige Verkehrsaufkommen rechtfertige eine Streichung.

Aber auch Bundesstraßen wie die als Hochmoselübergang bekannt gewordene B50n (165 Mio.) oder die Rhönquerung durch die B87n (225 Mio.), würden mit zusammen über 390 Millionen Euro nicht nur ein größeres Loch in den ohnehin belasteten Bundesetat reißen, sondern führen auch den enormen Eingriff neuer Straßen in die Landschaft und den Naturhaushalt vor Augen.
Erfreulich sei hingegen die kürzlich verkündete Botschaft des hessischen Wirtschaftsministers Dieter Posch zum Stopp der weiteren Planung der Autobahn A 4. Der NABU, der von Anfang an gegen die Pläne gekämpft hatte, begrüßte die Entscheidung. Von Hessen müsse nun ein Signal an die Bundespolitik gehen: ein „weiter so“ in der deutschen Verkehrspolitik darf es nicht geben.

Dass die Praxis an der A 4 und vielen anderen Straßenbauprojekten meist noch viel schlimmer aussieht, als die Entwürfe im Bundesverkehrswegeplan vermuten lassen, weiß Wulf Hahn, Verkehrsplaner und Verkehrsexperte des
NABU-Hessen: „Für die nun vom Land Hessen aufgegebene Planung der A 4 durch das hessische und nordrheinwestfälische Rothaargebirge wären nach jüngsten Schätzungen der Bundestraßenbauverwaltung 1,8 Milliarden Euro Baukosten angefallen, während im Bundesverkehrswegeplan noch von 1,5 Milliarden Euro ausgegangen wurde. Innerhalb weniger Jahre hätte sich so eine Kostensteigerung von 20 Prozent ergeben.“

Die Erfahrungen zeigten, dass die tatsächlichen Baukosten dann nochmals höher für den Steuerzahler ausfallen. Ein weiteres Autobahnprojekt, die A 49 von Kassel nach Gießen, die zwischen Neuental bei Borken und der A
5 noch nicht gebaut ist, sollte nach Angaben im Bundesverkehrswegeplan lediglich 335 Millionen Euro kosten, während aktuell von über 520 Millionen Euro ausgegangen wird – eine Steigerung von umgerechnet etwa
55 Prozent.

„Es ist an der Zeit, sich von der auf den Straßenbau fokussierten Verkehrsplanung der letzten Jahrzehnte endgültig zu verabschieden.
Autobahnprojekte sind sehr teuer, werden wegen Planungsfehlern meist über Jahrzehnte beklagt und zerstören wertvollen Kultur- und Naturraum, der in Deutschland sehr knapp geworden ist“, so Tschimpke.

Ein Hintergrundpapier sowie die Liste der aus NABU-Sicht irrsinnigsten Straßenbauprojekte,  ausgewählte Fotos der vom Straßenbau bedrohten Landschaftsräume und eine Karte mit dem Trassenverlauf der Straßen zu finden unter www.nabu.de

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Ausmaß einer Umweltkatastrophe

Donnerstag, 3. Juni 2010

Experten diskutieren in Berlin die Folgen der Austrocknung des Aralsees

Der Aralsee in Zentralasien hat seit 1950 rund 90 Prozent seiner Wassermenge verloren. Die Austrocknung, verursacht durch die übermäßige landwirtschaftliche Bewässerung, hat Folgen für Mensch und Natur. Über Auswege aus der Katastrophe sprachen am Mittwochabend Fachleute aus Wissenschaft, Umwelt und Politik. Unter dem Titel „Aralsee. Aus Wasser wird Wüste – Leben mit der Umweltkatastrophe“ hatten der NABU und die kasachische Botschaft nach Berlin geladen.

Der Aralsee war einst der viertgrößte Binnensee der Erde und reich an biologischer Artenvielfalt. Bis man für die systematische Bewässerung die beiden Zuströme Amudarja und Syrdarja abgezweigte. Die folgende Austrocknung des Sees führte zur Bildung der salzhaltigen Aralkumwüste.
Infolgedessen verschwanden rund 20 Tier- und Pflanzenarten. In der Region wurden viele landwirtschaftliche Flächen unfruchtbar, die Zahl der Krankheits- und Todesfälle erreichte 2009 einen neuen Höchststand.

Der Schirmherr der Veranstaltung, Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen, erklärte dazu in einer schriftlichen Mitteilung: „Mit Besorgnis habe ich die Entwicklung des Aralsees über die letzten Jahre und Jahrzehnte verfolgt. Einer der größten Binnenseen der Erde hat in rasanter Geschwindigkeit Dreiviertel seiner ursprünglichen Größe eingebüßt. Es ist keine Übertreibung, wenn wir angesichts des dramatischen Ausmaßes von einer Umweltkatastrophe sprechen“. Röttgen begrüßte daher die Maßnahmen, die die Republik Kasachstan in der Vergangenheit zur Rettung des Aralsees unternommen hat.

Dennoch schreiten nach Expertenaussagen die Austrocknung und die Verwüstung der Region schneller voran als die Maßnahmen, die zu ihrer Rettung getroffen werden. Erste Bemühungen gibt es seit 1993. Sie führten unter anderem zur Gründung des „International Fund for Saving the Aral Sea“. Mittlerweile läuft das ASBP-2-Programm („Aral Sea Basin
Program“) zur  Verbesserung der ökologischen und sozio-ökonomischen Situation der Aralsee-Region. „Die Austrocknung des Aralsees ist ein weltweites Symbol der fortschreitenden Wüstenbildung, die durch den Klimawandel noch beschleunigt wird. Im Vorfeld der nächsten internationalen Verhandlungen unter der Klimarahmenkonvention, die in fünf Tagen in Bonn beginnen, müssen wir auch das Schicksal des Aralsees wieder stärker in das Gedächtnis der Weltöffentlichkeit rücken“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Darüber hinaus sei eine stärkere internationale Zusammenarbeit zur Rettung der Region nötig. Der Umweltminister der Republik Kasachstan, Nurgali Ashimov, betonte: „Priorität haben in den nächsten zehn Jahren die Aufrechterhaltung des Wasserspiegels und die Verringerung des Austrocknungstempos des Aralsees. Ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit ist die Entwicklung der multilateralen Zusammenarbeit zwischen den zentralasiatischen Staaten. Während des diesjährigen Vorsitzes Kasachstans in der OSZE möchten wir darüber hinaus die Aralsee-Problematik weiter in das Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken.“

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NABU: Bundesweit immer weniger Spatzen

Mittwoch, 2. Juni 2010

Ergebnisse zur „Stunde der Gartenvögel“ liegen vor

Rund 40.000 Vogelfreunde nutzten das zweite Maiwochenende zur Teilnahme an der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“, einer Mitmachaktion des NABU und seines bayerischen Partners, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV). Sie meldeten alle Vögel, die sie während einer Beobachtungsstunde im Garten oder vom Balkon aus entdecken konnten. Die Auswertung der mehr als 24.000 Einsendungen liegt nun vor und kann erstmals auf einen Blick mit denen früherer Jahre verglichen werden – mit teilweise überraschenden Ergebnissen.

So nimmt die Zahl der Spatzen kontinuierlich ab, was sich mittlerweile auch im Nordosten der Bundesrepublik bemerkbar macht. „In Berlin wurden rund 16 Prozent weniger Haussperlinge gezählt als 2009, in Mecklenburg-Vorpommern waren es etwa ein Viertel weniger“, berichtete NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Die Ursachen will der NABU nun näher untersuchen.

Entwarnung gibt es hingegen bei den Grünfinken, die im vergangenen Jahr in einigen Regionen mit einem Massensterben für Schlagzeilen gesorgt haben. „Die Population der Grünfinken ist stabil geblieben, bundesweit wurden sogar vier Prozent mehr Vögel dieser Art gemeldet“, erklärte NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow. Die Zahlen dokumentieren zudem, dass winterempfindliche Arten wie der Zaunkönig die strengen Wintermonate gut überstanden haben. „Zaunkönige müssen demnach im letzten Jahr sehr erfolgreich gebrütet haben, nachdem bereits der vorvorige Winter zu einer stärkeren Auslese geführt hatte“, so Nipkow.

Besonders erfreulich sind die Zahlen beim Gartenrotschwanz ausgefallen.
Der südlich der Sahara überwinternde Zugvogel wurde deutschlandweit etwa doppelt so häufig gemeldet wie im Vorjahr. Den stärksten Zuwachs stellten die Vogelfreunde in Rheinland-Pfalz, Hessen und Niedersachsen fest, wo der Gartenrotschwanz teilweise auf der Roten Liste gefährdeter Vogelarten steht.

Die „Stunde der Gartenvögel“ wurde 2005 bundesweit ins Leben gerufen.
Die beiden Naturschutzverbände greifen damit eine Idee aus England auf, wo Vogelfreunde schon seit 1979 einen „Big Garden Birdwatch“ veranstalten. Zur Interpretation der Daten weist der NABU darauf hin, dass Veränderungen der Zählergebnisse nicht zwangsläufig mit Veränderungen der Vogelbestände gleichzusetzen seien. So wurden diesmal weniger Mauersegler und Mehlschwalben registriert, doch nach Beobachtungen der Vogelkundler waren die Insektenjäger vielerorts infolge des nass-kalten Wetters einfach weniger „unterwegs“. „Deswegen ist es so wichtig, Langzeitdaten zu sammeln, mit denen sich punktuelle Beeinträchtigungen wie das Wetter von nachhaltigen Einflüssen trennen und Bestandstrends erkennen lassen“, begründete Nipkow den alljährlichen Aufruf.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Greenpeace: Öl-Unfall in der Nordsee jederzeit möglich

Mittwoch, 2. Juni 2010

Starke Ölverschmutzung bereits durch alltäglichen Förderbetrieb

Die Öl- und Gas-Plattformen in der Nordsee sind unfallgefährdet und für eine schleichende Verschmutzung der Nordsee verantwortlich. Dies ist das Ergebnis eines aktuellen Greenpeace-Beobachtungsfluges. An fünf Nordsee-Plattformen haben Greenpeace-Experten große schwimmende Ölteppiche dokumentiert. Greenpeace kontrollierte 25 der rund 400 Förderanlagen in der Nordsee. Besonders risikoreich ist die Ölförderung des BP Konzerns mit Förderschiffen westlich der Shetland-Inseln in über 400 Metern Wassertiefe. Wie die aktuelle Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko zeigt, sind die Risiken der Offshore-Ölförderung nicht kalkulierbar. Greenpeace fordert daher, dass keine neuen Genehmigungen zur Förderung von Öl und Gas in der Tiefsee erteilt werden.

“Eine Öl-Katastrophe wie im Golf von Mexiko kann sich auch in der Nordsee jederzeit ereignen”, sagt Meeresbiologe Christian Bussau von Greenpeace. “Regelmäßig kommt es bereits zu Unfällen auf Ölplattformen. Schlimmer als die Unfälle sind jedoch die chronischen Ölverschmutzungen. Rund um die Uhr wird schon im Normalbetrieb Öl in die Nordsee eingeleitet.”

Letzten Zahlen der OSPAR (Oslo-Paris-Kommission zum Schutz des Nordost-Atlantiks) zufolge, kam es im Jahr 2007 zu 515 Öl-Unfällen auf Plattformen im Nordost-Atlantik. 3.907 Tonnen Öl traten dabei aus. Zusätzlich wurden 9.596 Tonnen Öl durch den alltäglichen Förderbetrieb eingeleitet. Die Plattformen fördern ein Gemisch aus Öl, Gas und Wasser. Das Wasser wird vom Öl getrennt und als so genanntes Produktionswasser ins Meer geleitet. Es enthält Restmengen an Öl. Schadstoffe aus dem Öl können in die Nahrungskette gelangen und sich beispielsweise in Würmern, Muscheln, Schlangensternen, Fischen, Seevögeln und Meeressäugern anreichern.

Seit die Öl- und Gasreserven in der relativ flachen Nordsee nahezu erschöpft sind, dringen Ölkonzerne in immer größere Tiefen und arktische Regionen vor. Mit steigender Wassertiefe erhöht sich das Risiko von Unfällen. So pumpt BP mit riesigen Förderschiffen, so genannten FPSOs (Floating Production, Storage and Offloading), Öl aus über 400 Meter Wassertiefe. Die Schiffe sind durch flexible Steigleitungen mit dem Bohrloch verbunden. Am Meeresboden wird eine vergleichbare Technik mit Bohrlochköpfen (wellheads) und Sicherheitsventilen wie an der explodierten BP-Plattform im Golf von Mexiko verwendet.

“Falls es hier zu einem Unfall kommt, kann kein Mensch das Bohrloch erreichen”, sagt Bussau. “Taucher können nur bis rund 200 Meter Tiefe arbeiten. Hier müsste, wie bisher erfolglos im Golf von Mexiko, mit unbemannten Unterwasser-Robotern operiert werden.”

Die stärksten Ölverschmutzungen hat Greenpeace bei den Plattformen Ninian Southern, Ninian Central, Tiffany (Canadian Natural Resources Limited), Dunlin (Fairfield Energy) und im Brent Feld (Shell) festgestellt.

Quelle: Offenes-Presseportal

Naturschutzorganisationen fordern: Kyritz-Ruppiner Heide zusätzlich in die Liste des Nationalen Naturerbes aufnehmen

Montag, 31. Mai 2010

DNR-Vizepräsident Leif Miller: “Die von der Bundesregierung geplante Sicherung von 25.000 Hektar national bedeutsamer Naturschutzflächen muss um die Fläche des ehemaligen Bombodroms erweitert werden!”

Im Vorfeld des 3. Nationalen Forums zur Biologischen Vielfalt in Köln fordern die in der Strategiegruppe “Naturschutzflächen” des Deutschen Naturschutzrings organisierten Umweltstiftungen und -verbände die langfristige Sicherung der knapp 13.000 Hektar großen Kyritz-Ruppiner Heide in Nord-Brandenburg als “Nationales Naturerbe”. Das ehemalige Bombodrom erfüllt aufgrund seiner Großflächigkeit und Unzerschnittenheit in herausragender Weise die Kriterien des Nationalen Naturerbes.

Leif Miller, DNR-Vizepräsident, fordert deshalb: “Die Bundesregierung muss auf die durch den Nutzungsverzicht des Bundesverteidigungsministeriums eingetretene neue Situation reagieren und die Kyritz-Ruppiner Heide zusätzlich zu den im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und FDP vereinbarten 125.000 Hektar Naturschutzflächen als ‘Nationales Naturerbe’ ausweisen. Die Sicherung der Fläche darf jedoch nicht zu Lasten anderer wertvoller Naturschutzflächen im Bundeseigentum gehen!”

Die Naturschutzorganisationen verweisen darauf, dass es bundesweit sehr viele wertvolle Naturschutzflächen gibt, die als “Nationales Naturerbe” zu sichern sind. Im Jahr 2005 hatte eine Studie des DNR aufgezeigt, dass 125.000 Hektar Bundesflächen von der Privatisierung ausgenommen werden müssen. 100.000 Hektar konnten bisher gesichert werden. Die verbleibenden 25.000 Hektar will die Bundesregierung dem Naturschutz in dieser Legislaturperiode zur Verfügung stellen. Im Dezember 2009 hat der DNR hierzu dem Bundesumweltminister eine Liste besonders schützenswerter Flächen übergeben. Da sich im Jahr 2005 noch nicht abgezeichnet hatte, dass sich das Militär endgültig aus der Kyritz-Ruppiner Heide zurückziehen würde, war die Fläche in der seinerzeitigen Berechnung nicht berücksichtigt worden.

Soweit diese Fläche nicht direkt an einen Naturschutzträger übertragen werden kann, kommt nach Auffassung der in der DNR-Strategiegruppe organisierten Stiftungen und Verbände auch eine Regelung in Frage, die das Gebiet im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) belässt, aber vom Privatisierungsauftrag ausnimmt. DNR-Vizepräsident Leif Miller verweist in diesem Zusammenhang auf den ehemaligen Übungsplatz Münsingen in Baden-Württemberg. Diese Fläche ist Teil des Biosphärengebietes “Schwäbische Alb” und wird von der BImA als Eigentümer langfristig als Naturschutzfläche betreut – ohne dass die Fläche als Teil des Kontingents den 125.000 Hektar angerechnet wurde. Leif Miller: “Ein Verzicht auf eine Privatisierung ist also grundsätzlich auch außerhalb der beschlossenen 125.000 Hektar möglich, wenn der politische Wille vorhanden ist. Die Bundesregierung muss jetzt handeln und die Kyritz-Ruppiner Heide für das Nationale Naturerbe sichern!”

Quelle: Offenes-Presseportal

NABU: Weltweites Artensterben bei Vögeln schreitet ungebremst fort

Samstag, 29. Mai 2010

Alarmierende neue Rote Liste vorgestellt

Anlässlich einer Aktualisierung der Roten Liste der Vögel durch seinen Dachverband BirdLife International macht der NABU auf den voranschreitenden Artenschwund aufmerksam. Von den weltweit rund 10.000 Vogelarten seien bereits 132 Arten ausgestorben. Jüngstes Opfer ist der auf Madagaskar lebende Delacour-Zwergtaucher. „In diesem Fall haben von Seiten der Fischerei eingeführte Raubfische zu einem dramatischen Bestandsrückgang des mit unserem Zwergtaucher verwandten Wasservogels geführt, der zuletzt nicht mehr zu stoppen war“, erklärte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Auch im Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt sei es nicht gelungen, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten.

Die im Auftrag der IUCN (International Union for Conservation of Nature) erstellte Liste verdeutlicht, dass schon mehr als zwölf Prozent aller Vogelarten vom Aussterben bedroht sind oder als besonders gefährdet gelten. Auch in Deutschland besteht nach Angaben des NABU das Risiko, jede achte heimische Vogelart zu verlieren. Während global bedrohte Arten oft nur kleinste Regionen besiedeln und dadurch einem höheren Aussterberisiko unterliegen, gehen in Deutschland und anderen Mitgliedstaaten der EU vor allem die Zahlen weit verbreiteter und ehemals häufiger Vögel zurück. „Hier macht den Tieren die immer intensiver betriebene Landwirtschaft am meisten zu schaffen“, sagte NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow. Wo etwa Grünland zu Äckern umgebrochen werde und Pestizide jegliche Insekten und Wildkräuter vernichteten, hätten viele Vögel keine Chance zu überleben. Ein Beispiel sei der zunehmend als Energiepflanze angebaute Mais. „Der Maisanbau hat allein in den letzten fünf Jahren um 25 Prozent zugenommen und macht mittlerweile fast 18 Prozent der gesamten Ackerfläche in Deutschland aus. Riesige Maisäcker ohne Fruchtfolge bieten unseren Feldvögeln keine ausreichende Nahrungsgrundlage, ihr Bruterfolg geht daher gegen Null“, so Nipkow. Um das Artensterben zu stoppen, sei daher ein drastischer Umbau der EU-Agrarpolitik notwendig. „Die 56 Milliarden Euro, mit denen die europäischen Steuerzahler jährlich die Landwirtschaft subventionieren, müssen endlich für die Förderung nachhaltiger Anbaumethoden und die Unterstützung ökologischer Leistungen verwendet werden“, so Nipkow.

Die neue internationale Liste gefährdeter Vogelarten zeigt aber auch, dass es gelingen kann, vom Aussterben bedrohte Vogelarten durch Naturschutzmaßnahmen zu fördern. So erholten sich die Bestände des Azorengimpels durch eine gezielte Renaturierung seiner Lebensräume. Auch viele durch die EG-Vogelschutzrichtlinie geschützte Arten wie Schwarzstorch, Kranich, Seeadler, Wanderfalke und Uhu profitierten durch Jagdverbote und die Ausweisung von europäischen Vogelschutzgebieten.
Diese Beispiele zeigten den Erfolg des Naturschutzes, wenn neben dem Bekenntnis zum Schutz der biologischen Vielfalt auch konkrete Maßnahmen unternommen und ausreichende finanzielle Mittel zu deren Umsetzung bereit gestellt würden.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Tabuzonen für Ölförderung auf See

Dienstag, 25. Mai 2010

Kein Öl aus der Arktis – WWF fordert politischen Richtungswechsel in der Offshore-Ölforderung

Angesichts der unabsehbaren Umweltschäden durch die aktuelle Ölkatastrophe im Golf von Mexiko fordert der WWF ein Aussetzen weitere neuer Bohrvorhaben auf See – insbesondere für unmittelbar bevorstehende Bohrungen in den arktischen Gewässern vor Alaska. Geplanter Start für die Explorationsbohrungen in der Arktis durch Shell ist der 1. Juli. Vor Beginn jeglicher neuer Bohrungen in US-Gewässern muss nach WWF-Ansicht die vollständige Aufarbeitung der “Deepwater Horizon” Katastrophe durch die eingesetzte unabhängige Kommission erfolgen und strengere Sicherheitsvorschriften erlassen werden. Fast 700 Lizenzen für die Beaufort- und Tschuktschensee vor Alaskas Küsten sind bereits vergeben. Am 24. Mai soll das Förderschiff “Frontier Discoverer” von Shell von den Philippinen aus nach Alaska starten.

“Während man im Golf vom Mexiko noch verzweifelt darum kämpft, die aktuelle Katastrophe unter Kontrolle zu bekommen, wird in Alaska der Startschuss für einen neuen Öl-Rausch in der empfindlichen Arktis abgefeuert,” sagt WWF-Meeresschutzexperte Stephan Lutter. “Wer jetzt die gleiche Technik ohne umfassende Fehleranalyse unter eisigen, extremen Bedingungen der Arktis einzusetzen will, spielt ökologisches Roulette.” Das Risiko für einen Blow-Out bestehe unabhängig von der Tiefe, in der gebohrt werde. In extremen Tiefen seien Reparaturarbeiten und technische Möglichkeiten ein Leck einzudämmen aber stark eingeschränkt. Die von extremer Kälte und Dunkelheit geprägten Bedingungen in der unzugänglichen Arktis seien noch deutlich schlechter. Shell plant Explorationsbohrungen ca. 100 – 200 Kilometer vor der Küste Alaskas, in einer Region mit häufigen Stürmen, eisbedecktem Wasser und Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. “Eine Krisen-Infrastruktur wie sie derzeit im Golf zum Einsatz kommt, existiert in der Arktis einfach nicht. Dort müsste man im Ernstfall ein halbes Jahr warten, bis die Eisdecke geschmolzen ist, um das ausgetretene Öl entfernen zu können,” so Lutter weiter. Ohne ein detailliertes Sicherheitskonzept, wie im Katastrophenfall das Ökosystem der Arktis geschützt werden könne, sollten nach WWF-Ansicht keine Bohrungen in arktischen Gewässern begonnen werden.

Wie Ölkatastrophe im Golf vom Mexiko beweise, sind Offshore-Förderungen auch mit modernster Technik mit unkalkulierbarem Risiko verbunden. “Sicherheit und Risikominimierung müssen erstes politisches Leitprinzip bei der Erteilung von Lizenzen zur Öl- und Gasforderung auf See werden,” so Lutter weiter. Auch die derzeit geplanten Bohrungen westlich von Irland und Schottland, den Färöer Inseln, und in der Barentssee stellen ein Risiko für die europäischen Meere und Küsten dar.

Quelle: Offenes-Presseportal

BirdLife und NABU legen alarmierenden „Biodiversitäts-Report“ vor

Montag, 24. Mai 2010

Tschimpke: Wir brauchen einen Rettungsschirm für die biologische Vielfalt

Anlässlich des Internationalen Tages der biologischen Vielfalt (22.5.) hat BirdLife International eine mit seinen europäischen Partnerverbänden wie dem NABU erarbeitete Biodiversitäts-Studie vorgestellt. Darin werden die Ursachen analysiert, warum es der Staatengemeinschaft nicht gelungen ist, das Artensterben bis 2010 zu stoppen. Aber es werden in dem 24 Seiten starken Report auch -  unter anderem anhand von Fallbeispielen zum erfolgreichen Schutz verschiedener Arten – konkrete Vorschläge zur Rettung der biologischen Vielfalt gemacht.

Im Biodiversitäts-Vergleich der 27 EU-Staaten landete Deutschland unter dem Durchschnitt, besonders schlechte Werte erzielte es bei der Bestandssituation geschützter Lebensraumtypen und Arten, sowie aufgrund der weitgehend fehlenden Managementpläne für die Natura 2000-Schutzgebiete. „Nicht nur in Deutschland, in praktisch allen Mitgliedstaaten ist der Schutz der biologischen Vielfalt zu oft kurzsichtigen wirtschaftlichen Einzelinteressen zum Opfer gefallen, etwa in der Agrar-, Fischerei- und Infrastrukturpolitik“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Der NABU fordert die Europäische Union, Deutschland und die Bundesländer daher auf, endlich einen politischen und finanziellen Rettungsschirm für die biologische Vielfalt zu spannen, deren Verlust eine UN-Studie zum ökonomischen Wert der biologischen Vielfalt (TEEB) auf derzeit 50 Milliarden Euro und bis zu 14 Billionen Euro bis zum Jahr 2050 veranschlagt. „Die BirdLife-Analysen und die TEEB-Studie belegen, dass die Biodiversitätskrise mindestens so dramatisch ist wie die aktuelle Euro-Krise. Sie verlangt daher ebensolche Entschlossenheit im Handeln“, so NABU-Europadirektor Claus Mayr.

Erst Ende April hatten Wissenschaftler von BirdLife International und mehr als vierzig Instituten in der renommierten Fachzeitschrift „Science“ eine Studie veröffentlicht, die auch für die globale Ebene das vollständige Versagen der Politik beim Artenschutz belegt.

Untersuchungen zu Naturschutzaktivitäten der Bundesländer bestätigten das auch für Deutschland. Europa habe eigentlich wirksame gesetzliche Regelungen zum Schutz der biologischen Vielfalt. „Diese sind aber nur so gut, wie sie von Bund und Ländern umgesetzt werden. In Deutschland besteht noch erheblicher Nachholbedarf. Bei der Umsetzung der 2007 verabschiedeten nationalen Biodiversitätsstrategie steht die Ampel für die meisten Länder auf Rot“, so Mayr.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Rettungsnetz für Stiefelgeiß & Co.

Montag, 24. Mai 2010

Elbarn-Projekt schafft Zukunft für alte Nutztierrassen in Europa

Anlässlich des Internationalen Tags der Artenvielfalt drängt EuroNatur massiv darauf, den Schutz der an die vielfältigen Landschaften Europas angepassten Nutztierrassen zu intensivieren. “Europas alte Nutztierrassen sind geradezu eine Schatzkiste der Biodiversität. Doch jeden Monat stirbt derzeit eine davon aus. Schon heute bilden weltweit nur sehr wenige Rassen den Großteil des Nutztierbestandes. Dadurch wird der Genpool erheblich dezimiert und die Widerstandsfähigkeit sowie die Anpassungsfähigkeit der Nutztiere gegenüber Krankheiten und Änderungen der Lebensbedingungen nehmen ernsthaft ab”, mahnt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Naturschutzstiftung EuroNatur.

Jeder Einzelne kann mithelfen, diese Juwelen der landwirtschaftlichen Vielfalt zu schützen. Mittlerweile gibt es eine Webseite www.elbarn.org, die europaweit sämtliche Höfe vorstellt, die alte Nutztierrassen beherbergen. “Mit einem Besuch dieser sogenannten Archehöfe und dem Kauf der hochwertigen Produkte, die dort hergestellt werden, kann jeder dazu beitragen, Wollschwein, Stiefelgeis und Co eine Zukunft zu geben”, erläutert Elli Broxham, Programmkoordinatorin bei der Stiftung SAVE.

Die Website mit der öffentlich zugängliche Datenbank ist eines der Ergebnisse eines dreijährigen, von der Europäischen Union geförderten Projekts mit dem Namen ELBARN (“Europäisches Arche- und Rettungs-Netzwerk”, oder englisch “European Livestock Breeds Ark and Rescue Net”). Ziel des Projekts war es, bestehende Archehöfe und Einzelinitiativen in Europa miteinander zu vernetzen und so das Überleben der Einrichtungen langfristig zu sichern. Dieses ehrgeizige Ziel hat EuroNatur gemeinsam mit SAVE und zahlreichen Partnerorganisationen erreicht und damit einen wichtigen Meilenstein zum Erhalt der Biodiversität in Europa gesetzt.

Auch die Gründung und das Betreiben eines Archehofs wird in Zukunft erleichtert: Ein Handbuch (ELBARN-Guidelines) stellt für Viehhalter grundsätzliche Informationen zum Management von Archehöfen und wertvolle Tipps für das Marketing ihrer Produkte bereit. Für vier Teilregionen Europas haben EuroNatur und SAVE gemeinsam mit den Partnern an die Gebiete angepasste Leitfäden erarbeitet. Ein notwendiger Schritt, wie EuroNatur-Projektleiter Martin Schneider-Jacoby erklärt: “In Mitteleuropa gibt es bereits viele Archehöfe, aber gerade auf dem Balkan und in Osteuropa, benötigen wir dringend weitere Rettungsinseln. Gerade dort gibt es noch eine besonders hohe Artenvielfalt in der Landwirtschaft, die es dringend zu erhalten gilt. Durch das ELBARN Netzwerk bringen wir die wertvolle Erfahrung dahin, wo Unterstützung am nötigsten ist.”

Quelle: Offenes-Presseportal