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Haifisch, Tiger & Co: Gewinner und Verlierer 2010

Dienstag, 28. Dezember 2010

Menschenverursachtes Artensterben schreitet auch 2010 ungebremst voran. Grund zur Hoffnung: Staatengemeinschaft setzt sich ehrgeizige Ziele

Der WWF zieht unter Artenschutzgesichtspunkten eine durchwachsene Jahresbilanz. Zwar hielt das massive, vom Menschen verursachte Artensterben auch 2010 weiter an, doch immerhin hat die UN-Konferenz zum Erhalt der biologischen Vielfalt (CBD) im Oktober dieses Jahres Blockaden für den internationalen Naturschutz aus dem Weg geräumt. “Wir sind auf der UN-Konferenz einen wichtigen Schritt vorangekommen. Es sind ehrgeizige Ziele formuliert worden”, erklärt Eberhard Brandes, Vorstand des WWF Deutschland, anlässlich des anstehenden Jahreswechsels. So sollen vermehrt Schutzgebiete an Land und auf hoher See ausgewiesen werden. Außerdem hat man sich darauf geeinigt, Subventionen, die eine Verringerung der Artenvielfalt zur Folge haben bis 2020 abzubauen, zu reformieren oder zu beenden. “Biodiversität ist ein Wirtschaftsfaktor und deren Erhalt wird immer mehr zu einem Garant für langfristigen, ökonomischen Erfolg”, sagte Brandes. “Unternehmen erkennen in zunehmendem Maße, dass eine intakte biologische Vielfalt ökonomische Leistung erbringt. Das ist ein erster, wichtiger Schritt in die richtige Richtung.” Hauptursachen für den anhaltenden Verlust biologischer Vielfalt weltweit sind Lebensraumzerstörung, Klimawandel, Wilderei und Übernutzung. Die von Menschen verursachte Aussterberate liegt laut WWF mindestens hundertmal höher als der natürliche Artenschwund. Und während sich etwa die Lage von Nashorn, Hai oder Schuppentier 2010 weiter verschlechtert hat, können Tierarten wie Tiger, Wolf und Dorsch immerhin optimistischer in die Zukunft blicken.

Die Verlierer 2010

Nashorn – Allein bis September 2010 hat Südafrika nach WWF-Angaben mehr als 230 Nashörner durch Wilderei verloren. Damit wird in dem Land durchschnittlich alle 30 Stunden ein Breit- oder Spitzmaulnashorn getötet. Nur in den 1970er Jahren habe die Wilderei ein ähnlich erschreckendes Ausmaß erreicht. “Die Hörner gehen vor allem nach Asien, wo sie in geriebener Form als dubiose Heilmittel eingesetzt werden”, sagt WWF-Artenschutzexperte Stefan Ziegler. Dementsprechend ist auch die Lage der asiatischen Nashörner extrem kritisch. So wurde im April im vietnamesischen Cat Tien Nationalpark ein totes Java-Nashorn entdeckt. Das Tier wurde vermutlich von Wilderern erschossen. Es ist anzunehmen, dass damit das letzte Java-Nashorn in Vietnam getötet wurde.

Hai, Tunfisch und Koralle – Keine internationalen Handelsverbote für Rote Koralle, Blauflossentunfisch und diverse Hai-Arten. Die Politik hätte auf der Artenschutzkonferenz in Doha im März 2010 die Gelegenheit gehabt, die Artenvielfalt der Meere besser zu schützen, doch die Anträge wurden allesamt abgelehnt. So darf der Blauflossenthunfisch weiterhin als Sushi-Delikatesse auf dem japanischen Markt enden – obwohl die Population um bis zu 85 Prozent eingebrochen ist. Ähnlich dramatisch die Situation von Weißspitzen-Hochseehai und Hammerhai: Die Flossen dieser Fische landen noch immer in der Suppenschüssel. Die Rote Koralle wird weiterhin Bestandteile von Medizin- und Schmuckprodukten sein.

Schuppentier – Die Summe der gewilderten Schuppentiere in Asien binnen eines Jahres dürfte in die hunderttausende gehen, befürchtet der WWF. Nach einem im Oktober 2010 veröffentlichten Report wurden allein für ein einziges Schmuggler-Syndikat auf der Insel Borneo rund 22.000 Schuppentiere gewildert. Da es unzählige solcher Artenschmuggler gibt, sei die Dunkelziffer auch um ein vielfaches höher. Aus den Bestandteilen des Schuppentiers (auch Pangolin genannt) werden dubiose Heilmittel hergestellt. Die Population könne der maßlosen Gier durch kriminelle Syndikate auf Dauer nicht standhalten, so der WWF.

Wale – Das Jahr 2010 brachte erneut keinen Konsens in Sachen Walfang und -schutz. Die Verhandlungen über einen Kompromissvorschlag zum Fang auf Großwalarten bei der Jahrestagung der Internationalen Walfangkommission (IWC) im Juni führten zu keinem Ergebnis. “Ein Kompromiss, der den bestehenden Walfang unter die Kontrolle durch die IWC stellt, wäre klar vonnöten gewesen” sagte Volker Homes, Leiter WWF-Artenschutz. “Bedrohte Arten wie Finn- und Seiwal bleiben trotz Moratorium weiter auf der Abschussliste der Walfangnation Japan.”

Die Gewinner 2010

Tiger – Nach WWF-Schätzungen leben weltweit nur noch rund 3.200 Tiger in freier Wildbahn. Der Druck durch Wilderei und Lebensraumzerstörung auf die Art ist unvermindert hoch, doch nach dem “Jahr des Tigers 2010″ kann die Großkatze hoffnungsvoller in die Zukunft blicken. Vertreter aller dreizehn Tiger-Verbreitungsstaaten haben sich nämlich auf dem Tiger-Gipfel im November zu einem globalen Tiger-Rettungsplan bekannt. Auch auf das Ziel, die Bestandszahlen des Tigers bis 2022 zu verdoppeln, konnten sich die Politiker verständigen. Der WWF sprach von einem “historischen Moment für den Artenschutz”, mahnte zugleich “schnelle und konkrete Taten” an. Geberländer wie Deutschland und die USA, aber auch Institutionen wie die Weltbank, Privatpersonen wie Hollywoodstar Leonardo DiCaprio und Organisationen wie der WWF haben bereits finanzielle Zusagen getätigt. In der Amur-Region, wo sich der WWF seit 1993 gemeinsam mit seinen Partnern engagiert, sind die Bestandszahlen des Tigers seit vielen Jahren stabil. Nach Schätzungen durchstreifen dort rund 450 Exemplare die Wälder.

Wolf – Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland schreitet auch 2010 weiter voran. Im Sommer gelangen in der Lübtheener Heide dank einer WWF-Fotofalle Aufnahmen eines vermutlich männlichen Tieres. Und auch Bayern hat wieder einen Wolf. Seit mehreren Monaten durchstreift ein Rüde das österreichisch-bayerische Grenzgebiet. “Der Wolf besiedelt trotz mancher Rückschläge seine alte Heimat wieder”, freut sich WWF-Experte Janosch Arnold. Deutschlandweit gibt es nach Schätzung des WWF zwischen 60 und 75 Wölfe. Ein Großteil davon lebt in der sächsischen Lausitz. Aber auch aus anderen Regionen, wie Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, werden immer wieder Sichtungen gemeldet.

Dorsch – Innerhalb von nur drei Jahren ist der östliche Bestand des Dorsches in der Ostsee auf das Dreifache angewachsen. Die Gründe für die erfreuliche Entwicklung seien ein wirkungsvoller Wiederaufbauplan, eine Verkleinerung der Fangflotte sowie eine konsequente Eindämmung der illegalen Fischerei. Der positive Trend zeige, so der WWF, dass sich Fischbestände unter günstigen ökologischen Bedingungen und einem nachhaltigen Management wieder erholen können. Um diesen Erfolgstrend auch langfristig zu sichern, fordert der WWF die strikte Einhaltung des EU-Wiederaufbauplans auch für das kommende Jahr. “Die Fischereiminister müssen trotz der guten Prognosen für den Dorsch auch in den kommenden Jahren die Fangquoten mit Bedacht festlegen und den wissenschaftlichen Empfehlungen folgen” fordert Karoline Schacht, Fischereiexpertin des WWF.

WWF World Wide Fund For Nature

Quelle: Offenes-Presseportal

BUND-Bilanz und Ausblick: 2010 Höhepunkt der Anti-Atom-Proteste

Montag, 27. Dezember 2010

2011 steht Agrarreform an: Großdemonstration am 22. Januar in Berlin

“2010 war nicht das Jahr des so genannten Wutbürgers. Es war ein Jahr demokratischer und phantasievoller Bürgerproteste gegen Fehlentscheidungen wie die Aufkündigung des Atomausstiegs oder die Verlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs unter die Erde.” Dieses Fazit zieht Hubert Weiger, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer Rückschau auf das Jahr 2010. Für 2011 erwartet er zwei Hauptthemen, an denen der BUND arbeiten wird: “Die Europäische Union steht 2011 in der Agrar- und Klimapolitik vor entscheidenden Weichenstellungen. Die Verteilung von fast 60 Milliarden Euro Agrarsubventionen muss neu geregelt und das Klimaschutzziel von minus 20 Prozent CO2 muss auf minus 40 Prozent erhöht werden.”

Die Anhebung der Ziele zur CO2-Minderung für alle Staaten der Europäischen Union sei ebenso dringend erforderlich wie eine stärker an Umwelt- und Tierschutz orientierte Landwirtschaft. Bei beiden Themen komme der Bundesregierung eine Schlüsselrolle zu. Verweigere sie sich ambitionierten Klimaschutzzielen und blockiere sie die anstehenden Agrarreformen, werde sie ihrer Verantwortung für eine zukunftsfähige Wirtschaftsweise nicht gerecht.

“Positive Trends im Natur- und Umweltschutz gingen 2010 leider nicht auf das Konto der schwarz-gelben Bundesregierung. Der isländische Vulkan Eyjafjallajökull und die Wirtschaftskrise haben mehr zur Reduzierung der globalen Treibhausgase beigetragen als die Umweltpolitik von Kanzlerin Angela Merkel und Umweltminister Norbert Röttgen. In Deutschland sind die CO2-Emissionen im letzten Jahr sogar um etwa 30 Millionen Tonnen gestiegen”, sagte Weiger. Die zu starke Abhängigkeit der Industriestaaten von fossilen Rohstoffen habe auch die Explosion der Ölbohrinsel “deep water horizon” und die anschließende Ölkatastrophe im Golf von Mexiko deutlich gemacht.

“Weder die Bundesregierung noch die deutsche Wirtschaft haben die nötigen Lehren aus den Umweltdebatten der vergangenen Jahre gezogen. Strengere Vorgaben zur Verbrauchsminderung für Autohersteller wurden blockiert, Straßen und Autobahnen übertriebenen Verkehrsprognosen hinterher geplant, umweltfreundliche Verkehrsmittel wie die Bahn vernachlässigt und mit Laufzeitverlängerungs-Geschenken an Atomstromkonzerne der Ausbau der erneuerbaren Energien behindert. Federführend in rückwärtsgewandter Umweltpolitik ist meist das von FDP-Politiker Rainer Brüderle geleitete Bundeswirtschaftsministerium”, sagte Weiger.

2010 habe die schwarz-gelbe Bundesregierung mit der neuen Abgabe auf Atom-Brennstäbe und der Luftverkehrssteuer erste Schritte beim Abbau umweltschädlicher Subventionen getan. Diese Maßnahmen seien jedoch allein der klammen Haushaltslage geschuldet gewesen. Zu den Erfolgen des Jahres 2010 gehöre, dass das Bundesverfassungsgericht die gentechnikfreie Landwirtschaft geschützt habe, indem es die strengen Regeln zum Schutz vor Verunreinigungen von Äckern mit Gentech-Pflanzen bestätigte.

International habe es 2010 ebenfalls einige Erfolge gegeben. Weiger: “Im UN-Jahr der Biodiversität hat sich die Weltgemeinschaft in Japan auf den Abbau umweltschädlicher Subventionen bis 2020 verständigt und Anfang Dezember wurde im mexikanischen Cancun der UN-Prozess für ein globales Klimaschutzabkommen vor dem Scheitern bewahrt. Trotzdem kommt der Klimaschutz nur schleppend voran. Wenn die Industriestaaten nicht endlich mit verbindlichen und strengeren CO2-Minderungszielen aufs Tempo drücken, werden sich Zahl und Ausmaß der vom Menschen verursachten Klimakatastrophen leider noch erhöhen.”

Weiger hob hervor, dass es 2010 eine Renaissance der Anti-Atom-Bewegung gegeben habe. Hunderttausende seien für eine zukunftsfähige Energieversorgung ohne Atomkraft auf die Straße gegangen. Für 2011 kündigte der BUND-Vorsitzende neue Demonstrationen an: “Wir werden den erstarkten Bürgerprotest gegen die fragwürdigen Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke, gegen Prestigeprojekte wie `Stuttgart 21` und gegen eine verfehlte Agrarpolitik auch im kommenden Jahr auf die Straße tragen. Schon am 22. Januar veranstalten wir anlässlich der Grünen Woche in Berlin gemeinsam mit einem breiten Bündnis von Umwelt-, Agrar- und Tierschutzverbänden eine große Kundgebung für Gentechnikfreiheit und Agrarreformen. Und wenn sich im April die Tschernobyl-Katastrophe zum 25. Mal jährt, werden wir deutschlandweit zu Protesten gegen die schwarz-gelbe Atompolitik aufrufen.”

Quelle:  fair-NEWS

NABU zieht verhaltene Bilanz zum Ende des UN-Jahres der Biologischen Vielfalt

Sonntag, 26. Dezember 2010

Tschimpke: 2011 Ernst machen mit Abbau umweltschädlicher Subventionen

Mit Blick auf das zu Ende gehende Internationale Jahr der Biologischen Vielfalt hat der NABU eine mäßige Bilanz gezogen. Die Vereinten Nationen hatten 2010 zum Internationalen Jahr der Biologischen Vielfalt erklärt. Weltweit wollten die Regierungen bis dahin den Rückgang der Arten aufgehalten oder zumindest stark gebremst haben.
In der Realität ist dieses Vorhaben gescheitert.

„Das Internationale Jahr der Biologischen Vielfalt geht zu Ende, ohne das Ziel, den Verlust an Arten und Lebensräume zu stoppen, global, in der EU oder auch nur in Deutschland erreicht zu haben. Das Jahr 2010 muss deswegen ein deutlicher Weckruf für stärkere Anstrengungen zur Sicherung unserer natürlichen Lebensgrundlagen sein. Der Erfolg beim Erhalt und der nachhaltigen Nutzung der Vielfalt unserer Arten und Lebensräume bestimmt unsere Zukunft. Einfach weitere zehn Jahre untätig verstreichen zu lassen, wäre für die Artenvielfalt unserer Erde katastrophal“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Anlässlich der Abschlusszeremonie zum UN-Jahr am 18./19. Dezember im japanischen Kanazawa und dem Treffen der EU-Umweltminister am 20.
Dezember in Brüssel forderte der NABU verstärkte Anstrengungen auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene.

Allein in Deutschland sind über 70 Prozent der Lebensräume gefährdet, 40 Prozent der Tierarten stehen auf der Roten Liste, jede zweite einheimische Vogelart gilt als gefährdet, ein Drittel der Pilzarten und fast ein Drittel der Farn- und Blütenpflanzen sind gefährdet oder bereits ausgestorben. Schuld daran sind insbesondere die intensive Landwirtschaft sowie der anhaltend hohe Flächenverbrauch und die Zerschneidung der Landschaft durch Siedlungen und Verkehrswege. Die vor drei Jahren verabschiedete Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt müsse endlich in den Bundesländern umgesetzt werden. Dies gelte auch für das Bundesprogramm Biologische Vielfalt, zu dem sich die Bundesregierung auf Anregung des NABU im Koalitionsvertrag verpflichtet habe.

Ein erster wichtiger Schritt im neuen Jahr wäre der Abbau umweltschädlicher Subventionen. „Ob im Agrar-, Fischerei-, Verkehrs- oder Energiebereich: Wir können nicht weiter mit Steuergeldern die Zerstörung des Planeten fördern. Die EU-Regierungen und das Europäische Parlament haben daher im kommenden Jahr die Aufgabe, die landwirtschaftliche Förderung neu und umweltverträglicher zu gestalten“, so Tschimpke.

Positiv seien die Ergebnisse der Weltnaturschutzkonferenz im japanischen Nagoya im Oktober zu bewerten. Die Tatsache, dass die 193 Vertragsstaaten der UN-Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) in Nagoya einstimmig einem umfassenden Paket von Naturschutzmaßnahmen zugestimmt hätten, sei für die Weltgemeinschaft ein beachtlicher Erfolg.
Jetzt müssten die Regierungen ihren Worten Taten folgen lassen. „In Nagoya wurde beschlossen, bis 2020 alle umweltschädlichen Subventionen abzubauen. Jetzt ist es an Deutschland und Europa hier entschlossen voranzugehen und das Wohl des Planeten über Lobbyinteressen zu stellen“, so Tschimpke.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NABU warnt vor leeren Kompromissen in Cancún

Montag, 6. Dezember 2010

Tschimpke: Kyoto-Protokoll bleibt Stolperstein der Klimaverhandlungen

Zu Beginn der zweiten Woche der UN-Klimaverhandlungen im mexikanischen Cancún fordert der NABU die angereisten Minister auf, über ambitionierte Ziele und Maßnahmen zu entscheiden, mit denen die Staatengemeinschaft die Bewältigung des Klimawandels voranbringen will.
„Es kann nicht nur darum gehen, Formelkompromisse einzugehen und dabei wichtige Inhalte unter den Tisch fallen zu lassen. Vor allem bei den Reduktionszielen für den Treibhausgasausstoß dürfen wir nicht hinter die Ergebnisse des gescheiterten Kopenhagen-Gipfels zurückfallen“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Stattdessen müsse in Cancún eine Analyse und Überprüfung der bisher angekündigten Klimaschutzbeiträge der einzelnen Staaten beschlossen werden, um auf der nächsten Weltklimakonferenz in Südafrika Ende 2011 die Lücke zum Einhalten des 2-Grad- oder sogar eines 1,5-Grad-Limits für die globale Erderwärmung schließen zu können.

Solange die Industrieländer keine Klarheit über die Zukunft des Kyoto-Protokolls schaffen, bleibt dies aus Sicht des NABU der wesentliche Stolperstein für einen Erfolg in Cancún. „Es wäre eine Katastrophe, wenn es nach 2012 keine international gültigen Regeln für die Begrenzung der Treibhausgas-Emissionen mehr gäbe. Daher sind Fortschritte bei den Verhandlungen unter dem Kyoto-Protokoll entscheidend, wie wir die einzigen verfügbaren, rechtlich verbindlichen Instrumente im internationalen Klimaschutz weiter entwickeln und nutzen wollen“, so Tschimpke. Um dies zu ermöglichen, müssten sich zunächst die Skeptiker wie Japan, Kanada und Russland eindeutig zu ihren Verpflichtungen unter dem Kyoto-Protokoll bekennen. Ansonsten drohten viele Schwellen- und Entwicklungsländer, die Verhandlungen über ihre eigenen Beiträge zum Klimaschutz zu blockieren.

Beim Schutz von Wäldern, bei der Anpassung an den Klimawandel sowie für die technologische Zusammenarbeit und finanzielle Unterstützung von Entwicklungsländern seien bisher lediglich allgemeine Prinzipien verhandelt worden. Der NABU hält es für erforderlich, dass darüber hinaus in Cancún konkrete Entscheidungen über die Einrichtung eines Klimafonds und der für die Umsetzung benötigten Institutionen getroffen werden. „Unabhängig davon wie lange es noch dauern wird, bis ein neues Weltklimaabkommen zustande kommt, müssen sich die Vertragsstaaten bereits jetzt verpflichten, langfristige Strategien für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel auf nationaler Ebene zu entwickeln und umzusetzen“, sagte NABU-Klimaexperte Carsten Wachholz.

NABU-Präsident Olaf Tschimpke ist vom 7.-11.12.2010 in Cancún vor Ort und steht für Gespräche und Interviewanfragen zu den UN-Klimaverhandlungen zur Verfügung.

Für Rückfragen: Carsten Wachholz, NABU-Klimaexperte, mobil in Cancún erreichbar unter +49 (0) 172 4179727 oder per E-Mail an carsten.wachholz@nabu.de.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.


Munition im Meer ist tickende Zeitbombe

Sonntag, 21. November 2010

Umfassende Suche und Bergung von Großkampfmitteln in Nord- und Ostsee notwendig

Der NABU, die Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere GSM und die Gesellschaft zur Rettung der Delphine GRD haben eine umfassende Bergung und umweltschonende Beseitigung von Altmunition in Nord- und Ostsee gefordert. Von den versenkten Altlasten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gehe eine große Gefahr für Mensch und Meeresumwelt durch freigesetzte Giftstoffe aus. Die konventionellen Sprengmethoden schützten das sensible marine Ökosystem nicht ausreichend. Das teilten die Verbände im Rahmen einer dreitägigen Experten-Konferenz zur umweltschonenderen Beseitigung von Altmunition im Meer in Neumünster mit.

„Die Munition im Meer ist eine tickende Zeitbombe, die erhebliche Auswirkungen auf die Meeresumwelt, Fischerei, den Tourismus und die Schiffssicherheit hat. Bund und Küstenländer müssen mehr Anstrengungen unternehmen, die betroffenen Meeresgebiete zu kartieren und darauf basierend eine Risiko-Analyse erstellen“, forderte Ingo Ludwichowski, Geschäftsführer  des NABU Schleswig-Holstein.

Zwischen 400.0000 und 1,3 Millionen Tonnen konventioneller Munition sind in deutschen Küstengewässern während und nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg versenkt worden. Sowohl die konventionellen Sprengstoffe sowie auch chemische Kampfmittel sind ein erhebliches Risiko für Mensch und Natur.

NABU, GRD und GSM begrüßten die Initiative des Kieler Innenministeriums, bei Sprengungen in dem mit Altmunition belasteten Urlaubsgebiet an der Ostseeküste vor Heidkate in der Kieler Bucht nur noch Blasenschleier einzusetzen. Mittels dieser technisch erzeugten Luftblasen unter Wasser wird der Explosionslärm deutlich eingedämmt.
„Bei aktuell notwendigen Sprengungen müssen Blasenschleier verpflichtend zum Einsatz kommen, allerdings nur in Verbindung mit vorangehender Vergrämung durch akustische Signale. Denn Sprengungen können noch in 4 Kilometer Entfernung massive oder gar tödliche Verletzungen bei Schweinswalen, Seevögeln und Fischen verursachen“, so Sven Koschinski, Meeresbiologe und Experte für Unterwasserschall.

Unabhängig vom Einsatz schalldämmender Blasenschleier sehen die Verbände Munitionssprengungen nach wie vor kritisch.

„Blasenschleier sollten nur als Übergangslösung und damit echte Brückentechnologie dienen, bis die anderen bereits bestehenden alternativen Beseitigungstechniken universell einsetzbar sind. Bei Sprengungen verbleiben erhebliche Mengen des TNT und seiner Abbauprodukte im Wasser und können in der Nähe von Badestellen an den Strand gespült werden. Die Stoffe werden in der Nahrungskette angereichert, die Auswirkungen auf Meeresorganismen sind bislang kaum erforscht“, so NABU-Meeresschutzexperte Kim Detloff.

Daher sprechen sich die Verbände für den Einsatz und die Weiterentwicklung von umweltschonenderen Techniken aus, wie sie mit der Roboterbergung und anschließender Bestrahlung mit UV-Licht oder Wasserstrahlschneidtechnik in Verbindung mit mobilen Detonationskammern bereits existieren und eingesetzt werden.

NABU, GRD und GSM appellierten an Bundesverkehrsminister Ramsauer, bei der Altmunitionsentsorgung seiner Verantwortung gerecht zu werden und sich für die Einführung einer risikoärmeren Entsorgung einzusetzen.

Noch bis zum 18. November treffen sich in der Stadthalle Neumünster rund 150 Vertreter aus den Ost- und Nordsee-Anrainerstaaten, Kanada, den USA und Italien. Ziel der dreitägigen Konferenz ist es, mit der Hilfe internationaler Experten einen Überblick über die aktuelle Situation und neue Entwicklungen bei der umweltschonenderen Beseitigung von nicht explodierter Altmunition zu gewinnen und ein Netzwerk von Experten zu schaffen.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.


Europäische Biokraftstoff-Ziele fördern ökologische und soziale Konflikte

Montag, 8. November 2010

Studie belegt massive CO2-Emissionen und Landnutzungsänderungen

Die EU-Ziele zum Ausbau der Agrokraftstoffe bis zum Jahr 2020 verursachen erhebliche Klimagasemissionen sowie einen zusätzlichen Flächenbedarf in Höhe von bis zu 69.000 Quadratkilometern. Dies ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie des Instituts für Europäische Umweltpolitik (IEEP), die heute von zahlreichen Umweltverbänden in Brüssel vorgestellt wurde. Die Studie berechnet anhand der Nationalen Aktionspläne für Erneuerbare Energien aus 23 EU-Mitgliedstaaten die indirekten Landnutzungsänderungen, die durch die zusätzliche Nachfrage nach Biomasse zur Erreichung der Treibstoffziele ausgelöst werden. Die größte Menge Biosprit wird dabei mit 5,5 Millionen Tonnen in Deutschland benötigt. Dies entspricht einer Anbaufläche von bis zu einer Million Hektar sowie zusätzlichen jährlichen CO2-Emissionen von bis zu 11 Millionen Tonnen.

„Die Untersuchung macht deutlich, dass eine Fläche ungefähr so groß wie Bayern in intensive Ackerkulturen oder Plantagen umgewandelt werden müsste. Wenn die EU-Mitgliedstaaten ihre Ziele im Bereich der Agrokraftstoffe nicht korrigieren, sind daher gravierende Konsequenzen für Klimaschutz und Ökosysteme weltweit zu befürchten“, sagt NABU-Agrarexperte Florian Schöne.

Nach Angaben der Nationalen Aktionspläne sollen die Agrokraftstoffe bis zum Jahr 2020 9,5 Prozent des gesamten Treibstoffbedarfs im Verkehrssektor ausmachen, wovon über 90 Prozent aus angebauten Energiepflanzen kommen. Wenn dabei die indirekten Landnutzungsänderungen einbezogen werden, die durch eine Verdrängung der bisherigen Lebensmittelerzeugung auf andere Standorte entstehen, so ist mit zusätzlichen Treibhausgasemissionen in Höhe von 27 bis 56 Millionen Tonnen Kohlendioxid zu rechnen. Die Treibhausgasbilanzen der Agrokraftstoffe sind damit nach Berechnungen des IEEP im Schnitt um 81 bis 167 Prozent schlechter als fossile Kraftstoffe.

„Die Studie bestätigt die schlimmsten Befürchtungen zu den Schäden von Agrokraftstoffen für Umwelt und Klima. Die Umwandlung von Wald, Weideland oder Moorflächen in Ackerland und Plantagen führt dazu, dass deutlich mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, als später durch die vermeintlichen Biokraftstoffe eingespart wird“, so Corinna Hölzel, Waldexpertin von Greenpeace.

Die EU-Kommission diskutiert derzeit über die negativen Folgen so genannter indirekter Landnutzungsänderungen für die Klimaschutzpolitik.
Schon jetzt bestehen große Zweifel, ob Ethanol und Biodiesel zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes im Verkehr überhaupt helfen können. Die Umweltverbände rufen die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, ihre Ausbauziele für Agrokraftstoffe einzufrieren und die Konsequenzen der indirekten Landnutzungsänderungen in die Treibhausgasbilanzen der Kraftstoffe einzubeziehen.

„Agrokraftstoffe sind keine klimafreundliche Lösung für unseren Energiebedarf, sondern sie verdrängen vor allem in tropischen Ländern die lokale Bevölkerung, den Lebensmittelanbau und natürliche Ökosysteme wie Regenwälder“, so Reinhild Benning, Agrarexpertin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Solange die gesamten Konsequenzen der Agrokraftstoffe für Umwelt und Klima nicht berücksichtigt würden, müsse die Politik die Beimischungsziele grundsätzlich in Frage stellen.

Eine deutsche Kurzfassung der Studie ist im Internet zu finden unter www.nabu.de/biokraftstoffe Die englischsprachige Langfassung steht ab dem 8. November unter www.nabu.de zur Verfügung.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

Bundeskabinett macht Weg für zweifelhaften Ethanol-Kraftstoff frei

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Miller: E 10 ist der falsche Kraftstoff zum falschen Zeitpunkt

Zusätzlich zu den bestehenden Kraftstoffsorten werden Autofahrer ab Januar 2011 an einer gesonderten Zapfsäule Benzin mit einem Anteil von zehn Prozent Ethanol, so genanntes E 10, tanken können. Der NABU hat die EU-Richtlinie und den heutigen Beschluss des Bundeskabinetts, der den Weg für E 10 freimacht, kritisiert.

„Die Öko- und Klimabilanz von Ethanol, das aus zucker- oder stärkehaltigen Pflanzen hergestellt wird, ist äußerst umstritten. Eine steigende Biospritproduktion hat erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Die Umwandlung von Wald, Weide- oder Brachland in Ackerland kann dazu führen, dass deutlich mehr Kohlendioxid freigesetzt wird, als später durch Biokraftstoffe eingespart wird. E 10 ist daher der falsche Kraftstoff zum falschen Zeitpunkt“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Die EU-Kommission diskutiert derzeit intensiv über die negativen Folgen so genannter Landnutzungsänderungen für die Klimaschutzpolitik. Schon jetzt bestehen große Zweifel, ob Ethanol und Biodiesel zur Senkung der CO2-Emissionen im Verkehr überhaupt helfen können. Klar dürfte jedoch sein: Je höher die Zielvorgaben im Kraftstoffsektor, umso höher die zu erwartenden Eingriffe in die Natur.

Miller: „Die Folgen einer verstärkten Landnutzungsänderung für Klima und Biodiversität müssen dringend in die Ökobilanz von Biokraftstoffen einfließen und in den entsprechenden Verordnungen berücksichtigt werden. Solange die Verordnungen noch nicht geändert sind, darf die Politik keine neuen Initiativen zur Steigerung des Biokraftstoffanteils im Markt ergreifen.“

Aus NABU-Sicht ist die Akzeptanz der E10-Zapfsäulen ohnehin fraglich. Der Kunde sei durch unterschiedliche Angaben zur Motorenverträglichkeit und zur Ökobilanz von Kraftstoffen mit höherem Ethanol-Anteil verunsichert.

NABU-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger: „Wenn E 10 von den Tankstellenbetreibern preislich nicht deutlich unter dem herkömmlichen Benzin angeboten wird, sind die Marktchancen des neuen Kraftstoffes äußerst bescheiden. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Dies zeigt die Historie der Agrarkraftstoffe, die zu erheblichen Umweltschäden führen und so die Akzeptanz der ganzen Biomassenutzung in der Bevölkerung untergraben können.“ Derzeit sei leider kein klimaverträglicher Flüssigkraftstoff in Sicht. Umso wichtiger sei es, dass die Anstrengungen der Autoindustrie zur Verbesserung der Effizienz intensiviert werden.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

NABU und LBV: Gartenrotschwanz ist „Vogel des Jahres 2011“

Freitag, 8. Oktober 2010

Streuobstwiesen sind wichtiger Lebensraum für den Singvogel

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV), NABU-Partner in Bayern, haben heute in Berlin den Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) zum „Vogel des Jahres 2011“ gekürt. Der früher weit verbreitete und recht häufige Singvogel mit dem namensgebenden ziegelroten Schwanz ist heute in vielen Regionen selten geworden. Besonders im Westen Deutschlands ist er aus zahlreichen Dörfern und Kleinstädten verschwunden. Immer weniger Gärten genügen heute noch seinen Ansprüchen.

„Im Jahr des Gartenrotschwanzes wollen wir auf die Gefährdung dieses farbenprächtigen Vogels aufmerksam machen und zeigen, dass oftmals schon mit einfachen Mitteln neue Lebensräume wie Streuobstwiesen geschaffen werden können“, sagte NABU-Vizepräsident Helmut Opitz. Gartenrotschwänze brauchen Nisthöhlen, wie sie vor allem in alten Obstbäumen zu finden sind. Streuobstwiesen zählen daher zu den typischen Lebensräumen. Mit ihren hochstämmigen Obstbäumen, die ein hohes Alter erreichen können, bieten sie sowohl geeignete Brutplätze als auch die notwendigen Sitzwarten, von denen die Vögel nach Insekten jagen.

„Die Bestände des Gartenrotschwanzes sind im selben Maße zurückgegangen, wie die Streuobstgürtel um unsere Ortschaften Neubaugebieten und Obstplantagen weichen mussten“, erläuterte der LBV-Vorsitzende Ludwig Sothmann.

Bundesweit gibt es nach Schätzungen der beiden Verbände höchstens noch 300.000 Hektar Streuobstwiesen. Damit nicht noch mehr verloren geht, müssten die Betreiber solcher Flächen faire Preise für ihr Obst erhalten. „Die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen muss sich wieder lohnen“, so Opitz. Der NABU hat 1988 das „Streuobst-Qualitätszeichen“ ins Leben gerufen. Es garantiert den Erzeugern höhere Preise und den Verbrauchern hochwertige Streuobstprodukte.

Neben Obstwiesen sind strukturreiche Kleingartenanlagen mit altem Baumbestand zunehmend von Bedeutung. Hier findet der Gartenrotschwanz oftmals letzte Rückzugsräume. Zum Schutz des schlanken, etwa 14 Zentimeter großen Singvogels, fordern NABU und LBV auch ein Umdenken bei der Gestaltung von Gärten und Parks, denn der Gartenrotschwanz braucht abwechslungsreiche Landschaften. Auf sterile Rasenflächen, fremdländische Gehölze und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln müsse zugunsten von natürlicher Vielfalt verzichtet werden. In passender Umgebung kann dem Gartenrotschwanz auch mit speziellen Nistkästen geholfen werden.

Der Bestand des Gartenrotschwanzes in Deutschland wird auf 110.000 bis 160.000 Brutpaare geschätzt. Noch vor 30 Jahren war er etwa drei- bis viermal so hoch. Als Insektenfresser lebt der Gartenrotschwanz nur im Sommerhalbjahr bei uns. Den Winter verbringt er in den afrikanischen Savannen südlich der Sahara. Auch dort und entlang seiner Zugwege ist er etlichen Gefahren ausgesetzt. Großflächige Monokulturen verdrängen mehr und mehr die natürliche Baumsavanne und nicht wenige der Vögel werden Opfer der in manchen Ländern noch üblichen Singvogeljagd. Langfristig könnten allerdings die Folgen des Klimawandels schwerwiegender sein. Dürreperioden im Mittelmeerraum und in der Sahelzone nehmen zu, die von den Vögeln zu überwindenden Wüsten dehnen sich von Jahr zu Jahr weiter aus.

Weitaus bekannter und häufiger als der Gartenrotschwanz ist sein naher Verwandter, der schlichter gefärbte Hausrotschwanz. Dieser stammt ursprünglich aus felsigen Bergregionen. Als Kulturfolger hat er sich unsere Städte als „Ersatzfelsen“ erobert. Garten- und Hausrotschwanz werden daher leicht miteinander verwechselt.

Vogel des Jahres 2010 ist der Kormoran.

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.


Agrarfabriken Thema im Bundestag

Dienstag, 5. Oktober 2010

Morgen (6.10.) wird der Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung des Bundestages über einen „Antrag zur Beschränkung der Massentierhaltung im Außenbereich“ der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen abstimmen und eine Beschlussempfehlung für das Plenum abgeben. Auch der beteiligte Landwirtschafts- sowie der Umweltausschuss werden über den Entwurf beraten und eine entsprechende Empfehlung abgeben. Der Deutsche Tierschutzbund begrüßt den Vorstoß und fordert die Ausschussmitglieder auf, dem Gesetzentwurf – entsprechend des Staatsziels Tierschutz im Grundgesetz – zuzustimmen.

Nach wie vor entstehen immer mehr Agrarfabriken, in denen zehntausende von Schweinen, Puten, Hühnern auf engstem Raum unsäglich leiden. Darüber hinaus müssen immer mehr Betriebe – besonders Familienbetriebe – paradoxerweise trotz hoher Subventionszahlungen – die Landwirtschaft aufgeben. Die intensiven Landbewirtschaftungsformen führen zur Abnahme der Artenvielfalt und Belastung der Böden und Gewässer. Große CO2-Speicherflächen gehen durch die fortschreitende Umwandlung von Grünland zu Ackerflächen und die Haltung der Tiere im Stall verloren.

„Bauernhöfe statt Agrarfabriken. Das muss der Weg sein, das ist auch der Wunsch der Verbraucher.  Das bedeutet eine konsequente Umkehr von der bisher verfolgten Politik hin zu einer tierschutzkonformen und umweltverträglichen Landwirtschaft, die auch landwirtschaftlichen Familienbetrieben eine Existenz sichert – so wie sie der Deutsche Tierschutzbund seit Jahren fordert“, so Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Widerstand lohnt sich. So wird beispielsweise die Schweinemastanlage in Haßleben (Brandenburg) bereits seit über sechs Jahre verhindert – ein großer Erfolg für die Tierschützer.  Aktuell existieren Pläne für die Haltung von rund 65.000 Schweinen, ursprünglich waren 85.000 Tierplätze geplant. Bis heute liegt von der zuständigen Behörde keine endgültige Entscheidung vor.

„Agrarfabriken sind ein Irrweg. Das Ziel muss eine tier-, umwelt- und klimafreundliche Landwirtschaft sein. Dafür benötigen wir strenge, verbindliche Vorschriften zu Haltung, Transport und Schlachtung für alle landwirtschaftlich genutzten Tiere“, so Apel abschließend.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.

25 Jahre Nationalpark Wattenmeer: Nur halber Grund zum Feiern

Montag, 27. September 2010

Naturschutzverbände warnen vor Schwächung des Nationalparks in Schleswig-Holstein

Anlässlich des 25jährigen Geburtstags des Nationalparks Wattenmeer in Schleswig-Holstein bekennen sich die Naturschutzverbände NABU, Schutzstation Wattenmeer und WWF klar zum Nationalpark und seinen Erfolgen. Zu ihnen zählen der bessere Schutz der Salzwiesen, das Verbot der Jagd auf rastende Wasservögel oder die Bestandserholung von Seehunden und Kegelrobben. Ein großer Erfolg sei auch die breite Zustimmung der Öffentlichkeit für den Schutz und die Anerkennung des Nationalparks als Weltnaturerbe, die 2009 gemeinsam mit dem niedersächsischen und dem niederländischen Wattenmeer erreicht wurde.

Die Naturschutzverbände warnen angesichts zahlreicher Schutzprobleme im Nationalpark zugleich aber vor einem wachsenden Glaubwürdigkeitsproblem: „Die Nationalparkverwaltung wird bei vielen entscheidenden Fragen innerhalb des eigenen Nationalparks gar nicht beteiligt“, sagte Hans-Ulrich Rösner, Leiter des Wattenmeerbüros beim WWF. Ihr fehle zu oft der Rückhalt der Landesregierung zum Erreichen der Schutzziele. Es sei nach 25 Jahren Nationalpark nun wichtiger denn je, dass Schleswig-Holsteins Umweltministerin Juliane Rumpf den Vorrang der Natur im Nationalpark durchsetzt.

Zu den lange bekannten Problemen zählt, dass schon kurz nach der Gründung mitten im Nationalpark die Ölförderung auf der Mittelplate begann. Sie wurde seitdem nicht nur intensiviert, jüngst wurde sogar ohne Not auf Geheiß des schleswig-holsteinischen Wirtschaftsministeriums die Konzession um 30 Jahre verlängert. Dabei blieb es nicht: „Selbst eine von RWE Dea geplante Ausweitung der Ölförderung mit Bohrungen außerhalb der Mittelplate wurde von der Landesregierung noch nicht ausgeschlossen“, beklagte Johann Waller, Vorsitzender der Schutzstation Wattenmeer.

Doch hat der Nationalpark auch in anderen Fragen zu wenig Wirkung: So mausert hier jedes Jahr im Sommer fast der gesamte nordwesteuropäische Bestand der Brandgänse. Rund 200.000 Tiere sind in dieser Zeit flugunfähig und sehr empfindlich, so dass sie auf ein besonders ruhiges und ungestörtes Wattgebiet nahe der Elbmündung angewiesen sind.
„Doch trotz einer freiwilligen Vereinbarung mit der Fischerei, das entsprechende Gebiet in dieser Zeit nicht zu befahren, gibt es noch so viele Störungen durch einzelne uneinsichtige Fischer, dass die Erhaltung dieses Mausergebietes gefährdet ist“, sagte Hermann Schultz, Vorsitzender des NABU Schleswig-Holstein.

Für die Naturschutzverbände zeigt es sich nach 25 Jahren als ein zentrales Problem des Nationalparks, dass die Unterwasserwelt dort kaum geschützt werde. Die Fischereibehörden umgehen die eigentlich notwendige Anwendung des europäischen Naturschutzrechts auf die Fischerei und opponieren gegen jede Regelung zugunsten des Naturschutzes. Immer wieder werden Eingriffe durch die Fischerei ohne Beteiligung der Nationalparkverwaltung genehmigt. Jüngstes Beispiel sind die Importe von Miesmuscheln aus anderen Ländern, mit denen weitere gebietsfremde und invasive Arten ins Watt eingeschleppt werden können.

Eine 1999 gesetzlich bestimmte Nullnutzungszone ist das einzige Gebiet des Nationalparks, in dem sich auch die Unterwassernatur erholen könnte. Dies ist einer der ganz wenigen Regelungen, die es für die Fischerei im Nationalpark gibt. Auch sie ist fast wirkungslos, denn dort angetroffene Fischkutter können meist nicht belangt werden, weil das Gebiet nicht in den von Bundesbehörden verantworteten Seekarten dargestellt wird.

Bis heute gelang es auch nicht, die bereits 1999 veränderte Begrenzung des Nationalparks und seiner Schutzzonen in jene Befahrensregelung für Boote und Schiffe zu übernehmen, für die das Bundesverkehrsministerium zuständig ist. So ist ein unüberschaubares Regelwirrwarr entstanden, bei dem nicht überrascht, dass es niemand versteht und Verstöße auch kaum verfolgt werden. Lösbar wäre dies leicht, denn schon seit 2004 liegt ein mit allen Betroffenen an der Küste einvernehmlich besprochener Vorschlag für eine neue Befahrensregelung vor.

WWF, Schutzstation Wattenmeer und NABU betonen, dass nach 25 Jahren genügend Zeit war, um allen Behörden zu vermitteln, dass die Natur im Nationalpark gesetzlichen Vorrang hat. Dies gilt für Landes- wie Bundesbehörden, denn das Bundesnaturschutzgesetz (§ 24) sagt ganz klar: „Nationalparke sind rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete … Nationalparke haben zum Ziel, in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik zu gewährleisten.“

Quelle: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.